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Bayern

Chilenische Müller beim Bayerischen Müllerbund

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Der Gegenbesuch der chilenischen Müllereikollegen beim Bayerischen Müllerbund.
2024
10/11/2024
Chilenische Müller beim Bayerischen Müllerbund

Im Oktober erfolgte der Gegenbesuch der chilenischen Müllereikollegen in Bayern. Leonhard Weber von der Mühle Villarrica und Aufsichtsratsmitglied der Mühlen Kunstmann in Valdivia, Pablo Avendano Hoffmann, General Manager der Mühlen Kunstmann, sowie Vanessa Suazo, Leiterin der Qualitätssicherung und Produktentwicklung, hatten den Bayerischen Müllerbund in Chile herzlich empfangen. Aus den vielen anregenden Fachgesprächen vor Ort entstand die Idee, sich in Bayern wiederzutreffen.

Das Team der Molinos Kunstmann aus Valdivia, Chile, beim Brot-Tasting aus Mehlen der Drax-Mühle in der Bäckerei Brotliebe in Soyen:v.l.n.r.: Pablo Vidal (Leiter der technischen Projektabteilung), Ruben Strobel (Instandshaltungsleiter), Dr.–Ing. Pablo Avendano (C.E.O. Molinos Kunstmann), Mauricio Perez (Mühlereileitung), Gilda Perez (Begleitung), Vanessa Suazo (Leiterin Qualitätssicherung und Produktentwicklung).

Besonders interessierten sich die chilenischen Müller für die Zusammenarbeit der Mühlenbetriebe in Deutschland und Österreich mit den regionalen Landwirten, insbesondere in Bezug auf die Sortenauswahl. Zudem erhofften sie sich von den Mühlenbesichtigungen in Deutschland und Österreich Anregungen, wie sie ihre Prozesse modernisieren können – vor allem im Bereich Annahme, Reinigung und Verpackung, und das gern auch mithilfe gebrauchter Maschinen.

Die chilenische Delegation reiste im Herbst gemeinsam nach München, wo sie von Dr. Josef Rampl begrüßt wurde. Dr. Rampl hatte für die Reisegruppe vom 30. September bis zum 4. Oktober ein umfangreiches Besuchsprogramm zusammengestellt, das von der Ammendorfer Mühle über die Zimmermann-Mühle, die Rosenmühle, die Drax-Mühle von Monika Drax bis hin zur Huemer Mühle in Österreich führte. Viele Mitglieder des Bayerischen Müllerbundes, die an der Reise nach Chile teilgenommen hatten, begrüßten die Kollegen aus Südamerika herzlich und freuten sich, die anderen Reiseteilnehmer wiederzusehen.

Die Reisegruppe aus Chile ist begeistert vom historischen Mühlengebäude aus dem Jahre 1607 der Ammerndorfer Mühle von Familie Stinzendörfer.

Pablo Avendano, Albert Stinzendörfer und Dr. Josef Rampl besprechen die Vorteile der Plansichter der Firma Rüter Maschinenbau. Besonders angetan waren die chilenischen Mühlenmitarbeiter von dem ehemaligen Roboter eines Automobilkonzern, der nun in der Ammendorfer Mühle Mehlsäcke stapelt.
Albert Stinzendörfer mit seinem Sohn Johann, der die Mühle übernommen hat.
Der nächste Besuch führte die Reisegruppe zu GoodMills in die Getreidemühle Ergolding. Die Rosenmühle wurde 1898 als Vereinigte Kunstmühlen AG gegründet und ist heute die größte Mühle Bayerns. Die Mühle kann jährlich bis zu 210.000 Tonnen Getreide aus Roggen, Weizen und Dinkel vermahlen (Foto: Christian Rückert 2.v.r.).
Beim Besuch der Drax-Mühle: Erste Reihe v.l.n.r.: Leonhard Weber, Albert Stinzendörfer, Pablo Avendano, Monika Drax, Christine Rückert, Christian Rückert, Dr. Josef Rampl. Hintere Reihe v.l.n.r.: Ruben Strobel, Pablo Vidal, Mauricio Perez, Gilda, Vanessa Suazo, Maximilian Drax, Detlef Eibisch, Ulrich Hochmuth und Rainer Miserre.
Vanessa Suazo schreibt beim Besuch der Drax-Mühle eifrig mit. Besonders interessiert die Qualitätsmanagerin die Zusammenarbeit von Monika Drax mit den Landwirten, um eine gleichbleibend hohe Qualität ihrer Spezialmehle zu gewährleisten.

Monika Drax führt die verschiedenen Getreidesorten und die Verarbeitungsstufen ihrer auf Spezialmehle wie Urgetreide ausgerichteten Bio-Mühle vor.

Leonhard Weber (Molino Villarrica und Mitglied Aufsichtsrat Molinos Kunstmann) mit Maximilian Drax im Fachgespräch über die Prozesse der Spezialmühle.
Bäcker Denis Hüwel hatte ohne Zusatzstoffe aus den Spezialmehlen der Drax-Mühle am Feiertag des 3. Oktober frische Bio-Brote gebacken. Alle durften die handgeformten Laibe aus Rotkorn, Einkorn, Emmer und vielen anderen Getreidesorten probieren und den Geschmack vergleichen. Die Backstube in Soyen bezieht ihre Mehle für ihre Brote und die Feinbäckerei von der Drax-Mühle.

Markus Huemer und sein Sohn Thomas (Mitte) empfingen dann die Reisegruppe in der Huemer Mühle in Stern im Bezirk Braunau am Inn, getreu dem Familien-Motto: in hervorragender Qualität und Präzision in Form von guter Laune und einem Lächeln im Gesicht (Foto: Dr. Josef Rampl 2.v. links).
Leonhard Weber und Pablo Avendano im Gespräch mit Markus Huemer, Geschäftsführer der Huemer Mühle (Foto: Albert Stinzendörfer).

Chilenische Müller beim Bayerischen Müllerbund
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Bayern

Bayerische Müller beim Trachtenzug zum Oktoberfest 2024

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Der Bayerische Müllerbund beim traditionellen Trachten- und Schützenzug 2024 am zweiten Tag des Oktoberfests.
2024
10/9/2024
Bayerischer Müllerbund beim Trachtenzug zum Oktoberfest 2024

Früh am Sonntagmorgen trafen sich die bayerischen Müllerinnen und Müller am Karolinenplatz vor dem Haus des Bayerischen Müllerbunds. Familie Gerstmeyr hatte von ihrer Bruckmühle traditionelle Jutesäcke mitgebracht. Für den leichteren Transport waren diese aber nicht mit Mehl, sondern mit Holzwolle gefüllt. Schwere Pakete brachte Dr. Josef Rampl dagegen mit. Darin enthalten die Westen, Schürzen und Mützen für den Trachtenumzug. Oben im Müllerhaus wurde dann anprobiert. Perfekt ausgestattet stellte man sich zum Erinnerungsfoto auf der Terrasse des Müllerhauses auf. Danach schulterten die Müller den Sack und die Gruppe marschierte zu Fuß zum Startpunkt des großen Trachtenumzuges.

Gruppenfoto auf der Terrasse des Bayerischen Müllerbunds vor dem Abmarsch um Trachtenumzug 2024. Erste Reihe v.l.n.r.: Alfons Kolbeck (Mühle Kolbeck, Chamerau), Michael Hemmer (Meyermühle, Landshut), Andrea Rampl in der Hinterskirchner Tracht, Ramona Gerstmeyr (Bruckmühle, Nähermemmingen), Maxi Schmid (Schmidmühle Buchloe), Andreas Löffl (Wolfmühle, Forstinning). Zweite Reihe v.l.n.r.: Philipp Cramer (Cramer Mühle, Schweinfurt), Martin Hacker (Hackermühle, Vilslern), Dr. Josef Rampl (Bayerischer Müllerbund, München), Thomas Hacker (Hackermühle, Vilslern), Anton Schmid (Schmidmühle, Buchloe). Hintere Reihe v.l.n.r.: Rainer Miserre (Mühle + Mischfutter), Ludwig Kraus (Würmmühle, Dachau), Gerhard Wieser (Lerchenmühle, Golling), Alfred Thurmaier, Friedrich Ammon (Wattenbacher Mühle). Alle Fotos: Sabine Kemper.

Beim traditionellen Trachten- und Schützenzug 2024 am zweiten Tag des Oktoberfests marschierten über zehntausend Trachtenträger mit - und die Müller waren vorne im ersten Drittel des Zuges mittendrin. Für den einzigartigen Umzug, einem der schönsten weltweit, schmückten sie eine zweispännige Müllerkutsche mit einem Mühlstein und den Mehlsäcken. Dann gibg es zusammen mit dem Hinterskirchner Trachtenverein los. Die Müller angeführt vom Präsident Rudolf Sagberger begleiteten bei strahlendem Sonnenschein gut gelaunt, standesgemäß ausgestattet mit Weste, Schürze und Mütze den Wagen. Auf dem sieben Kilometer langen Fußmarsch durch die City winkten die Müller eifrig und hunderttausende Zuschauer bejubelten den langen Zug. Viele riefen: "Da sind die Müller" und freuten sich über das traditionelle Handwerk.

Kritische Blicke von Michael Hemmer und Alfred Thurmaier. Die Schürze muss den richtigen Sitz haben.

Ramona Gerstmeyr, die gerade eine Ausbildung zur Müllerin absolviert, in der traditionellen Kleidung.
Andrea und Dr. Josef Rampl verteilen die Westen und Schürzen an die Müller, die im Zug mitlaufen.
Mühle + Mischfutter Herausgeber Rainer Miserre ist eingeladen mitzumarschieren und wird eingekleidet.
Noch schnell macht Familie Gerstmeyr ein Foto mit Andreas Löffl und los geht es.
Rudolf Sagberger, Präsident des Bayerischen Müllerbundes, führte die Müller an in Richtung Sammelplatz des Trachtenumzugs.
Auch der Müllerei-Nachwuchs kam mit auf den 7 km langen Marsch.
Vor dem Abmarsch zum Trachtenumzug versammelten sich die Müller um Rudolf Sagberger (mitte) vor dem Haus des Bayerischen Müllerbunds am Karolinerplatz in München.
Rechts und Links neben dem Zweispänner mit den Mehlsäcken und dem Mühlstein liefen die Müller mit durch die Maximilianstraße in München. Die Straßen sind gesäumt von Zuschauern, die den Müllern zuwinken.
In der Mittagshitze werden Wasserbecher an die Mitläufer verteilt. Die Müller laufen in der Gruppe des Hinterskirchner Trachtenvereins mit und winken weiter gutgelaunt den vielen Menschen rechts und links der Starße zu.
Der Zug der Müller kurz vor der Wiesn.
Ludwig Kraus von der Wurmmühle und Gerhard Wieser von der Lerchenmühle Wieser GmbH.
Alfred Thurmaier und Andreas Löffl nach sieben Kilometern Winken und Michael Hemmer, der auf dem Wagen den Mühlstein bearbeitete.
Einzug auf die Wiesn.
Dr. Josef Rampl  und der Hinterskirchner Trachtenverein ziehen winkend auf das Oktoberfest.
Im Festzelt ist ein Tisch für die Müllergruppe reserviert.
Dr. Josef Rampl weist den Weg zu den reservierten Bänken für die Müller.
Dr. Josef Rampl (Bayerischer Müllerbund) und Philipp Cramer (Cramer Mühle) freuen sich über die gelungene Präsentation des Müllerhandwerks auf dem großen Trachtenumzug 2024.

Bayerischer Müllerbund beim Trachtenzug zum Oktoberfest 2024
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Getreide
Interview
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Nordrhein-Westfalen

Konstantin Golombek möchte eine Brücke zwischen Müllereipraxis und Wissenschaft

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Seit 1. April 2024 ist der Agrarökonom Konstantin Golombek in Detmold Geschäftsführer der AGF.
2024
10/8/2024
Konstantin Golombek möchte eine Brücke zwischen Müllereipraxis und Wissenschaft

M+M: Seit April dieses Jahres sind Sie in Amt und Würden. Wie waren Ihr Start und die ersten Erfahrungen?

Konstantin Golombek: Von meinem Team in Detmold und von den Kolleginnen und Kollegen des benachbarten Max Rubner-Instituts wurde ich bestens empfangen. In der Vorstandssitzung der AGF haben wir betont, dass wir in allerbester Manier die Dinge nach vorne entwickeln wollen. Diesen Entwicklergeist in den einzelnen Wirtschaftszweigen finde ich bewundernswert. Trotz aller Herausforderungen am Standort Deutschlandwerden immer wieder Lösungen gefunden. Auch dank unserer engen Vernetzung vonPraxis und Wissenschaft, die wir hier in Detmold bieten.

Ich bin fasziniert von der Vielfalt der Getreidewertschöpfungskette, die hier in Detmold eine ganz wichtige Brücke indie Wissenschaft findet. Die drei Organisationen hier auf dem Schützenberg geben einen Eindruck, wie vielfältig das Thema Getreideverarbeitung ist. Die Tagung für Müllerei-Technologie mit Erntegespräch ist eines unserer Flaggschiffe. Wir hatten aber seit meinem Start schon einige herausragende Veranstaltungen inDetmold. Vom Lebensmittelrechtstag, den viele zu Recht als den relevantesten Lebensmittelrechtstag Deutschlands in der Getreidewertschöpfungskette bezeichnen, bis hin zur internationalen Veranstaltung der Starch Convention, der Stärketagung.

M+M: Wie haben Sie sich bisher eingearbeitet und standen auch Besuche in Mühlen auf Ihrem Programm?

Konstantin Golombek: Ich war in den letzten Monaten viel unterwegs, auch an wichtigen Forschungsstandorten wieder Universität in Hohenheim, in Weihenstephan, in Hamburg beim Institut fürLebensmittelchemie, aber auch in einigen Mühlenbetrieben konnte ich mich informieren. Die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung, die 1946 hier als zartes Pflänzchen entstanden ist, hat feste Wurzeln in alle Richtungen entwickelt. Das ist für mich sehr faszinierend und deckt sich sehr mit meinem Bedürfnis - über eventuell in der Vergangenheit vorhandenes Silodenken hinweg - die Akteure mit einem ganzheitlichen Wertschöpfskettenverständnis zusammenzubringen. Wie wichtig das ist, konnten wir hier auf der Müllereitagung erleben. Natürlich freuen wir uns immer in erster Linie über die Müllerinnen und Müller, die teilnehmen. Das sind Inhaber oder Mitarbeiter von Konzernmühlen und der Nachwuchs von den Müllerschulen. Die Exzellenz all unserer Mühlen ist nur aufgrund von Forschung und Entwicklung, innovativer Technik und anderen Dienstleistern in der Branche gegeben. Deshalb freue ich mich besonders über die Vielfalt der Vorträge und dass so viele Aussteller gekommen sind und hier ihre Produkte präsentieren. Alles zusammen bildet den Erfolg der Branche.

M+M: Sind Sie am Ende des zweiten Tages mit der Jubiläumsveranstaltung “75. Müllereitagung” zufrieden?

