200 Deutsche Lebensmittelunternehmen wollen weiter Gentechnik-Lebensmittel kennzeichnen.
2024
1/29/2024
Über 200 Unternehmen fordern Wahlfreiheit bei Gentechnik
Zahlreiche Unternehmen der deutschen Lebensmittelwirtschaft haben sich der Initiative für den Erhalt von Kennzeichnung und Wahlfreiheit bei Gentechnik-Lebensmitteln angeschlossen. In einem gemeinsamen Offenen Brief appellieren sie an Manfred