Konstantin Golombek: Ich bin sehr zufrieden und sehe um mich herum nur ganz viele Teilnehmer mit freudigen Gesichtern. Ich habe den Eindruck, dass sich alle gefreut haben, wieder hierher zu kommen.  Dazu gehört auch die gestrige Abendveranstaltung, die sich als Netzwerkplattform anbot. Ich habe den Abend und die Gespräche gestern selbst sehr genossen. Bei herrlichem Wetter konnten wir den Schützenberg von seiner besten Seite erleben.

M+M: Nach der Müllereitagung ist vor der nächstes Detmolder Müllereitagung. Was steht zwischenzeitlich an?

Konstantin Golombek: Direkt im Anschluss fahre ich nach Berlin, wo die gesamte Getreidewertschöpfungskette zum Verbändegespräch “Backweizenqualität” im Bundeslandwirtschaftsministerium zusammen kommt. Dort werden unter Beteiligung des Mühlensektors wichtige Forschungsvorhaben besprochen, um auch in Zeiten des Klimawandels weiter nachhaltig die geforderten Backweizenqualitäten am Standort Deutschland produzieren zu können. Bis Jahresende jagt dann ein Highlight das andere. Besonders freue ich mich, am 12. und 13. November 2024 die nächste Stufe der Getreidewertschöpfungskette bei uns in Detmold zu begrüßen zu unserer 75. Tagung für Bäckerei-Technologie. Da werde ich wohl auch das ein oder andere bekannte Gesicht der müllernden Zunft wiedersehen.

M+M: Wie wollen Sie denStandort Detmold weiterentwickeln? Bisher laufen die Veranstaltungen noch im lange etablierten Konzept. Gibt es Ideen für neue Themen und Veranstaltungskonzepte?

Konstantin Golombek: Tatsächlich werden wir bei der Themenauswahl auch weiterhin großen Wert auf Aktualität und Relevanz legen. Auch unser Veranstaltungskonzept werden wir immer wieder weiter entwickeln, ganz den Bedürfnissen unserer Teilnehmer entsprechend. Mein Kompass ist die Orientierung an unserer Kernfunktion. Die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung muss die verschiedenen Wirtschaftszweige mit der Wissenschaft zusammenbringen. Um unseren Zielgruppen eine Plattform zu bieten, nutzen wir unterschiedliche Formate und probieren immer wieder Neues aus. Ende März richten wir erstmals mit der International Association for Cereal Science and Technology (ICC) eine Veranstaltung in Detmold aus. Vom 31.3. bis 2.4.2025 finden sich hier am Schützenberg internationale Wissenschaftler und Industriespezialisten zum Whole Grain Summit zusammen, um alles rund ums Vollkorn zu diskutieren. Die ICC hat sich bewusst für den Standort Detmold entschieden, weil er eine wichtige Rolle in der Getreide- und Brotwelt spielt. Dieses internationale Renommee wollen wir nutzen. Auch in anderen Themenfeldern blicken wir über den deutschen Kontext hinaus. So wurde unsere Tagung für Getreidechemie bereits vor einiger Zeit auf die deutschsprachigen Nachbarländer ausgeweitet und heißt seitdem D-A-CH-Tagung. Diese Internationalisierung kann ich mir, dort wo sie unseren Mitgliedern und Tagungsteilnehmern nutzt, grundsätzlich auch für weitere Themenfelder vorstellen.

Konstantin Golombek möchte eine Brücke zwischen Müllereipraxis und Wissenschaft
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Kopenhagen wird Bio-Hauptstadt

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Pressemitteilung über die Organic Summit 2025 in Kopenhagen
2024
10/5/2024
Kopenhagen wird Bio-Hauptstadt
„Das Klima, die biologische Vielfalt und die Wasserumwelt stehen weltweit unter starkem Druck. Die Grundsätze des ökologischen Landbaus bieten eine breite Palette von Antworten und Lösungen für diese miteinanderverknüpften Krisen und zeigen gleichzeitig einen Weg für eine ausreichende globale Nahrungsmittelversorgung auf. Diese Lösungen werden auf dem Organic Summit auf der Tagesordnung stehen“, erklärt Rikke Lundsgaard, Agrarwissenschaftlerin und Projektleiterin des OS25.

Økologisk Landsforening und Organic Denmark haben den OS25 ins Leben gerufen. Die dänischen Organisationen setzen sich für die Förderung der ökologischen Landwirtschaft ein und dienen als Sprachrohr für dänische Bio-Produzenten, Landwirte und Verbraucher. Der Gipfel wird unter der Leitung des Danish Agriculture & Food Council Organic organisiert. Zu den Unterstützern des Projekts zählen die Novo Nordisk Foundation, der Organic Farming Fund, das Ministerium für Grünes Dreieck, die Stadt Kopenhagen, die Merkur Foundation, COOP, Lidl, Dagrofa, Thise Dairy und Naturmælk.

Ein Gipfel von globaler Bedeutung

Der Gipfel wird die notwendige Expertise aus Politik, Wissenschaft, Landwirtschaft und Wirtschaft bündeln und Empfehlungen erarbeiten, die das Erreichen des ehrgeizigen Ziels der EU zu unterstützen. Bis2030 sollen 25 % der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden: Welche Ressourcen und welche politischen Maßnahmen müssen dafür aktiviert werden, und wie sollte sich der Markt entwickeln? Dänemark, als Vorreiter im Bio-Segment mit einem Marktanteil bei Biolebensmitteln von 12 %, wird dabei eine zentrale Rolle spielen und als Beispiel für andere EU-Länder dienen.

„Es ist eine große Leistung, dass die Dänen trotz globaler Herausforderungen weiterhin an der Spitze der Bio-Bewegung stehen“, betont Dennis Hvam, International Market Director bei Organic Denmark. „Der OS25 bietet eine einzigartige Plattform, um mit allen Stakeholdern zu diskutieren, Wissen zu teilen, neue Perspektiven kennenzulernen und voneinander zu lernen. Dies wird den ökologischen Landbau als Schlüssel für die Lösung der großen Umwelt- und Lebensmittelkrisen festigen.“

Über den Organic Summit 2025

Der OS25 wird am 18. und 19. August 2025 in der Königlichen Bibliothek, The Black Diamond, in Kopenhagen stattfinden. Neben hochrangigen Diskussionen und Workshops wird der Gipfel auch durch Veranstaltungen für ein breites Publikum ergänzt, die in Zusammenarbeit mit Copenhagen Cooking organisiert werden.

 Das Programm finden Sie unter www.os25.org

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Brotgetreideernte 2024

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Pressemitteilung des MRI über die Brotgetreideernte 2024
2024
10/5/2024
Brotgetreideernte 2024

Nach der Pressemitteilung des Max Rubner-Institut zufolge kam es nach den sehr nassen und entsprechend schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst 2023 regional zu Auswinterungsschäden wegen Nässe im Winter 2023/24. Der milde und regenreiche Winter ließ das Wintergetreide mit einem kleinen Vorsprung in der Entwicklung im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt in den Frühling starten. Die Monate Mai und Juniwaren – abgesehen von Teilen Ostdeutschlands – überdurchschnittlich nass, in der Folge kam es in Süd- und Westdeutschland gebietsweise zu Hochwasser und überfluteten landwirtschaftlichen Flächen. Auch der Krankheitsdruck durch Pilzinfektionen war höher als in den trockeneren Vorjahren. Die im Bundesdurchschnitt im Vergleich zu den Vorjahren geringere Sonnenscheindauer wirkte sich hemmend auf die Pflanzen- und Kornentwicklung aus. Ab Juli wechselten sich heiße und trockene Phasen im schnellen Wechsel mit heftigen Schauern und Gewittern ab. Anders als im Vorjahr, als Ernte arbeiten über einen längeren Zeitraum durchgängig nicht möglich waren, ergaben sich in diesem Jahr immer wieder kurze Erntezeitfenster.

Die diesjährige Winterweichweizen-Ernte weist im Durchschnitt aller untersuchten Proben aus dem Bundesgebiet einen gegenüber dem Vorjahr schwächer ausgefallen Rohproteingehalt von 11,4 % auf (Vorjahr: 11,9%). Die höchsten durchschnittlichen Rohproteingehalte weisen die Proben aus Baden-Württemberg (12,1 %), Sachsen-Anhalt (12, 1 %) und Thüringen (12,3 %) auf. Das Schlusslicht bildet Nordrhein-Westfalen mit 10,3 Prozent, allerdings nur knapp übertroffen von Niedersachsen mit 10,6 Prozent. Auch der Sedimentationswert, ein indirektes Maß zur Bestimmung der Proteinqualität, liegt mit 36 ml unter dem Niveau des Vorjahreswertes von 38 ml. Die Feuchtklebermenge (23,0 %) liegt um 1,8 % über dem Ergebnis des vergangenen Jahres (Vorjahr 21,2 %). Da insgesamt die Klebergüte als gut dehnbar und elastisch einzustufen ist, ist auch in 2024 ein gutes Backergebnis zu erwarten. Bezüglich des Kriteriums Fallzahl ist die diesjährige Weizenernte im Vergleich zum durch die lange Ernteunterbrechung geprägtem Vorjahr unproblematisch, sie liegt im Mittel bei 356 Sekunden. Aus dem selben Grund wurde mit 0,04 Gewichtsprozent (Gew.%) bislang deutlich weniger Auswuchs als im Vorjahr (3,53 Gew.%) festgestellt. Das Hektolitergewicht hingegen zeigt sich in diesem Jahr unterdurchschnittlich (75,5 kg/hl) und der Schmachtkornanteil liegt im Mittel mit 0,89 Gewichtsprozent in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (0,87 Gew.%).

Die Roggen-Ernte ist aufgrund des schnellen und trockenen Ernteverlaufs deutlich enzymärmer.

Die diesjährige Roggen-Ernte stellt sich in diesem Jahr, aufgrund des schnellen und trockenen Ernteverlaufs, deutlich enzymärmer dar. Die bislang untersuchten Roggenpartien liegen in einem hohen Fallzahlbereich von 277 Sekunden. Analog dazu weist auch die Stärkebeschaffenheit erhöhte Verkleisterungstemperaturen und Amylogrammmaxima (72,1 °C; 1181 AE) auf. Das bedeutet, das in diesem Jahr mehr als 99 Prozent der geernteten Partien die Mindestanforderungen für „Brotroggen“ erfüllen. Abmischroggen für roggenbäckerisch taugliche Mehle und Schrote steht hingegen nur in sehr geringen Mengen zur Verfügung. Das Hektolitergewicht (73,3 kg/hl) hat sich gegenüber dem Vorjahr(72,0 kg/hl) etwas verbessert, der Anteil an Schmachtkorn ist mit 3,0 % gegenüber dem Vorjahr mit 4,7 % gesunken, regional werden vereinzelt erhöhte Ausbeuteverluste zu beobachten sein.

Das Vorkommen von Mutterkornsklerotien (0,09 Gew. %) ist gegenüber dem Vorjahr (0,02 Gew. %) erhöht, bislang zeigen 37 % der Proben in diesem Jahr einen erhöhten Anteil an Besatz (> 0,05 Gew. %) mit Mutterkornsklerotien. Kernaufgabe wird es sein, die gesunden Qualitäten zu suchen, die es ermöglichen Anforderungen an die gesetzlichen Grenzwerte zu erfüllen. Die feuchten Bedingungen zur Getreideblüte und anhaltende Feuchtigkeit während des Aufwuchses des Getreides führten zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Infektion mit Feldpilzen.

Die Mykotoxin-Gehalte liegen deshalb in diesem Jahr insgesamt auf einem etwas höheren Niveau als in den Jahren zuvor. Allerdings überschritten bisher nur wenige der untersuchten Proben die Grenzwerte für Deoxynivalenol und Zearalenon im unverarbeiteten Getreide. Das Vorkommen an Mykotoxinen liegt, abgesehen von den Gehalten an Mutterkornsklerotien, zusammenfassend auf einer niedrigen Stufe. Insgesamt wurde in diesem Jahr eine gute Bandbreite von Brotgetreide-Qualitäten geerntet, die Beschaffung der entsprechenden Weizen- und Roggenpartien ist für die Mühlen jedoch anspruchsvoller geworden.

Der Zwischenbericht des Max Rubner-Instituts zur Besonderen Ernte- und Qualitätsuntersuchung (BBE) kann unter www.mri.bund.de/de/BEE-MRI-2024 abgerufen werden.

Brotgetreideernte 2024
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75. Tagung für Müllerei-Technologie mit Erntegespräch der AGF

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Eine ausgebuchte Ausstellungshalle, spannende Vorträge, ausreichend Raum zum Netzwerken und viele neue Ideen. Das gab es
2024
10/1/2024
75. Tagung für Müllerei-Technologie mit Erntegespräch der AGF

Beim Erntegespräch am Vormittag hörten die rund 160 Teilnehmer zunächst Altbewährtes: Alexandra Hüsken berichtete über die ersten Ergebnisse der Ernte- und Qualitätsermittlung, Dirk Rentel stellte die neuen Weizen- und Roggensorten vor, Christine Schwake-Anduschus und Dorothea Link gaben einen Überblick über die diesjährige Kontaminantensituation und Jana Fritsch von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) Sachsen-Anhalt erläuterte erste regionale Erfahrungen mit der Getreideernte.

Insgesamt kann von einer heterogenen Ernte 2024 gesprochen werden, die die Mühlen vor Herausforderungen stellt. Die diesjährige Winterweichweizen-Ernte weist im Durchschnitt aller bisher untersuchten Proben aus dem Bundesgebiet einen gegenüber dem Vorjahr schwächer ausgefallen Rohproteingehalt von 11,4% auf (Vorjahr: 11,9%). Auch der Sedimentationswert liegt mit 36 ml unter dem Niveau des Vorjahreswertes von 38 ml. Die Feuchtklebermenge (23,0%) liegt um 1,8% über dem Ergebnis des vergangenen Jahres (Vorjahr 21,2%). Da insgesamt die Klebergüte als gut dehnbar und elastisch einzustufen ist, ist auch in 2024 ein gutes Backergebnis zu erwarten. Bezüglich des Kriteriums Fallzahl ist die diesjährige Weizenernte im Vergleich zum durch die lange Ernteunterbrechung geprägtem Vorjahr unproblematisch, sie liegt im Mittel bei 356 s. Bislang wurde deutlich weniger Auswuchs als im Vorjahr festgestellt. Das Hektolitergewicht hingegen zeigt sich in diesem Jahr unterdurchschnittlich (75,5 kg/hl) und der Schmachtkornanteil liegt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Die diesjährige Roggen-Ernte stellt sich in diesem Jahr, aufgrund des schnellen und trockenen Ernteverlaufs, deutlich enzymärmer dar. Die bislang untersuchten Roggenpartien liegen in einem hohen Fallzahlbereich von 277 s. Analog dazu weist auch die Stärkebeschaffenheit erhöhte Verkleisterungstemperaturen und Amylogrammmaxima (72,1 °C; 1 181 AE) auf. Das bedeutet, das in diesem Jahr mehr als 99% der geernteten Partien die Mindestanforderungen für „Brotroggen“ erfüllen. Abmischroggen für roggenbäckerisch taugliche Mehle und Schrote steht hingegen nur in sehr geringen Mengen zur Verfügung. Das Vorkommen von Mutterkornsklerotien (0,09 Gew. %) ist gegenüber dem Vorjahr erhöht, bislang zeigen 37% der Proben in diesem Jahr einen erhöhten Anteil an Besatz (> 0,05 Gew. %) mit Mutterkornsklerotien.

Die feuchten Bedingungen zur Getreideblüte und anhaltende Feuchtigkeit während des Aufwuchses des Getreides führten zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Infektion mit Feldpilzen. Die Mykotoxin-Gehalte liegen deshalb in diesem Jahr auf einem etwas höheren Niveau als in den Jahren zuvor. Insgesamt wurde in diesem Jahr eine gute Bandbreite von Brotgetreide-Qualitäten geerntet, die Beschaffung der entsprechenden Weizen- und Roggenpartien ist für die Mühlen jedoch anspruchsvoller geworden.

Konstantin Golombek ist im April dieses Jahr als Geschäftsführer des Veranstalters Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V. (AGF) gestartet.
Konstantin Golombek war zufrieden und will weiteres Potenzial für die Müllereitagung heben: „Der Schützenberg hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Einer meiner Wege nach vorne ist es, die Kernfunktion der AGF zu stärken, um die wissenschaftlichen Ergebnisse mit der Anwendung in den verschiedenen Wirtschaftszweigen zusammenzubringen."

Die Vorstellung der Qualität der „Mühlenmuster“ und „Handelsmehle“ ist seit langer Zeit eigentlich auch ein fester Bestandteil der Erntegespräche. Da man sich zu einer Überarbeitung des Einsende-Konzeptes zur Verbesserung der Repräsentativität der Daten entschlossen hat und daher keine Mühlemuster vorlagen, präsentierten Jens Begemann und Elisabeth Sciurba in diesem Jahr ein Gesamtbild der im Laufe der letzten 30 Jahre im Institut gewonnenen Daten. Diese können zur Erkennung von Trends, aber auch Jahres- und Sortenbetrachtungen genutzt werden.

Alexander Schnelle, Head of Region CIS bei Bühler Group, und Christof Engelke, geschäftsführender Gesellschafter Gebr. Engelke Große Mühle Hasede, nutzten die Tagung für fachliche Gespräche. Seit drei Generationen sind die Engelkes Bühlerkunden.
Christof Engelke, geschäftsführender Gesellschafter Gebr. Engelke Große Mühle Hasede (re.), betonte: „Es hat mich sehr gefreut, hier viele Bekannte zu treffen. Die Vorträge fand ich interessant und so bin ich sehr zufrieden.“

Für Alexander Schnelle, Head of Region CIS bei Bühler Group (li.), ist es grundsätzlich von großer Wichtigkeit, in Detmold präsent zu sein.

„Der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen und es ist eine schöne Location hier, mit einer entspannten Atmosphäre. Für mich ist es eine gute Gelegenheit mit Kunden zusammenzukommen und sich mit Kollegen auszutauschen, weil hier Platz ist und der Raum, auch mal tiefer in die Thematiken einzutauchen. Wir würden uns natürlich wünschen, dass der ein oder andere aus der Müllereibranche hierhin den Weg findet“, so Alexander Schnelle.

Christian Schürmann von der Raiffeisen Ostwestfalen-Lippe AG beleuchtete schließlich aus dem Blickwinkel des Handels die aktuelle Situation auf den globalen Getreidemärkten zum Zeitpunkt Anfang September. Ein wesentlicher Einflussfaktor auf das internationale Marktgeschehen ist die zunehmende Intransparenz, einhergehend mit einer mangelhafteren Datenverfügbarkeit, besonders aus China und Russland. Auch Handelsstreitigkeiten und die Zunahme der politischen Einflüsse sind als wesentliche Einflussfaktoren nicht zu unterschätzen.

Auftragsverwaltung und Ausbildung

Andreas Müller von stem-in-foodsafety.de hielt einen kurzweiligen Vortrag zum nationalen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.

Die Müllerei-Tagung durfte am Nachmittag Andreas Müller von stem-in-foodsafety.de mit seinem sehr kurzweiligen Vortrag zum nationalen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz eröffnen. Das Gesetz ist längst in Kraft und betrifft mehrere tausend Unternehmen in Deutschland, auch wenn es bereits vor Inkrafttreten mehr als 10 000 Seiten juristischer Kommentare zum Gesetz mit sich zum Teil ausschließenden Positionen gab. Andreas Müller erläuterte, dass die BAFA als durchsetzende Behörde nicht auf langwierige juristische Klärungen wartet, sondern unter Berufung auf die Deutungshoheit ab sofort umsetzt und mit zahlreichen Handreichungen und einen eigenen Internetbereich die Umsetzungspflichtigen unterstützt. Vieles kann dabei einfach, stringent und über weite Teile semi-automatisch erfolgen.  

Silvan Trunz von der Bühler AG widmete sich in seinem Vortrag den Schnittstellen, die zahlreich in jedem Mühlenbetrieb vorkommen. Bühler bietet verschiedene Lösungen und Empfehlungen, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre Produktionsprozesse digital zu transformieren und betrieblich effizienter zu gestalten.

Frank Rolle, Geschäftsführer C.F. Rolle GmbH Mühle, im Gespräch am Stand der Firma Kastenmüller aus Martinsried.

Frank Rolle schätzt den anregenden Austausch: „Der Erntebericht öffnet den Blickbereich. Sonst hat man oft den Blick rund um die eigene Mühle, in Detmold erfährt man, wie es in ganz Deutschland aussieht. In Gesprächen mit Züchtern interessiert mich, wie ich schwankende Qualitäten ausgleichen kann, welche Sorten sinnvoll sind und was in den nächsten Jahren auch klimatisch auf uns zukommt.“

Petra Sträter von der Schule Im Hoppenlau berichtete über neue Zusatzqualifikationen im Rahmen der Müller-Ausbildung in Stuttgart. Besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler sollen damit gefordert und gefördert werden, um die Grundlagen für die Führungskräfte von morgen zu legen. Neben den schon etablierten Zusatzmodulen im Bereich Backen und der Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten wurden nun erstmalig zwei mehrtägige Praxismodule zum Thema Reinigung und Vermahlung angeboten. In diesem Schuljahr kommt das Modul „Trouble Shooting“ im Mühlentechnikum dazu. Darin geht es um systematische Fehlersuche und -behebung bei Störungen in den Produktionsanlagen.

Folgende Mühlen waren mit Mitarbeitern oder Inhabern vertreten: A. Rieper AG (Italien), Dresdner Mühle, Saalemühle Alsleben, Bavaria Mühle, Plange GmbH, Karl Bindewald GmbH, Gebr. Engelke Große Mühle Hasede, Hemelter Mühle, Dossche Mills (Belgien), Mühle Lamperswil (Schweiz), Swissmill (Schweiz), Otto Crienitz KG, GoodMills (Deutschland), Landshuter Kunstmühle, F.W. Borgstedt Milser Mühle, Rolle Mühle

Entwicklung und Forschung

Laura Meissner vom MRI Detmold stellte erste Ergebnisse des Projektes LeguDryProt  vor, das die trockentechnische Verarbeitung von u.a. Ackerbohnen als energieeffiziente sowie schonende Technologie zur Herstellung proteinreicher bzw. proteinangereicherter Mehle untersucht. Der angewandte Prozess der Trockenfraktionierung beinhaltet Mahl- und Trennschritte, wie Siebung oder Windsichtung. Ziel ist es dabei, die Prozessparameter hinsichtlich Ausbeute und Proteingehalt zu optimieren und Mehle mit geeigneten Eigenschaften für die Verwendung in Teig- und Backwaren herzustellen.

Über ihre Forschungsarbeiten zu verschiedenen Urgetreidesorten berichtete Maike Föste vom Fraunhofer IVV. Die Mehle wurden im Vergleich zu Weizen hinsichtlich ihrer analytischen und funktionellen Eigenschaften untersucht und die technologischen Unterschiede der Teigverarbeitung sowie deren Auswirkung auf die Endproduktqualität bewertet. Teigführung und Wassermenge müssen bei den Urgetreide-Broten angepasst werden. Kritisiert wurden vom Auditorium die nicht praxisübliche Rohware und Vermahlung sowie der Einsatz von Milchsäure zur Fermentation.

Ralf Wilhelm vom JKI in Quedlinburg gab anschließend einen anschaulichen Überblick über das komplexe Thema „Genomeditierung in der Pflanzenzüchtung”. NGT-Techniken wie CRISPR/Cas ermöglichen durch gezielte Genmodifikationen eine enorme Zeitersparnis in der Züchtung. International sind die Methoden bereits technisch etabliert.

Technologie

Stefan Schmitz von Swisca stellte den neuen Walzenstuhl ROMIl vor – eine „Maschine, die dem Müller dient”.

Über die Palettenstabilisierung durch Klebstoffauftragstechnik berichtetet Marco Willems von der Firma Robatec. Durch den Auftrag von Klebstoff können Produkte wie Mehlsäcke auf der Palette gesichert werden, Folie wird gespart. Das ist gut für die Umwelt und den Geldbeutel.

Carsten Collmann von der Firma Kaeser beleuchtete die Einsparpotenziale in der Drucklufterzeugung. Durch eine optimierte Drucklufterzeugung, die Druckluftaufbereitung und eine eventuelle Wärmerückgewinnung lassen sich oftmals hohe Einsparungen erzielen.

Felix Scharf, Otto Crienitz GmbH, wünscht sich, dass mehr Kollegen den Weg nach Detmold finden beim nächsten Mal.
Felix Scharf, Otto Crienitz GmbH: „Die Müllereitagung in Detmold war insgesamt gut organisiert und bot interessante Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Branche. Allerdings wäre es wünschenswert, dass in den kommenden Jahren noch mehr Kollegen aus der Mühlenbranche teilnehmen. Eine stärkere Präsenz und Vernetzung innerhalb der Fachwelt sind entscheidend, um den fachlichen Austausch zu intensivieren und die Qualität sowie den Nutzen der Tagung langfristig zu sichern. “

Abschließend beschäftigten sich Lena Wölk vom VGMS und Michael Haag von der Saalemühle Alsleben mit der Absenkung der Höchstgehalte für Ergotalkaloide. Aufgrund ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung wurden europäische Höchstgehalte für Ergotalkaloide in Getreide und Getreideprodukten eingeführt. Ursprünglich sollten die Höchstgehalte ab dem 1. Juli 2024 zum Teil weiter verschärft werden. Die Absenkung hätte die Mühlenbetriebe vor große Herausforderungen gestellt. In den vergangenen Jahren hätten durchschnittlich rund 9% der Weizenmehle die verschärften Höchstgehalte nicht eingehalten, sie wäre damit als Lebensmittel nicht mehr verkehrsfähig gewesen. Mit der Verschiebung auf den Sommer 2028 bleiben der Müllerei lediglich vier Jahre, um sich intensiv auf die niedrigeren Höchstgehalte einzustellen. Doch was kann die Getreidebranche insgesamt tun? Michael Haag erläuterte, welche Möglichkeiten es bei der Getreidereinigung gibt. Bei Versuchen in der Mühle zeigte sich, dass die übliche Musternahme nicht anwendbar ist, um eine verlässliche Aussage über den MK-Gehalt im Getreide zu erhalten. Zudem korreliert der Sklerotiengehalt nicht mit dem EA-Gehalt. Bei gleichem Größenspektrum und gleichem spezifischem Gewicht muss die Getreidereinigung zur Dekontaminierung der EA-Gehalte durch einen optischen Sortierer ergänzt werden. Eine intensive und gut funktionierende Reinigung ist im Allgemeinen unerlässlich, diese benötigt jedoch nicht nur das Zusammenspiel entsprechender Maschinen, sondern auch sehr gut ausgebildete Mitarbeiter.

75. Tagung für Müllerei-Technologie mit Erntegespräch der AGF
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Nordrhein-Westfalen

Neues in den Detmolder Ausstellungshallen

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In den Ausstellungshallen am Schützenberg gab es an den Ständen viel innovative Technik.
2024
9/28/2024
Neues in den Detmolder Ausstellungshallen
V.l.n.r.: Andreas Kastenmüller, Christof Engelke (geschäftsführender Gesellschafter Gebr. Engelke) und Michael Borgstedt (F.W. Borgstedt Milser Mühle)

Der technische Produktdesigner und Projektkoordinator Thomas Huntington hat ein Modell des Vario-Walzenstuhl von Kastenmüller gebaut und mitgebracht.

Thomas Huntington von der Firma Kastenmüller ist in Kanada geboren und hat in Deutschland studiert.

Thomas Huntington hat in Deutschland Technik studiert und interessiert sich für Künstliche Intelligenz. Er ist gespannt, wie sich die Mühlenplanung dadurch verändern wird: „Im nächsten Jahrzehnt könnte die KI wahrscheinlich eine Computermaus und eine Tastatur steuern, mit Bildschirmen interagieren und sogar CAD-Software wie Autodesk Inventor bedienen und als eine Art digitaler Kollege an unserer Seite arbeiten. Dies könnte ein wertvolles Werkzeug sein, das uns beim Entwurfsprozess unterstützt.“

Jost Rüter von Rüter Maschinenbau informierte über seine Plansichter in Einkasten- und Kreuzjoch-Bauweise

Rüter Maschinenbau ist seit Jahrzehnten einer der treuesten Aussteller. Das Unternehmen aus Ostwestfalen wurde 1988 gegründet und beschäftigt etwa 20 Mitarbeiter. Dieses Jahr präsentiert Jost Rüter das Unternehmen, das kompakte Plansichter in Einkasten- und Kreuzjoch-Bauweise herstellt und anbietet. 

Der Stand von Bühler. V.l.n.r.: Manuel Ammann, Stefan Garvels, Andreas Müller Peter Meinke und Alexander Schnelle.

Die Bühler Group ist mit ihrem gut gelaunten Team angereist: Manuel Ammann, Stefan Garvels, Andreas Müller Peter Meinke und Alexander Schnelle. Am Stand ist der Mengenregler Rois ausgestellt. Das automatische Gerät ist auf das effektive Dosieren einer breiten Palette von körnigen Produkten zugeschnitten.

Bei Perkin-Elmer freuen sich Christian Müller, Product Manager NIR Process und Holger Niklasch, Account Manager Food darüber, dass der Brand zurück ist. Die Geräte der Food Sparte heißen wieder Perten.
Tobias Kleinekemper, Businee Unit Food, Haver & Bates/Behn + Bates.

Tobias Kleinekemper, Businee Unit Food, Haver & Bates/Behn + Bates freut sich darüber, dass die eigenständige GmbH Behn + Bates seit Anfang 2024 in der Haver & Boecker OHG  integriert ist: Wir haben  früher bereits eng zusammengearbeitet, jetzt will die Geschäftsführung noch mehr den Focus auf unsere Anwendungen legen und stellt uns dafür die gesamten Ressourcen des Unternehmens zur Verfügung“. Es geht im Unternehmen nicht nur um reine Verpackungsmaschinen, sondern dem Kunden soll das gesamte Paket geboten werden, vom Engeneering, Planung  über Steuerung bis hin zum Kauf des Sackes.

Norbert Weesolek, der vor einigen Jahren sein Unternehmen He-Ja Verpackungsmaschinen gründete, hat jetzt acht Mitarbeiter und erweitert seinen Standort in Gummersbach.

He-Ja Verpackungsmaschinen hat einen servogesteuerten Folienbanderolierer mit elektronischer Formatverstellung in Kombination mit den energieeffizienten Schrumpftunnel neu entwickelt. „Das hat den Vorteil, dass Rüstzeiten und auch Fehlerquellen beim Bedienen entfallen“, so der Firmeninhaber Norbert Weesolek.

Michael Enders, Account Manager bei R-Biopharm ist überzeugt von seinem neuen Mykotoxin-Testgerät: „Die Auswertung der Schnelltests erfolgt über eine App und gibt sichere Ergebnisse.“ Das kann per Handy gemacht werden oder mit der neuen Smart-Box.

Dazu wird der Testkid von R-Biopharm in eine Art Schublade in die Box geschoben, den Rest erledigt die Smart-Box und schickt die Ergebnisse an die App.
Stefan Sonderer und Stefan Schmitz von Swisca reisten aus der Schweiz gemeinsam mit einigen Müllern an. Neues aus der Technologieschmiede im aktuellen M+M-Report unter diesem Link.
Frank Krause, Industrial Sales Manager, zeigt die neuste Entwicklung bei Foss.

Foss hat ein neues vollautomatisches Mykotoxin-Messgerät, bei dem man Mais, Weizen und Gerste mit bis zu sechs Mykotoxinarten gleichzeitig messen kann. Man kann alle drei Fruchtarten nacheinander messen, ohne vorherige Reinigung oder Reagenzienwechsel. Das einfache Verfahren können auch Mitarbeiter ohne Laborausbildung anwenden.

Ralph E. Kolb, Geschäftsführer / CEO der FrigorTec GmbH in Amtzell war in den letzten Wochen viel weltweit unterwegs und setzt auf Wachstum. Er baut am Hauptsitz eine weitere Fertigungshalle und hat gerade in Singapur einen neuen Standort eingeweiht.
Bei Anton Paar ist der FarinoGraph ein Anziehungspunkt. Produkt Manager Markus Löns und seine Kollegin Cornelia Brunner, Produktspezialistin für Texturanalyse, freuten sich über viele Kundengespräche.
Christian Gohmann, Sales Manager Automation, bei Keller IAS hat jetzt auch einen Wartungsmanager anzubieten.

Keller IAS hat einen Wartungsmanager anzubieten. Dessen Kernfunktion ist die zeitsparende Organisation, Prüfung und vorbeugende Instandhaltung aller Arbeitsmittel und Anlagen. Zusätzlich hilft er beim Einhalten gesetzlicher Vorschriften. Christian Gohmann: „Neben unseren Softwarelösungen Cella Control(Prozessleitsystem) und Cella Trace (Produktionsleitsystem), haben wir unser Portfolio nun durch einen Wartungsmanager ergänzt.“ Die Kernfunktion des Wartungsmanagers ist die zeitsparende Organisation, Prüfung und vorbeugende Instandhaltung aller Arbeitsmittel und Anlagen. Zusätzlich hilft der Wartungsmanagerbei der Einhaltung von gesetzlichen Richtlinien und Sicherheitsvorschriften. Die WEB basierte Software ermöglicht es Wartungs- und Instandhaltungsvorschriften zu hinterlegen, die anstehenden Wartungsaufgaben in einem Kalender zu planen und entsprechende Wartungsaufträge in Prüfberichten zu generieren. Hierbei hilft die vorhandene Prozessanschaltung, die bereits vorhandene Daten (Betriebsstundenzähler, Ein- und Ausschaltintervalle, Störhäufigkeiten etc.) aus dem angeschlossenen SPS-Steuerungssystem direkt in den Wartungsmanager einzulesen.

Beim Feinmahlungsspezialist Hosokawa Alpine hat Alister Grow aus der Lehrwerkstatt seines Unternehmens ein Model einer Zirkoplex-Sichtermühle mitgebracht. Der Vertriebsbeauftragte informiert über das breite Spektrum aufeinander abgestimmter Mühlen, Sichter und Kompaktoren.
Herbert Saal von der Firma Carvex Druckentwesung hat letzte Woche bei einem Lohnverarbeiter eine Anlage in Betrieb genommen und danach nach Detmold gereist.

Für die Entwesung von Getreide- und Getreideprodukte hat Carvex Anlagen für den Vorratsschutz. Das Verfahren ist rückstandsfrei und bietet Mühlen den Vorteil lose und verpackte Produkte nach der Behandlung schädlingsfrei zu bekommen. Herbert Saal: „Die Zukunft für unsere Druckentwesung sehen wir auch im Biomarkt. Hier sind einige unserer Anlagen auch bereits installiert.“

Die Messung von Mykotoxinen und die Vorbereitung auf neue Grenzwerte ist bei der Firma RomerLabs auch dieses Jahr eines der Hautthemen am Stand in Detmold.

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Swisca kündigt neuen Plansichter SIFTO an

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Interview mit Heinz Brand, Board Member von Swisca, über den Plansichter SIFTO, der bei Swisca in Entwicklung ist.
2024
9/28/2024
Swisca kündigt neuen Plansichter SIFTO an

M+M: Seit Jahren hat sich an der Technik des Plansichters nicht viel geändert. Was ist beim SIFTO das Neue?

Heinz Brand: Der große Vorteil des Sichters ist es, dass sie auf kleinerer Fläche nicht nur bessere Trennschärfe erzielen, sondern zugleich auch eine höhere Leistung und somit mehr Kapazität erreichen können. Die neuen Siebe aus Blech mit ihren hexagonalen Löchern bringen neben der höheren Trennschärfe den Vorteil mit sich, dass sie weder gespannt noch aufgeklebt werden müssen und länger halten. Wir haben sie jetzt drei Jahre im Einsatz und können noch keinen Verschleiß feststellen. Dank der neuen Siebe kann die Branche qualitativ hochwertigere Produkte herstellen, beispielsweise Stippen im Mehl zu vermeiden. Das war bisher mit herkömmlichen Sieben aufwendig und schwierig.

M+M: Swisca hat einige Patente für die neue Maschine angemeldet. Welche sind das?

Heinz Brand: Die Innovationen von Swisca sind gegen Nachahmung geschützt. Swisca verfügt über 13 Patentfamilien. Diese sind in Europa, Nordamerika, China, Japan, Korea und Australien angemeldet. Wir haben selbstverständlich sowohl die Siebtechnologie als auch weitere Innovationen patentrechtlich absichern lassen.

M+M: Sie sagen, der SIFTO kann unterschiedlich hoch sein, wie bekommt man die große Maschine transportiert und ist er auch für kleinere Mühlen einbaubar?

Heinz Brand: Der SIFTO hat den Vorteil, dass Sie ihn vollständig zerlegen können. Durch die modulare Konstruktion können die Monteure die einzelnen Komponenten durch jede Tür tragen. Früher mussten Betriebe oft Mauern öffnen oder sogar einen Kran bestellen. Unseren SIFTO kann man zerlegt mit einem Palettenroller transportieren.

M+M: Der SIFTO hat kein Gehäuse mehr. Wie lassen sich die Siebe einzeln wechseln und welche Vorteile wollen Sie damit erreichen?

Heinz Brand: Das Wechseln und das Entstapeln der Siebe ist beim SIFTO mit dem neu entwickelten Klemmmechanismus sehr einfach. Es muss keine Tür wie beim herkömmlichen Plansichter aufgeschraubt werden. Der Hebel an der Konstruktion wird einfach nach oben gedrückt und schon können die Siebe von oben oder unten entnommen werden, was viel Zeit beim Wechseln einspart. Durch das Wegfallen des Gehäuses entfallen auch tote Ecken. Zudem ist unser SIFTO im Produktraum frei von Dichtungen und Klebstoffen, was der Lebensmittelsicherheit zugutekommt.  

M+M: Wie bei Ihren Waagen setzen Sie auch bei SIFTO auf Servo-Technologie beim Antrieb, weshalb?

Heinz Brand: Korrekt, in der Mitte hat unser Sichter einen Servoantrieb, mit dem sich die Frequenz kontrollieren lässt. Man kann beliebige Frequenzen fahren und so eine bessere Sichtung erreichen. Zudem kann man in einem großen Bereich andere Zirkel fahren, sodass sich der Sichter sehr genau auf das gewünschte Produkt abstimmen lässt.

M+M: Wie sind Ihre Überlegungen zur Reinigung der Siebe?

Heinz Brand: Swisca möchte mit innovativen Siebreinigern neue Maßstäbe setzen. Um die bestmöglichen Ideen oder kombinierte Lösungen realisieren zu können, werden am Anfang eines Entwicklungsprozesses alle Möglichkeiten geprüft, beispielsweise Siebbruchdetektion oder neue Verfahren der Siebreinigung. Die neuen Siebe von Swisca mit ihrer neuen Charakteristik von Sichtung und Verschleiß führen zu neuen Lösungen.

M+M: Können Sie die Effizienzgewinne nach Ihren bisherigen Erfahrungen beziffern?

Heinz Brand: Aufgrund von Berechnungsbeispielen, Laboranalysen und Praxistests haben wir festgestellt, dass die offene Siebfläche im Durchschnitt um ca. 4–5% größer und die Durchfallwahrscheinlichkeit höher ist, was bei einigen Passagen zu bis zu 20% höheren Durchsatzleistungen führt. Außerdem gibt es eine klare Zeitersparnis bei Betriebsunterbrechungen, da SIFTO kontrolliert stoppt und ein schnellerer Zugang zu den Sieben möglich ist. Die Zeitersparnisse betragen über 50%.

Swisca kündigt neuen Plansichter SIFTO an
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Kundenevent von Swisca in der Schweiz

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Das Ostschweizer Technologieunternehmen Swisca lud im September 2024 Kunden aus der ganzen Welt nach Appenzell ein.
2024
9/28/2024
Kundenevent von Swisca in der Schweiz

Mit einem freundlichen „Hoi“ begrüßen die Appenzeller ihre Gäste. Das passt zum Motto „Home of Innovation“, des ersten Kundenevents der Swisca AG. Im kleinen Ort Appenzell gründeten vor sechs Jahren die ehemaligen Mitarbeiter der Bühler AG und Spezialisten für Mühlentechnik Heinz Brand, Andreas Kleiner und Stefan Sonderer das Unternehmen.

Die Gründer von Swisca (v.l.n.r.): Andreas Kleiner, Heinz Brand und Stefan Sonderer.

Verwaltungsrat Peter Steindl hieß zu Beginn der Veranstaltung die zahlreichen Müller und Mühlenmitarbeiter willkommen, die aus Europa, Nord- und Mittelamerika, Afrika und Asien angereist waren. Im Jahr 2018 startete das Unternehmen mit dem Ziel qualitativ hochwertige Waagen für die Lebensmittelindustrie herzustellen. Daraus leitet sich der Name Swisca ab, eine Kombination von Swiss und Scale. Bei den präzisen Waagen und Dosiersystemen blieb es aber nicht. In Zusammenarbeit mit Universitäten fand Swisca eine neue Lösung für die Getreidenetzung (siehe Bericht zu DAMPE in M+M 12/2024, S. 24). Der Walzenstuhl ROMIL wurde dieses Jahr erfolgreich auf der IAOM in Salt Lake City vorgestellt und bereits in Mühlenbetrieben installiert. Swisca hat zwei IAOM Innovation Awards erhalten, hält 13 Patente und hat inzwischen über 70 Mitarbeiter.

Heinz Brand gab im Anschluss einen Ausblick auf künftige Vorhaben seines Unternehmens und informierte über den Plansichter SIFTO, der in der Entwicklung ist und nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.

Heinz Brand eröffnet den Kundenevent. Swisca expandiert kontinuierlich und hat weltweit bereits sechs Standorte (Foto: Swisca).

Es ist abzusehen, dass die Zentrale und die Fertigungshallen in Flawil zu klein werden. Deshalb wurde bereits in Herisau, Appenzell Ausserrhoden, ein Grundstück für einen Neubau erworben, der ca. bis 2028 fertiggestellt sein soll, so der enge Zeitplan.

Hopfen und Malz sind nie verloren

Kreativität und Innovationen spielten im folgenden Vortrag von Karl Locher ebenfalls eine große Rolle. Der Schweizer Unternehmer leitet in der fünften Generation die Brauerei Locher AG und produziert Appenzeller Bier. Seine Brauerei steht im harten Wettbewerb, deshalb setzt der Brauer auf Spezialitätenbiere sowie auf Bügelflaschen, Biobier, Glühbier für den Winter und Bier in Champagnerflaschen – um nur einige Produkte zu nennen. Er ist sogar der größte Whiskeyproduzent der Schweiz. „Es gibt eine riesige Welt für Innovationen – man muss nur darüber nachdenken“, so Karl Locher. Für sein Bier sieht er schlechte Zeiten voraus: „Der Druck auf Alkohol wird steigen“, prognostiziert er. Für ihn ist der Trend klar und der heißt: Weg vom Alkohol. Die Brauerei nutzt deshalb ihre Nebenströme und investierte in Extruder für Chips und Fleischersatz. „Wir wollen die erste Brauerei weltweit sein, die den vollen Zirkel der Circular Economy erfüllt“, erklärt Karl Locher die Investitionen und hebt hervor, wie die Techniker von Swisca ihn auf diesem Weg begleiten.

Walzenstuhl neu gedacht

Ingenieur Philippe Holenstein ist bei Swisca der Projektleiter für den Walzenstuhl ROMIL. Zusammen mit Stefan Lutz, der den lateinamerikanischen Markt betreut, beschrieb er die Schritte hin zum neuen Walzenstuhl. Vor drei Jahren setzte sich sein Team mit Kunden zusammen und arbeitete die drei wichtigsten Anforderungen heraus: Eine Speisung, die eine konstante Vermahlung ermöglicht, eine Bedienung, mit der der Mahlspalt mühelos und präzise auch mit bemehlten Händen verändert werden kann und eine bessere Hygiene.

Philippe Holenstein ist der verantwortliche Ingenieur für ROMIL und kennt jede Schraube und jeden Sensor.

Herausgekommen ist eine Maschine aus Edelstahl, mit Radar-Sensoren für die Produktüberwachung und transparenter Speisung mit zwei Verteilschnecken. In der Stadtmühle Schenk in Bern ist der Walzenstuhl ROMIL-4 1000/250 seit Oktober 2023 im Einsatz. Ein vierer Walzenstuhl für Schrot und der ROMIL-8 1250/250 sind seit Januar 2024 in der Mühle der Plange GmbH (Bindewald & Gutting Mühlengruppe) installiert und in der Bavaria-Mühle steht ebenfalls ein ROMIL-8 1250/250.

Nächste Generation Müller

Jonathan Gutting und Felix Rhomberg gaben danach Einblicke in ihre Pläne als künftige Mühleninhaber. Die Bindewald & Gutting Mühlengruppe ist fokussiert auf Industriemehle. Für sie ist der Kontakt zu Technologieunternehmen wichtig, dabei legt Jonathan Gutting aber viel Wert auf das Müllerhandwerk. In den letzten Jahren gab es ein starkes Wachstum und das stellte an jeden Einzelnen höhere Anforderungen, so der junge Müller. Komplexere Fragestellungen zur Umweltfreundlichkeit, Qualitätssicherung und Ernährungssicherheit beschäftigten die gesamte Wertschöpfungskette.  Jonathan Gutting sieht neben der Notwendigkeit innovative Techniken einzusetzen die große Herausforderung darin, top ausgebildete Mitarbeiter zu finden. Er hat deshalb in den letzten Jahren den Fokus auf das Recruiting junger Leute gelegt und viel in Bewegung gesetzt. Neben einem Social-Media-Auftritt besuchen junge Mühlenmitarbeiter Ausbildungsmessen, Schulen und verteilen auf Volksfesten auch schon mal Mehltüten für künftige „Mehlionäre“.  Alles, um in der Region als guter Arbeitgeber präsent zu sein. Dazu hat er die Abläufe bei der Personalsuche, der Personalauswahl und im Einstellungsprozess effizienter gestaltet und auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten (siehe Bericht  M+M 9/2024).

Felix Rhomberg wusste schon im Kindergarten, dass er Müller werden möchte. Seine Familie betreibt die Vorarlberger Mühlen und Mischfutterwerke GmbH in Österreich. Die Mehlmühle mit einer Gesamtvermahlung von 20 000 t und 16 Mitarbeitern möchte er von seinem Vater Franz Rhomberg übernehmen, trotz Bäckersterben. 2023 wurden 86% des Brotes in Supermärkten gekauft und diese Entwicklung geht weiter, so der junge Müller. Die Anzahl der Bäckereien in Vorarlberg ist von 150 auf 60 Bäckereien zurückgegangen. Für den im europäischen Wettbewerb kleinen Mühlenbetrieb ist das eine große Herausforderung. Bisher wurde er von den Rhombergs gut gemeistert. Ihr Betrieb wurde Unternehmer des Jahres 2023 und belegt den ersten Platz in der Kategorie „Beste Marke“. Der Familienbetrieb setzt auf Spezialprodukte. Eine weitere Herausforderung ist die Mitarbeitersuche. In Voralberg müssen die Rhombergs mit vielen Industriebetrieben um gut ausgebildete Kräfte konkurrieren. In den letzten vier Jahren stiegen ihre Personalkosten um 25%. Deshalb setzt Felix Rhomberg auf Automatisierung. Seine Vision für 2040 ist es, als regionaler Betrieb weiter zu wachsen und jeden Haushalt mit mindestens einem Kilogramm Vorarlberger Mehl zu versorgen.

Neue Siebe inspiriert von der Natur

Jonas Schär ist Leiter des Entwicklungsteams und ein kreativer Kopf. Vor Swisca war der Ingenieur u.a. als Konstruktionsleiter bei Solar Impulse, gegründet vom Schweizer Piloten und Dozenten Bertrand Piccard. Ziel war ein Flugzeug zu entwickeln, das nur mit Solarenergie einmal um die Erde fliegen kann. Flugzeugfirmen lehnten den Bau eines solchen Fliegers als nicht machbar ab. Dem Team um Jonas Schär gelang es, die richtigen Komponenten, Spannweiten und Gewichte zu finden und ein solarangetriebenes Flugzeug für die fünfmonatige Reise um die Welt zu konstruieren. Bei SWISCA schätzt Jonas Schär die kurzen Wege und schnellen Entscheidungen. Er sieht in Appenzell nicht nur seine, sondern auch die Zukunft der Müllereitechnik.

Nachdem Jonas Schär Kunden nach deren Wünschen und Anforderungen befragte, begann seine Entwicklungsarbeit. „Es ist möglich einen modularen Sichter zu bauen, ohne Türen und Gehäuse“, erklärte er auf der Veranstaltung sein Konzept aus einem kompakten Modulsystem, das zerleg- und tragbar ist.

Der ehemalige Flugzeugkonstrukteur Jonas Schär führt seine neuen Siebe vor. V.l.n.r.: Peter Grossenbacher, Jonas Schär, Michael Gutting, Albert Vogt jun. und Albert Vogt.

Für den neuen Sichter SIFTO verwendet der Ingenieur rostfreie Siebträger und Siebe aus Metallfolie. Auf Klebstoff kann er so komplett verzichten. In der Mitte befindet sich die Antriebsplattform, über und unter der die Siebe gestapelt sind. Mit einem Hebel werden die Siebe gespannt und die Rahmen aufeinandergepresst. Die Materialien schließen so dicht ab, dass Gummidichtungen überflüssig sind und kein Mehl austreten kann.  Mit dem neuen Sichter können pro Quadratmeter mehr Siebflächen in der Mühle verbaut werden, da unter anderem auch das klassische Antriebsabteil entfällt.

Jonas Schär ist Leiter der SIFTO Entwicklung bei Swisca. Innovation ist seine Passion, Probleme sind seine Herausforderung und er möchte die Müllereitechnik voranbringen.

Die neue Mühle

Stefan Lutz und Stefan Schmitz führten am späten Nachmittag alle Puzzleteile zusammen und stellten die Vision einer Swisca-Mühle vor. Pneumatiküberhebungen sollen durch ein flexibleres Layout mit tendenziell mehr Stockwerken reduziert werden, um Energie zu sparen. Diese Flexibilität bedient z.B. einen hohen Automatisierungsgrad und modulare Komponenten. Aber das ist Zukunftsmusik, mehr dazu wird es auf dem geplanten zweiten Firmenevent in drei Jahren geben.

Technologe Stefan Schmitz sieht Prozesslösungen wie die Getreidenetzung DAMPE oder die Mengenregler DOSWA als Puzzleteile der Mühle der Zukunft.

Am nächsten Tag besichtigten die Kunden den Sitz des Unternehmens in Flawil. Dort in den Fertigungshallen gab es reichlich Gelegenheit sich zu den Produkten Informationen aus erster Hand von den verantwortlichen Technikern zu holen. Paul Gaigl ist Müllereitechnologe und führte zusammen mit seinem Kollegen David Schneider die Komponenten von Swisca vor.

David Schneider (ganz links) ist bei Swisca Spezialist für Schneckenförderer und kennt alle technischen Details.

Die elektrischen Klappenkästen EFLAP sind für feine und grobe Produkte konzipiert und aus rostfreiem Stahl gefertigt. Das Besondere an den Klappen sind die Servoantriebe, erklärte Paul Gaigl.

Die elektrischen Klappenkästen EFLAP sind mit Servomotoren ausgestattet.

Dank denen benötigt man keine Druckluft mehr.  Die Idee dazu kam den Technikern, als sie bei einem Kunden neue Waagen im Silobereich installierten. Der Kunde ärgerte sich, weil er nur für seine Klappenkästen Druckluft in das Gebäude legen musste. Diese Installationskosten hätte er sich gerne erspart. „Wir dachten, das kann man besser machen und entwickelten mit den Servomotoren unserer Waagen die neuen Klappenkästen. Sie haben auch den Vorteil, nicht so schnell abzunutzen, denn es schlägt nichts mehr hin und her wie bei der Druckluft“, so der junge Techniker.

Technologe Paul Gaigl führte den schnellen Wechsel am neuen Filter vor.

Eine weitere Verbesserung zeigte uns Paul Gaigl am Filter. Dank neuer schraubenloser Aufhängung ist der Korb in einigen Sekunden ohne Werkzeug auszuhängen. Der Austausch aller Körbe dauert fünf Minuten. Bei herkömmlichen Filtern ist das zeitintensiver und am Verschlussring muss zudem eine Schraube gelöst werden, was zu zusätzliche Gefahren bis hin zum Funkenschlag führen kann.

In der zweiten Werkhalle führte Philippe Holenstein das Innenleben des Walzenstuhls ROMIL vor.

In einer der Werkhallen konnten die Kunden den ROMIL ausgiebig ohne Verkleidung betrachten.

Der Ingenieur hat in Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsexperten darauf geachtet, dass die Abdeckungen ohne Verschlüsse leicht zu öffnen sind. „Wenn der Müller eine Maschine bedienen soll, muss er sofortigen Zugriff auf sie haben“, erklärte er.

Seit 1695 vermahlt die Vogtmühle in Illertissen regionale Rohstoffe und hat höchste Qualitätsanforderungen. Albert Vogt jun. testet den Walzenstuhl gründlich und öffnet die Abdeckung.

Den Mahlspalt kann der Müller am ROMIL mit Knöpfen und einem kleinen Handrad verstellen, wobei das Bedienpult haptisches und optisches Feedback gibt. Je kleiner der Mahlspalt, desto schwerer verstellbar ist das Handrad, bei erfolgreicher Bedienung leuchten die Knöpfe auf. „Wir haben darauf geachtet, dass alles einfach einzustellen und intuitiv ist“, betonte Philippe Holenstein.

Christophe van Impe ist COO der belgischen Mühlengruppe Maselis und testete gleich das Bedienpult des ROMIL.

Zwei Verteilwellen und die Walze haben separate Antriebe. Beide können im Prozess variabel verstellt werden. Wichtig war dem Techniker, dass die Maschine – insbesondere die Speisung- restlos entleert werden kann. Kein Produkt muss mühsam per Hand herausgenommen werden. „ROMIL hat nur noch einen Spalt von 0,5 mm. Wir haben die Maschine nach langer Einsatzdauer aufgemacht und geschaut, wie es hinter Speisewalze aussieht und es waren keine Produktreste mehr dort“, so Philippe Holenstein.

Manager Toshinori Nishisaka, Technologe Yuichiro Otsuji und Verpackungsspezialistin Miho Takeshita sind vom japanischen Mühlenkonzern Nisshin Flour Mills aus Japan angereist.

ROMIL punktet bei der Walzentemperaturüberwachung mit fixer Verkabelung und nahe an der Walzenoberfläche positionierten Sensoren. Über Streifenbildung auf den Mahlwalzen kann der Müller einfach erkennen, ob er die Walze wechseln muss.  Einen weiteren Vorteil beim Walzenwechsel bietet der Servomotor. Ist die Walze eingesetzt, kann der Müller einfach den Deckel zuklappen und sie wird automatisch kalibriert.

Alexander Rieper (A.Rieper AG), Stefan Sonderer (Swisca) und Peter Rieper (A. Roeper AG) im Gespräch in Flawil.

Alejandro Bolanos und Roberto Bueso von der Molina Venecia reisten aus Guatemala an. Roberto Bueso beschäftigt in seinem Mühlenbetrieb 175 Mitarbeiter.
Jonas Schär hat für die Siebe eine hexagonale Öffnung gewählt. Sie ermöglicht eine höhere offene Siebfläche und bis zu 20% mehr Durchsatz. Zudem hält die Metallfolie länger und kommt ohne Klebstoffe aus.
Michael Gutting, Geschäftsführer Bindewald & Gutting Mühlengruppe im Gespräch mit Jonas Schär über die Siebe des Plansichters SIFTO, der in der Entwicklung ist.

Der Veranstaltungssaal in derKunsthalle Appenzell mit Kunden und Pressevertretern.
Michael Tremp (Swisca), Toshinori Nishisaka (Nisshin Flour Mills), Stefan Sonderer (Swisca) und Yuichiro Otsuji (Nisshin Flour Mills) schauen positiv in die Zukunft der Müllereitechnik.
Nach der Besichtigung der Hallen und Technik gab es für Kunden in Flawil eine Stärkung.
Swisca-Konfekt mit Firmenlogo und weißen ROMIL-Pralinen.
Aus den USA waren auch David Jansen und Sunil Maheshwari von der Siemer Milling Company angereist.
Traditionelle Bläser empfingen zum Swisca-Kundenevent am Montag.
Kunden, die bereits am Wochenende anreisten, konnten am traditionellen Eidgenössischen Jubiläums-Schwingerfest 2024 in Appenzell teilnehmen. 2 700 örtliche Helfer stellten ein unvergessliches Fest auf die Beine für rund 20 000 Besucher.
Auf vier mit Sägespänen ausgelegten Bühnen traten die ehem. Schwingerkönige gegen ihre Kontrahenten an. An jedem Feld überwacht ein Schiedsrichter die Regeln und vergibt Punkte. Am Ende siegt der Schwinger mit den meisten Siegen und der höchsten Punktzahl. Sieger des schwungvollen Spektakel in Appenzell wurden diesmal Fabian Staudenmann und Fabio Hiltbrunner.
Der Schwingerkönig durfte den Lebendgewinn, einen Stier, mit nach Hause nehmen.
Im Drehrestaurant auf dem Berg Hoher Kasten konnten die Teilnehmer des Kundenevents zu Abend essen. Trotz Wolken und Nieselregen boten sich wunderschöne Ausblicke und ein grandioser Sonnenuntergang.
Das Drehrestaurant Hoher Kasten in der Blauen Stunde.

Sonnenuntergang auf dem Hohen Kasten trotz Regen und Wolken.

Kundenevent von Swisca in der Schweiz
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Siemer Milling Company zu Besuch bei Swisca in Appenzell

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Mühle + Mischfutter sprach mit Henry Siemer warum er und sein Team Swisca in Appenzell besuchen.
2024
9/28/2024
Siemer Milling Company zu Besuch bei Swisca in Appenzell

M+M: Seit 1882 betreibt Ihre Familie die Siemer Milling Company als ein familien- und mitarbeitergeführtes Unternehmen. Sie haben drei Standorte mit dem Hauptsitz in Teutopolis, Illinois, USA. Wie viele Tonnen Mehl verarbeiten Sie und wo befinden sich Ihre Mühlen?

Henry Siemer: Insgesamt können wir täglich 1 770 t Mehl produzieren. Vorausgesetzt, alle unsere Einrichtungen laufen mit voller Kapazität. Wir sind das neuntgrößte Mühlenunternehmen in den Vereinigten Staaten. Wir sind im zentralen Mittleren Westen angesiedelt, genauer gesagt in Süd-Illinois, Ost-Indiana und Süd-Kentucky. Wir bilden eine Art Dreieck zwischen unseren drei Standorten und kaufen Weizen innerhalb eines Radius von hundert Meilen um jede unserer Mühlen.

Hauptsitz der Siemer Milling Company in Illinois, USA (Foto: Siemer Milling)

M+M: Mit welchen Technologieunternehmen arbeitet Ihre Mühlen-Gruppe zusammen?

Henry Siemer: Derzeit stammt der Großteil unserer Ausrüstung von Bühler, wir kaufen auch ein wenig Technologie von Great Western in den Vereinigten Staaten, aber der Großteil kommt von Bühler. Wenn wir denken, dass eine Technik zu uns passt und sie uns dabei unterstützt noch effizienter zu werden, sind wir bereit zuschauen, wie wir es in unsere Anlagen, in unser System einbauen können.

M+M: Warum haben Sie die weite Reise nach Appenzell unternommen?

Henry Siemer: Swisca wurde von mehreren Personen gegründet, mit denen wir lange, persönliche Beziehungen pflegen, die für die Siemer Milling Company sehr wichtig sind. Außerdem hat uns Swisca eingeladen und versprochen, uns neue Technologien zu zeigen, um unsere Mahlfähigkeiten weiter zu verfeinern und zu verbessern. Obwohl wir schon lange eine gute Beziehung zu Bühler haben und beabsichtigen, diese auch in Zukunft fortzusetzen, würden wir uns selbst einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir nicht ständig darauf achten würden, wer sonst noch auf dem Markt ist und was sie anbieten.

Henry Siemer besichtigt die neu entwickelten Swisca-Maschinen, die in der Swissmill bereits in der Anwendung sind (Foto: Sabine Kemper).

M+M: Könnten Sie weitere Details geben oder spezifizieren, welche Aspekte der Innovation von SWISCA Sie besonders überzeugend finden und warum?

Henry Siemer: Ich denke, Swisca versucht, eine Evolution und keine Revolution in der Mühlentechnik zu erreichen. Wir können immer noch die gleichen grundlegenden Ideen, Konzepte und Chassis sehen, die seit Jahren verwendet wurden. Aber Swiscas Design und ihre Kompetenz in ihren Waagen zeigen ein hohes Maß an Zuverlässigkeit. Das macht unser System effizienter und für Müller leichter zu handhaben. Der Müller muss sich nicht so viele Sorgen machen, dass ein Problem auftritt, wenn er gerade einmal nicht hinsieht.

Siemer Milling Company zu Besuch bei Swisca in Appenzell
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Das Modernisierungskonzept der Spielberger Mühle

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Die Spielberger Mühle modernisiert ihre Anlagen und setzt auf ökologische Lebensmittelproduktion.
2024
9/26/2024
Das Modernisierungskonzept der Spielberger Mühle

Die Spielberger Mühle in Brackenheim wird seit drei Generationen von der Familie Spielberger geführt. Unter der Leitung von Volkmar Spielberger, dem Enkel des Gründerehepaars, entwickelte sich das Unternehmen zu einem Pionier der biodynamischen Getreideverarbeitung mit dem Hauptaugenmerk auf Demeter-zertifizierte und biologische Produkte. 2022 war der Umbau der Mühlenanlage abgeschlossen und der Standort technisch auf dem neuesten Stand.

Seit 2014 betreibt das Unternehmen in Würzburg eine zweite Mühle, die aus 20  unterschiedlichen Rohstoffen Flocken herstellt, unter anderem mit dem Verfahren der Rohhafer-Darre. Die Rohstoffe beider Mühlen stammen seit den 60er-Jahren ausschließlich von Bio-Betrieben. Werte wie „bäuerliche Landwirtschaft“, „handwerkliche Herstellung“ und „fair Wirtschaften“ sind keine leeren Worthülsen für Volkmar Spielberger. Der Geschäftsführer möchte weg vom Preismarketing, hin zum Inhaltsmarketing. Denn es sind die gemeinsamen Werte, die ihn und seine Produkte mit den Kunden im Bio-Fachhandel verbinden. Volkmar Spielberger setzt sich zudem für die Förderung von biodynamisch gezüchtetem Saatgut unabhängig von großen Saatgutkonzernen ein. In der Zusammenarbeit mit regionalen Landwirtschaftsbetrieben und Erzeugergemeinschaften engagiert er sich für den Anbau biologisch-dynamisch gezüchteter Sorten und die biologische Vielfalt.

Die Mühle in Brackenheim hat eine lange Historie, deren Ursprünge bis 1698 zurückreichen, als die Wasserkraft des Flusses Zaber zum ersten Mal zur Mehlerzeugung genutzt wurde. Das 300 Jahre alte Mühlengebäude war baufällig und nicht zu erhalten. Es wurde 2021 von der Familie unter der Federführung der Architektin Christiane Heidenreich aufwendig ab- und wiederaufgebaut. Viele der alten Elemente, wie Eichenpfosten und Sandsteine sind im Neubau, der heute die Verwaltung beherbergt, zu sehen. Da man bankenunabhängig bleiben wollte, wurde der ökologische Wiederaufbau durch die Ausgabe von Genussscheinen an private Kapitalgeber ermöglicht. Seit dem Umbau der Mühle sind die Prozesse in Brackenheim drehzahl-, temperatur- und vibrationsüberwacht. Die Digitalisierung erleichtert die Überwachung, erhöht die Betriebssicherheit und die Rückverfolgung der Rohwaren. Das Mühlenpersonal freut sich zudem über weniger körperliche Belastung. Zehn Müller, davon fünf Müllermeister beschäftigt Familie Spielberger und bildet zwei Lehrlinge aus. Trotz Modernisierung bleibt die Mühle eine Handwerksmühle. Die Müller arbeiten weiterhin mit 16 Passagen, um beste Qualität zu erreichen. Der Umbau der Mühlenanlage in Brackenheim war nicht einfach und es hat einige Zeit gedauert.

Christiane Heidenreich erinnert sich an die anstrengenden Monate: „Wir haben den Mühlenturm einmal leergeräumt und danach musste alles wieder rein, inklusive Fußböden.“

Über den Mühlenneubau und die Ziele seines Unternehmens sprach Mühle + Mischfutter mit Volkmar Spielberger.  

Volkmar Spielberger, Geschäftsführer Spielberger Mühle.

M+M: Was waren aus unternehmerischer Sicht die Gründe für die Modernisierung?

Volkmar Spielberger: Die Modernisierung war das eine, die Kapazitätsentwicklung das andere. Wir bewegen uns als reine Biomühle nach wie vor in einem wachsenden Markt mit hoher Nachfrage - in den letzten zwei Jahren weniger - aber die Transformation zur ökologischen Landwirtschaft und damit auch zur Ökologisierung der Mühlen und der Verarbeitung ist da. Der Markt wächst und entsprechend müssen wir mit unseren Anlagen mitwachsen. Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Umbau und zur Modernisierung war die Tatsache, dass die Kapazität der alten Mühlenanlage ausgeschöpft war. Die Mühle lief 24/7 und wir mussten investieren. Wachstumstreiber waren unsere Mehlprodukte, die sich gut über den Fachhandel verkaufen. Wir haben entschieden, dass wir mit unserem modernen Mühlengebäude, das wir 1992 in Betrieb genommen haben, weiterarbeiten können und keinen Neubau brauchen. Ich war überrascht, was in der Verarbeitung mit dem Technologiefortschritt auf kleineren Flächen erreicht werden kann.  

M+M: Für welchen Mühlenbauer haben Sie sich entschieden und warum?

Volkmar Spielberger: Unser Mahlsystem ist komplett von der Firma Kastenmüller, denn unsere Stärke ist die Produktvielfalt. Wir haben uns überlegt, welche Walzenstühle zu unseren Produkten aus unterschiedlichsten Rohstoffen am besten passen. Dabei war uns wichtig, alles auf dem vorhandenen Platz unterzubringen. Wir mussten überlegen, welche Walzenlängen und -flächen wir brauchen, welche Größen und Gewichte in Frage kommen. Unsere Entscheidung fiel auf das Variomillsystem von Kastenmüller. Es sind feine Walzenstühle und sie sind flexibel einzustellen. Wir brauchen keine unterschiedlichen Walzen aufstellen, die Platz wegnehmen und nur für Roggen laufen, bei Weizen dann stillstehen oder nur für Dinkel im Einsatz sind. Mit einem Knopfdruck können wir heute von Dinkel auf Weizen umstellen. Wir sind mit der Anlage sehr zufrieden.

M+M: Wie haben wir uns die Modernisierung der Mühlenanlage vorzustellen? Ging das im laufenden Betrieb?

Volkmar Spielberger: Im Jahr 2020 begannen wir den Umbau des sechsstöckigen Mühlenturms zu planen und vorzubereiten. Dazu haben wir uns extra einen Mühlentechniker in die Firma geholt mit dem wir systematisch von der Rohstoffannahme bis zur Mehlverladung alles durchgegangen sind. Wir haben nicht nur die Mahlmühle, sondern die Gesamtanlage modernisiert. Wir können nicht nur die Mühle verdoppeln, denn dann fehlt es nachher an der Netzung oder der Reinigung. Wir mussten die ganze Infrastruktur drumherum mitdenken und mitentwickeln. Knapp zwei Jahre wurde die neue Technik entwickelt, Gebäudeteile umgebaut, neue Maschinen konstruiert. Alles während des laufenden Betriebs. Bei der Annahme haben wir uns für Bühler entschieden, die zu der Zeit die bekannteste Maschine hatten. In der Reinigungstechnik und beim Abpacken haben wir unterschiedliche Anbieter. Beim Dosieren und Wiegen kam die Technik von Swisca und die Schälmühle lieferte Streckel & Schrader. Franz Schmid von Kastenmüller hat das Walzensystem mit viel Erfahrung geplant. 2022 wurde der Mühlenbetrieb für zwei Monate, von Januar bis März, komplett eingestellt, um die vorhandenen Maschinen und Technik auszubauen und die neue einzubauen, zu installieren und einzurichten. Um die Maschinen in die sechs Stockwerke zu bringen, wurden auf allen Etagen die Böden ausgebaut. Nachdem die Maschinen in den entsprechenden Stockwerken waren, wurden die Böden wieder verschlossen.

M+M: Hat sich der Aufwand gelohnt und sind die Ergebnisse so wie gewünscht?

Volkmar Spielberger: Überrascht war ich über die Leistung, die die Mühle jetzt in dieser Flexibilität in der Spezialvermahlung hat. Sie ist keine kombinierte Mühle mehr, sondern eine flexible Mühle, die die Möglichkeit bietet, sich auf das Produkt einzustellen. Was für den Müller eine hohe Herausforderung ist, denn bei so einem langen Diagramm mit 16 Passagen müssen sie für die jeweiligen Getreidearten das Diagramm jeweils neu festlegen. Wir erreichen aber sehr gute Leistungen und eine sehr gute Ausbeute. Bei Roggen hatten wir früher wesentlich mehr Hilfsmaschinen und die brauchen wir heute nicht mehr. Alles wird nun über die Walzen erreicht. Andreas Kastenmüller ging systematisch vor und sagte, das wichtigste Instrument des Müllers ist der Walzenstuhl und der muss so entwickelt und leistungsfähig sein, dass wir über den Walzenstuhl sämtliche Mahlschritte abbilden können. Wir brauchen keine Hilfsmaschinen, die das Diagramm verlängern. Zudem haben wir eine enorme Energieeinsparung von 30% pro Tonne, was an der Leistungssteigerung liegt. Aus der 25-t-Mühle ist jetzt eine 50-t-Anlage geworden, die sehr effizient mit einer hohen mengenmäßigen Auslastung für alle Getreidearten arbeitet. Wir sind mit diesem Konzept sehr zufrieden.  

M+M: Und was lief nicht so gut?  

Volkmar Spielberger: Also es war ja eine Operation am offenen Herzen. Und vieles hängt davon ab, wie gut man sich vorbereitet und wie gut man alles organisiert. Uns war es wichtig, dass wir nicht alles mit Kastenmüller allein gemacht haben, sondern selbst die verschiedenen Gewerke koordiniert haben. Die Walzenstuhlsteuerung hat Kastenmüller übernommen. Früher waren wir eine Bühlermühle und eigentlich hatten wir vor, die Steuerung mit Bühler zu machen. Aber aus Kapazitätsgründen bietet Bühler die neue Version ihrer Steuerung nur zusammen mit dem Anlagenverkauf an. Deshalb hat für uns BHS Control Systems die komplette Steuerungsautomatik mit Warenfluss und Rückverfolgbarkeit aller Chargen übernommen.  

M+M: Was ist jetzt bei Ihnen im Unternehmen aktuell geplant?  

Volkmar Spielberger: Wir möchten in der Umweltzertifizierung vorankommen und haben ein großes Forschungsprojekt in unserem Werk bei Würzburg, welches vom Land zu 40% gefördert wird. Es geht um eine positive CO2-Bilanzierung dank Pyrolysetechnik. Wir investieren seit drei Jahren in diese Forschung zur Herstellung von Pflanzenkohle und versprechen uns von diesem Verfahren für eine positive Energiebilanz einiges. Wir planen nach Abschluss der Versuche eine größere Anlageninvestition zwischen drei und fünf Mio. Euro, um unseren Standort in Würzburg CO2-neutral aufzustellen. Wir haben dort in der Hafermühle die Möglichkeit, die Haferschälkleie in die thermische Verwertung zu geben und daraus Pflanzenkohle zu gewinnen.  

Im Jahr 1698 beginnt die Geschichte der Mehlmühle in Brackenheim mit der Wasserkraft des Flüsschens Zaber. Ein Wasserrad trieb die Mühle immer noch an, als Familie Spielberger sie 1930 übernahm.
Das Getreide stammt ausschließlich von Bio-Betrieben, die ohne Kunstdünger und ohne synthetische Pestizide arbeiten.
Das handwerkliche Geschick der Müller ist gefragt, um komplexe Prozesse zu steuern und anzupassen. An den Vibrationen im Gebäude spüren sie, ob die Mühle richtig läuft.
Das Modernisierungskonzept der Spielberger Mühle
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ADM erweitert Kapazitäten für nicht gentechnisch veränderte Produkte in Ungarn

Mais
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Getreideverarbeitung
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ADM will bald nicht gentechnisch veränderte Produkte in Ungarn verarbeiten.
2024
9/24/2024
ADM erweitert Kapazitäten für nicht gentechnisch veränderte Produkte in Ungarn

Am 23. September 2024 gab ADM bekannt, den Erwerb von Vandamme Hungaria Kft und deren zugehörigen Gesellschaften vereinbart zu haben. Diese betreiben eine Verarbeitungsanlage in Nordungarn mit einer Kapazität von 700 t pro Tag für nicht gentechnisch veränderte Produkte.

„Globale Trends wie Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit fördern die Nachfrage nach nicht gentechnisch veränderten Produkten. 60% der Verbraucher gaben in einer europäischen Umfrage an, dass sie nicht gentechnisch veränderte Produkte bevorzugen“, erklärt Sebastian Kuck, General Manager für den EU-Sojaverarbeitungsbereich bei ADM. „Nach einem mehrjährigen Prozess, in dem wir unser Angebot an nicht gentechnisch veränderten Sojabohnen aus unseren Anlagen in Becej, Serbien sowie Straubing und Mainz, Deutschland, erweitert haben, sind wir erfreut, diese hochmoderne Anlage für Soja und Maiskeime hinzuzufügen, um den Bedarf unserer Kunden im Lebensmittel-, Futtermittel-, Haustier- und Ölmarkt noch besser decken zu können.“

„Unsere wachsende Präsenz im Segment für nicht gentechnisch veränderte Sojabohnen in Europa unterstützt auch unsere landwirtschaftlichen Zulieferer, indem sie ihnen einen Absatzmarkt für hochwertige Kulturpflanzen bietet, die zur Fruchtfolge beitragen und eine Plattform zur Förderung regenerativer landwirtschaftlicher Praktiken darstellen“, fügt Renè van der Poel, General Manager bei ADM Straubing, hinzu. „Wir sind stolz darauf, mit Landwirten in ganz Europa zusammenzuarbeiten. Diese Investitionen zeigen einmal mehr, wie wir unsere Fähigkeiten ausbauen und unsere einzigartige Fähigkeit unter Beweis stellen, unterschiedliche Kundenbedürfnisse zu erfüllen, einschließlich der bevorstehenden EU-Regelungen zur Entwaldung.“

Die Produktionsstätte in Komárom, Ungarn, wurde 2010 erbaut und verarbeitet Sojabohnen und Maiskeime zu Mahlprodukten und Ölen für Kunden in Europa und dem Mittleren Osten. Sie beschäftigt 38 Mitarbeiter und erzielte 2023 einen Umsatz von etwa 114 Mio Euro. ADM rechnet damit, die Transaktion, die noch der Genehmigung durch die Regulierungsbehörden bedarf, in den kommenden Monaten abzuschließen.

ADM erweitert Kapazitäten für nicht gentechnisch veränderte Produkte in Ungarn
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Niedersachsen

Digitalisierung für die Agrarwirtschaft

Lebensmittel
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IT-Sicherheit
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Qualitätssicherung-kontrolle
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Durch Management-Buy-Out wird L3 Software modernisiert und auf mittelständische Agrarbetriebe zugeschnitten.
2024
9/19/2024
Digitalisierung für die Agrarwirtschaft

Die Geschichte von ServiceERP geht auf das Softwareunternehmen Landwehr zurück, das sich bereits in den 1990er Jahren durch die Entwicklung der Warenwirtschaftssoftware L3 einen Namen machte. Nach der Übernahme von Landwehr durch den Mischkonzern zvoove entschieden sich die langjährigen Mitarbeiter Andreas Kurk und Martin Helmig die Software L3 zu revitalisieren. Im Jahr 2021 legten sie mit einem Management-Buy-Out den Grundstein für die Zukunft und gründeten Anfang 2022 mit einem Team aus erfahrenen Experten ServiceERP. Durch die stetige Weiterentwicklung der Produkte und den Ausbau der Serviceleistungen sind zu den anfänglich 10 Mitarbeitern inzwischen weitere 10 Mitarbeiter hinzugekommen. Ihr Ziel ist es, mittelständische Produktions- und Handelsunternehmen der Agrarwirtschaft auf dem Weg in die digitale Zukunft zu begleiten. Mit Softwarelösungen rund um die Themen Warenwirtschaft, CRM, Logistik und Finanzbuchhaltung und natürlich mit persönlichem Engagement und Service. Die Nutzerbasis, die sich über ganz Deutschland erstreckt, profitiert zudem von einem breiten Angebot an Schulungen und Seminaren, die gezielte Hilfestellung in allen Bereichen der digitalen Warenwirtschaft und Finanzbuchhaltung bieten.

ERP ist die Abkürzung für „Enterprise-Resource-Planning“. Diese Bezeichnung steht für die Aufgaben eines Unternehmens seine zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Personal, Kapital, Betriebsmittel, Material sowie Informations- und Kommunikationstechnik effizient im Sinne des Unternehmenszwecks einzusetzen und rechtzeitig und bedarfsgerecht zu steuern und zu verwalten. Eine ERP-Software unterstützt Unternehmen dabei die Produktivität durch diverse Automationen zu steigern. Sie hilft Geschäftsprozesse digital abzubilden und in einer Datenbank zusammenzuführen, um einfacher auch abteilungsübergreifende Prozesse zu realisieren.  

Integriert und digital  

Die Warenwirtschafts- und ERP-Software L3 ist speziell für die Anforderungen mittelständischer Produktions- und Handelsbetriebe in der Agrarwirtschaft entwickelt worden, vor allem für Mühlen, Saatgut- und Futtermittelproduzenten. Die Software deckt Geschäftsprozesse ab, von der Warenannahme über die Angebotserstellung bis hin zum Kassensystem. In Kombination mit der Finanzbuchhaltungssoftware WinFiBu bietet ServiceERP eine Integration der Finanzbuchhaltung in das Warenwirtschaftssystem. Mit der mobilen Variante L3-App wird der Zugriff auf Funktionen der Desktop-Version mit mobilen Endgeräten ermöglicht - inklusive Kundendatenpflege und Wiedervorlagefunktion. Das Modul L3-Connect verbindet die kundeneigene Datenbank/Warenwirtschaft mit der Erfassung der Warenbewegungen durch Scanfunktionen. Zusätzlich können externe Systeme wie Webshops oder Waagensysteme mit angebunden werden. Mühle + Mischfutter hat mit Kunden des Unternehmens über ihre Erfahrungen gesprochen.  

Heimatsmühle: Support ist wichtig

Die Max Ladenburger Söhne Heimatsmühle GmbH & Co. KG ist ein mittelständischer Mühlenbetrieb, der konventionell und biologisch angebauten Weizen, Roggen und Dinkel vermahlt. Er ist Partner für Bäckereien, die Lebensmittelindustrie und den Lebensmitteleinzelhandel. Familie Ladenburger lebt und arbeitet seit 1808 auf der Mühle. Zum Familienbetrieb gehören ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Mutterkuhhaltung und Schweineaufzucht, der nach den Richtlinien von Bioland bewirtschaftet wird und ein Mühlenladen. Im Mühlenshop gibt es vor Ort und online die eigenen Markenmehle, Waren aus der eigenen Landwirtschaft, ein breites Müsli-Sortiment sowie Brotaufstriche und vieles andere zu kaufen. Die Heimatsmühle entschied sich 2017 auf die Software L3 (damals noch Landwehr) umzusteigen. Man wünschte eine branchenspezifische Lösung, welche die Abläufe des Mühlenbetriebs optimiert und mit der die Mitarbeiter flexibel und dynamisch künftige Anforderungen meistern können. Die Umstellung hatte die Unternehmensleitung gut überlegt und vorbereitet, dennoch entpuppte sich die Umsetzung im Detail als anspruchsvoll. Hilfreich war der Support der Softwarespezialisten sowie die angebotenen Schulungen.

Dagmar Simon ist bei der Heimatsmühle zuständig für die EDV und erinnert sich gut an die Zeit der Umstellung. „Je nachdem wie tief man im laufenden Arbeitsprozess ins Detail gehen musste, desto anspruchsvoller war die Umsetzung.“

Gerade aufgrund des breiten Produktportfolios, der gewünschten Tiefe der Auswertungen und der stetig neuen Herausforderungen an das mittelständige Unternehmen der Lebensmittelindustrie ist auch aktuell ein intensives Zusammenarbeiten mit den Support-Mitarbeitern von Service-ERP erforderlich. Für Dagmar Simon ist das sehr wichtig:

„Der Support von ServiceERP ist gut erreichbar und unterstützt uns schnell. Denn der Mühlenbetrieb muss laufen und kann nicht aufgrund von Softwareproblemen stillstehen.“

Seit 2023 hat der Betrieb die neue L3 App für den kompletten Warenausgang im Einsatz und gute Erfahrungen mit dem bedienerfreundlichen Handling zur Kommissionierung von sortenreinen Paletten aber auch von Mischpaletten gemacht. Wissend, dass die Implementierung der ERP-Software selten reibungslos verläuft und dies der erste Schritt in die richtige Richtung war, ist der Weg auch weiterhin das Ziel. Denn einige Probleme tauchen erst im laufenden Arbeitsprozess auf.

„Damals haben wir uns beispielsweise aus Zeitgründen entschieden, unsere Kundendaten zu konvertieren. Das würde ich heute nicht mehr so machen“, erzählt Dagmar Simon. „Heute würde ich die Daten ins Programm neu einpflegen und mir so in der Anwendung einige Probleme ersparen.“

Positiv nennen die Mühlenmitarbeiter aus Aalen die Abbildung zahlreicher Schnittstellen, so verliere auch das Thema Electronic Data Interchange (EDI) seinen Schrecken.

Die Heimatsmühle vermahlt rund 40.000 Tonnen Getreide pro Jahr

Vollmers: Faire Kosten

Als familiengeführtes Unternehmen des Mittelstands stellt die Gerhard Vollmer GmbH & Co. KG seit über 50 Jahren und drei Generationen qualitativ hochwertige Hundenahrung her. Über den Großhandel und viele unabhängige Fachgeschäfte vertreibt das Unternehmen seine Produkte deutschlandweit und ins europäische Ausland. Vollmers verwendet zu 100 Prozent naturbelassene Rohstoffe und Zutaten, die meisten aus der näheren Umgebung. Das Unternehmen legt Wert auf Frische und Kontrolle und hat feste Verträge mit heimischen Lieferanten. Für Geschäftsführer Jonas Wölk ist die Software L3 der Dreh- und Angelpunkt des Tagesgeschäfts:

„Beginnend mit der Pflege von Kunden- und Lieferantendaten über die Rezepturverwaltung bis hin zur Produktion, Fakturierung und Rohwarenverwaltung spielt sich bei uns alles im L3 ab. Zuletzt haben wir gemeinsam mit Service ERP eine bidirektionale Schnittstelle zu unserem neuen Webshop eingerichtet, über die Bestellungen sowie Kunden- und Artikeldaten ausgetauscht werden, sodass wir Kundenbestellungen mit deutlich geringerem Personalaufwand bearbeiten können. Der ausschlaggebende Impuls dazu kam übrigens vom Team von Service ERP."  

Für ihn wurden die Nutzbarkeit und der Kundenservice der Software L3 seit dem Management-Buy-Out sehr vorangebracht und er schätzt in der Zusammenarbeit mit Service ERP deren Flexibilität: „Wir sind ein kleines Unternehmen und wenn wir ein akutes Problem haben, brauchen wir kurze Wege zu unseren Ansprechpartnern.“ Weitere Pluspunkte sind für ihn die fairen Kosten für Module und Wartung.

„Wenn wir ein neues Modul haben möchten, sind es überschaubare Summen, mit denen auch kleine Unternehmen arbeiten können“, so der Geschäftsführer.

Walz-Mühle: Regelmäßige Pflege

Die Walz-Mühle in Altheim ist seit 1884 im Besitz der Familie Walz. Müllermeister Thomas Walz leitet in der 5. Generation zusammen mit Josef Walz das Unternehmen. Die Mühle bezieht ihr Getreide von Landwirten aus der Region und stellt neben Mehlen, Körnern, Backmischungen und Backsaaten viele Spezialprodukte für das weiterverarbeitende Handwerk oder den Endverbraucher her. Zudem füllen die Müller vom Oberen Neckar Sondermischungen auch mit individuellen Etiketten ab und beliefern den Einzelhandel mit ihren Premium-Produkten unter dem Label der Walz-Mühle. Thomas Walz hat viel zu koordinieren:

„Früher hatten wir verschiedene Systeme im Betrieb, die historisch gewachsen waren. Heute ist es eine Erleichterung alle Daten in ein System einzupflegen.“

Die Umstellung haben die Softwarespezialisten gut gemeistert und sie hat sich auch für den Onlinevertrieb und den Mühlenladen der Familie gelohnt. Eine Direktvermarktung betreiben die Müller seit 1980. Als das Sortiment im Mühlenshop immer umfangreicher wurde, lagerte sie den Verkauf 2021 aus. Der neue Mühlenmarkt im Nachbarort hat eine Verkaufsfläche von 350 m². Die Verwaltung ist dank ERP einfach. Beispielsweise war das Einpflegen unverpackter Waren kein Problem, wie auch die Anbindung des neuen Kassensystems.  Thomas Walz lobt die Vorteile der Software, die regelmäßig gepflegt wird. Alle Dokumente können digital übermittelt werden und das System archiviert sie automatisch.

„Wenn mal etwas nicht so läuft, gibt es die Hotline und der Support funktioniert sehr gut,“ berichtet der Müller.
Der neue Mühlenmarkt der Walz-Mühle wird ebenfalls mit der ERP-Software verwaltet.
Mit den regelmäßigen Updates für L3 werden auch neue Vorgaben des Gesetzgebers für Lebensmittel einfach umsetzbar.
Digitalisierung für die Agrarwirtschaft
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Getreide
Interview
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Rheinland-Pfalz

ADM erweitert Werk in Mainz

Anlagenbau
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Getreideverarbeitung
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Interview mit René van der Poel, General Manager Archer Daniels Midland Company (ADM.
2024
9/17/2024
ADM erweitert Werk in Mainz

ADM hat weltweit über 270 Produktionsstätten, in denen Getreide und Ölsaaten verarbeitet werden für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie für Industrieprodukte und Futtermittel. In der Stadt Rolle am Nordufer des Genfer Sees liegt die Europazentrale von ADM. In Deutschland betreibt das Unternehmen eine Ölmühle in Mainz, das Ölwerk Spyck in Kleve sowie eine Ölsaatenverarbeitung in Straubing. Biodieselwerke in Hamburg, Leer und Mainz runden das Portfolio ab.

René van der Poel ist General Manager ADM Straubing.

Im Mai 2024 stellte ADM seine neu gebaute Verarbeitungslinie für Non-GMO-Soja in seiner Ölsaatenverarbeitungsanlage in Mainz vor. Zu der Gesamtkapazität gibt der Konzern keine Zahlen bekannt. Mit der Investition von mehreren Millionen Euro werden nun Sojaprodukte ohne Gentechnik am Rheinufer hergestellt. Mühle + Mischfutter sprach mit René van der Poel, General Manager von ADM Straubing und Keynote Speaker für ADMs Strategie und Sojaverarbeitung. Der Manager ist im Vorstand des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) sowie im Präsidium von Donau Soja.

M+M: Bisher hat Ihre Mühle in Mainz gentechnisch verändertes Soja verarbeitet, vor allem für die Tierfutterindustrie. Weshalb jetzt diese große Investition in die Verarbeitung von gentechnikfreiem Soja?

René van der Poel: Wir gehen von einer steigenden Nachfrage aus nach Produkten aus gentechnikfreiem Soja aus regionalem Anbau mit rückverfolgbarem Anbau und möchten mit der neuen, modernen Verarbeitungsanlage und der damit verbundenen Erweiterung unserer Kapazitäten in Mainz die wachsende Bedeutung dieses Segments unterstreichen. Mit dieser Erweiterung können wir eine breite Palette von Produkten herstellen, darunter Sojaöl für verschiedene Industriezweige, Sojaschrot für Lebensmittel, Futtermittel und Getränke. Die Verarbeitung von gentechnikfreiem Soja ist ein wichtiger Teil unserer Wachstumsstrategie und wir möchten örtlichen Landwirten Anreize bieten, gentechnikfreie Sojabohnen anzubauen und Soja in die Fruchtfolge zu integrieren.  

M+M: Sie verarbeiten am Standort in Mainz nun gentechnisch verändertes Soja und gentechnikfreies Soja auf einer Anlage. Wie kann das funktionieren? Haben Sie keine Bedenken wegen möglicher Verunreinigungen?

René van der Poel: Wir switchen auch an anderen Standorten von einem Produkt auf das andere. Und ich denke, das ist eine unserer Stärken, dass wir mehrere Produkte verarbeiten können. Zum Beispiel in unserem Werk in Straubing verarbeiten wir Raps und anschließend Soja. Und niemand möchte schwarzen Raps im Sojaschrot haben. Es ist das Gleiche, was wir in unserem Werk in Mainz tun. Wir haben immer herkömmliches Soja verarbeitet und dann nachgedacht, wie wir effizient Kapazität für gentechnikfreies Soja bereitstellen können.

Wir haben in Technologie zur sauberen Schälung der Bohne investiert, um die richtige Qualität produzieren zu können. Vor allem aber haben wir aber viel für die Trennung der beiden Warenströme ausgegeben. Wir haben neue Silos gebaut und die Förderwege sind komplett getrennt, so dass wir sauber die Trennung zwischen GVO-Soja und genfreiem Soja hinbekommen. Wenn wir von dem einen Produkt auf das andere gentechnikfreie umstellen, wird die Anlage heruntergefahren und wir lassen sie leerlaufen. Die Spülcharge wird nicht vernichtet, sondern kommt zum gentechnisch verändertem Soja. Vom Neustart der Anlage braucht der Prozess ungefähr 56 Stunden von der ersten gentechnikfreien Bohne, die in die Anlage reingeht, bis sie am Ende verarbeitet wieder herauskommt.

M+M: Dann erfolgt die Trennung in den Silos und im Transport?

René van der Poel: Genau. Wir haben für den Transport des gentechnikfreien Sojas, welches per Zug oder Lkw angeliefert wird, eine eigene Annahme. Herkömmliches Soja wird bei uns nur mit Schiffen geliefert. Das Soja aus Übersee wird meistens über Rotterdam importiert.

M+M: Ihr Unternehmen hat in seiner Pressemitteilung zur Eröffnung der neuen Verarbeitung in Mainz von einer Millioneninvestition gesprochen. Können Sie uns hier genaue Summen und Hersteller nennen, beispielsweise für die Silos oder die Schälung?

René van der Poel: Auch wenn ich keine Zahlen nenne, werden Ihre Leser sehr wohl den Umfang der Ausgaben einschätzen können. In unserem Werk in Mainz haben wir eine besondere Situation mit seiner Lage direkt am Rhein. Der Bau der 40 Meter hohen Betonsilos war sowohl von der Statik als auch von der Logistik her eine Herausforderung. Auch bei der Erneuerung der kompletten Schälung haben wir mit bekannten Firmen zusammengearbeitet. Ich möchte keine Namen nennen, damit unsere Konkurrenz keine Rückschlüsse auf unsere Technologie bekommt und darauf, wie unsere Prozesse sind.

M+M: Welchen Umfang hat die Verarbeitung von gentechnisch verändertem Soja und von gentechnikfreiem Soja?

René van der Poel: Je nach Bedarf und Verfügbarkeit von gentechnikfreien Sojabohnen können wir ohne weiteres mehr verarbeiten zu Lasten von herkömmlichen Bohnen. Damit können wir mitwachsen mit dem Markt. Am Ende möchten wir hundert Prozent gentechnikfreies Soja verarbeiten. Das ist langfristig das Ziel. Ob wir das jemals erreichen, das ist eine andere Frage. Wir peilen in den ersten Jahren zwischen 10 und 20% der Verarbeitung ohne Gentechnik zu erreichen. Dazu möchten wir in fast jedem Monat immer gentechnikfreie Produkte verfügbar haben. Das ist für den Markteintritt wichtig, dass Kunden wissen, wir haben Sojaprodukte ohne Gentechnik verfügbar. Nur so können sie die Futtermittel und auch deren Logistik anpassen.

M+M: Bleiben Tierfutterhersteller Ihre Hauptkunden oder werden Sie vermehrt die Lebensmittelindustrie ansprechen?

René van der Poel: Unsere Hauptkunden finden wir weiterhin in der Tierfutterindustrie. Für Kunden der Lebensmittelindustrie haben wir unser Werk in Serbien, das Sojaprotein herstellt. Wir haben das Werk Ende 2021 erworben und dort verarbeiteten wir auch gentechnikfreies Soja für den Bereich der Humanernährung. Dort produzieren wir auch Proteinalternativen für Fleischersatz.

Sojaprodukte bieten mit ihrem hohen Eiweißgehalt eine breite Palette von Verwendungsmöglichkeiten. Dazu gehören Fleisch- und Milchalternativen, sowie Cerealien, Proteinriegeln, Fertiggerichten und Mahlzeitersatzgetränke.

M+M: Wie motivieren Sie Landwirte für den Sojaanbau? Haben Sie einen Vertrieb und kooperieren Sie mit Landwirten?

René van der Poel: Nein, wir haben keinen Vertrieb oder Mitarbeiter, die Landwirte besuchen. Wir kaufen vom Landhandel oder von Genossenschaften. Unsere Strategie geht über den Preis. Wir bieten jeden Tag einen Preis, sodass der Landwirt selbst entscheidet, ob sich der Anbau lohnt. Unsere Preisinformationen geben wir jeden Tag heraus und wir veröffentlichen jetzt schon die Preise für die neue Ernte. Es ist uns wichtig, dass wir die Landwirte in der Lage versetzen, eine richtige Entscheidung zu treffen. Laut meinen Informationen sind unsere Vorgaben für dieses Jahr gut angenommen worden, wir hören fast europaweit von einem Anstieg von bis zu 10% der Anbaufläche. Wie die tatsächlichen Zahlen am Jahresende sind, wissen wir noch nicht. Wir hören aber, dass die Saatgutunternehmen sehr gut Saatgut verkauft haben.

M+M: Hat bei Ihrer Entscheidung mehr gentechnikfreies Soja in Europa zu verarbeiten auch die Entwaldungsrichtlinie eine Rolle gespielt?

René van der Poel: Zum Zeitpunkt, als wir uns entschieden haben, die Investition und dieses Projekt umzusetzen, war die Richtlinie noch kein Thema. Aber wir wussten, dass etwas kommen würde. Aber erst seit dem Juni des letzten Jahres wissen wir, dass diese Richtlinie kommen könnte. Und ja, natürlich sind unsere Entscheidungen beeinflusst von dem, was wir in Nord-, Südamerika und in Europa an Entwicklungen sehen. Mit der neuen Anlage sind wir passend aufgestellt für die neuen Herausforderungen. Aktuell bereiten wir uns darauf vor, dass die Richtlinie implementiert wird. Wenn die politische Entscheidung irgendwann fällt, dann möchten wir bereit sein, weiterhin Ware zur Verfügung zu stellen gemäß den Verordnungen.

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ADM kündigt Zusammenarbeit mit Kinderstiftung Die Arche an

Getreideverarbeitung
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Lebensmittel
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Nachhaltigkeit
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ADM spendet für 25 000 kostenlose Mahlzeiten für sozial benachteiligte Kinder in Hamburg und Berlin an Die Arche.
2024
9/15/2024
ADM kündigt Zusammenarbeit mit Kinderstiftung Die Arche an

Das Unternehmen ADM unterstützt mit seiner Spende die Hilfsorganisation Die Arche, sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen in deutschen Innenstädten zu unterstützen. Ein wichtiger Aspekt dieser Arbeit ist es, den Kindern Zugang zu gesunder Ernährung zu verschaffen, die für ihre Entwicklung und ihr Wohlbefinden unerlässlich sind.

„Als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Ernährung ist es uns bei ADM wichtig, Menschen mit den Lösungen zu versorgen, die sie brauchen. Wir stehen voll und ganz hinter der Mission der Arche und ihrem Ziel, sicherzustellen, dass alle Kinder in Deutschland täglich Zugang zu warmen und gesunden Mahlzeiten haben. Als einer der großen Arbeitgeber in Deutschland freuen wir uns, diese Wohltätigkeitsorganisation unterstützen zu können und vor Ort etwas zurückzugeben, wo wir tätig sind“, sagte Anke Kühnel, HR Director für Deutschland und Polen bei ADM.
Anke Kühnel, HR Director für Deutschland und Polen bei ADM, sowie Tobias Lucht, Leiter der Arche Hamburg, vor der Arche in Hamburg-Jenfeld (Fotograf: Ryan Rainer).

Arche-Gründer Bernd Siggelkow betonte die Bedeutung der Partnerschaft zwischen Die Arche und ADM:

„Kinder sind unser wertvollster Schatz, unsere Zukunft, aber auch unsere Gegenwart. Wir müssen uns jetzt um sie kümmern, und mit dieser Spende können wir wirklich etwas bewirken. Wir sind sehr dankbar, dass solch ein großes Unternehmen wie ADM, das über so viel Expertise im Lebensmittelbereich verfügt, uns bei dieser Mission unterstützt. So ist es gesichert, dass wir in den kommenden zwölf Monaten 25 000 Mahlzeiten an unsere Kinder und Jugendlichen ausgeben können.“
Anke Kühnel, HR Director für Deutschland und Polen bei ADM, im Gespräch mit Kindern der Arche Hamburg-Jenfeld im Speisesaal (Fotograf: Ryan Rainer).

Die Arche unterstützt rund 7 000 Kinder an ihren Standorten mit kostenlosen Mahlzeiten, Hausaufgabenhilfe und Freizeitaktivitäten.

Die Spende wurde von ADMs sozialem Investitionsprogramm „ADM Cares“ getätigt. Das Programm setzt sich für die Erhaltung und Stärkung der Gemeinschaften ein, in denen die Beschäftigten von ADM arbeiten und leben, indem es Finanzmittel an Organisationen weiterleitet, die einen sinnvollen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Wandel vorantreiben. ADM Cares konzentriert sich bei seinen Spenden auf drei Hauptsäulen, die mit dem Ziel von ADM übereinstimmen:

- Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft,

- Verbesserung der Ernährungssicherheit durch Unterstützung im Kampf gegen Hunger und

- Investitionen in die Bildung, mit besonderem Schwerpunkt auf der Förderung der landwirtschaftlichen Bildung und der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT).

Anke Kühnel merkte an:

„Wir freuen uns sehr darauf, im kommenden Jahr Die Arche und ihre wichtige Arbeit nicht nur finanziell, sondern auch durch den Austausch mit unseren Ernährungsexperten zu unterstützen.“

Die Arche

Das christliche Kinder- und Jugendwerk Die Arche engagiert sich seit 1995 gegen Kinderarmut in Deutschland. In den Häusern der Arche erhalten Kinder täglich kostenlos ein warmes Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Sie finden dort außerdem sinnvolle Freizeitbeschäftigungen, Förderangebote und vor allem Menschen, die ihnen zuhören und für sie da sind. Denn jedes Kind braucht Bestätigung für sein Selbstvertrauen, genau wie das Gefühl, wichtig zu sein und geliebt zu werden. Die Arche ist deutschlandweit an 35 Standorten aktiv, erreicht über 7.000 Kinder und Jugendliche, ist dabei aber auch auf Unterstützung angewiesen. Die Arbeit wird fast vollständig durch Spenden finanziert.

ADM kündigt Zusammenarbeit mit Kinderstiftung Die Arche an
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USDA-Bericht September 2024 Ernteergebnisse

Weizen
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Ernte
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Ernteergebnisse
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Mais
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USDA-Bericht September 2024 veröffentlicht zum weltweiten Angebot und der Nachfrage Weizen und Mais
2024
9/12/2024
USDA-Bericht September 2024 Ernteergebnisse

WEIZEN: Die US-Weizenprognose für 2024/25 ist im Vergleich zum letzten Monat unverändert. Der prognostizierte durchschnittliche Erzeugerpreis der Saison bleibt bei 5,70 USD pro Scheffel.

Die globale Weizenprognose für 2024/25 geht von größeren Vorräten, einem höheren Verbrauch, Handel und Endbeständen aus. Die Vorräte werden voraussichtlich um 1,5 Millionen Tonnen auf 1.062,1 Millionen steigen, da höhere Anfangsbestände die geringere Produktion mehr als ausgleichen. Die Anfangsbestände werden hauptsächlich in Kanada erhöht, da die Endbestände von Statistics Canada für 2023/24 deutlich höher waren als die vorherige Schätzung des USDA. Kanadas Endbestände wurden auf der Grundlage von Revisionen von Statistics Canada auch für 2021/22 und 2022/23 deutlich erhöht. Die weltweite Weizenproduktion wird um 1,4 Millionen Tonnen auf 796,9 Millionen gesenkt, bleibt aber ein Rekord, da ein Rückgang in der EU nur teilweise durch eine höhere Produktion in Australien und der Ukraine ausgeglichen wird. Die EU-Produktion wird aufgrund ungünstigen Erntewetters in Frankreich und Deutschland um 4,0 Millionen Tonnen auf 124,0 Millionen reduziert. Australiens Produktion wird aufgrund günstiger Bedingungen in Westaustralien, New South Wales und Queensland um 2,0 Millionen Tonnen auf 32,0 Millionen erhöht. Die Ukraine wird auf Grundlage der vom Landwirtschaftsministerium veröffentlichten Erntedaten um 0,7 Millionen Tonnen auf 22,3 Millionen erhöht. Der weltweite Verbrauch wird um 0,9 Millionen Tonnen auf 804,9 Millionen erhöht, hauptsächlich weil mehrere Länder eine höhere Futter- und Reststoffverwendung haben, die eine Reduzierung für die EU mehr als ausgleicht. Der Welthandel wird um 1,7 Millionen Tonnen auf 216,5 Millionen erhöht, da höhere Exporte Australiens, Kanadas und der Ukraine eine Reduzierung für die EU mehr als kompensieren. Die prognostizierten weltweiten Endbestände für 2024/25 werden um 0,6 Millionen Tonnen auf 257,2 Millionen erhöht, da die Erhöhungen für Kanada, Brasilien und Kasachstan die Reduzierungen für Australien, die Türkei und mehrere andere Länder mehr als kompensieren.

GROBGETREIDE: Die US-Maisprognose für 2024/25 geht in diesem Monat von geringeren Vorräten und einem leichten Rückgang der Endbestände aus. Die prognostizierten Anfangsbestände für 2024/25 sind um 55 Millionen Bushel niedriger, basierend auf Exportsteigerungen und Mais, der 2023/24 für Ethanol verwendet wird.

Die Maisproduktion für 2024/25 wird auf 15,2 Milliarden Bushel geschätzt, 39 Millionen mehr als im letzten Monat, bei einer Ertragssteigerung von 0,5 Bushel auf 183,6 Bushel pro Acre. Die Erntefläche für Getreide bleibt mit 82,7 Millionen unverändert. Der gesamte US-Maisverbrauch bleibt mit 15,0 Milliarden Bushel unverändert. Bei sinkendem Angebot und unveränderter Verwendung werden die Endbestände um 16 Millionen Bushel auf 2,1 Milliarden reduziert. Der saisondurchschnittliche Maispreis, den die Erzeuger erhalten, wird um 10 Cent auf 4,10 USD pro Bushel gesenkt. Die globale Produktion von Grobgetreide wird für 2024/25 um 1,8 Millionen Tonnen niedriger prognostiziert, also auf 1,502 Milliarden. Die Prognose für den ausländischen Grobgetreideanbau 2024/25 geht in diesem Monat von einer geringeren Produktion, einem praktisch unveränderten Handel und geringeren Lagerbeständen im Vergleich zum letzten Monat aus. Die ausländische Maisproduktion wird voraussichtlich zurückgehen, wobei die Rückgänge in der EU, Ghana, Russland und Serbien teilweise durch Zuwächse in Tansania und Kanada ausgeglichen werden.Die Maisproduktion der EU wird aufgrund von Kürzungen in Rumänien und Ungarn gesenkt, die teilweise durch eine Erhöhung in Frankreich ausgeglichen werden. Die ausländische Gerstenproduktion ist niedriger, wobei die Rückgänge in Kanada und der EU teilweise durch eine Erhöhung in Australien ausgeglichen werden. WASDE-652-2 Zu den wichtigsten Änderungen im globalen Handel mit Grobgetreide für 2024/25 zählen höhere Maisexporte für Tansania und Kanada sowie Kürzungen für Russland, die EU und Serbien. Die Maisimporte werden für die EU, Mexiko, Indien und Thailand erhöht, für China, Kanada und den Iran jedoch reduziert. Die ausländischen Maisendbestände werden um 1,4 Millionen Tonnen auf 256,1 Millionen gesenkt, was hauptsächlich auf eine Kürzung in China zurückzuführen ist, die teilweise durch eine Erhöhung in Tansania ausgeglichen wird. Die weltweiten Maisendbestände liegen bei 308,4 Millionen Tonnen, ein Rückgang um 1,8 Millionen.

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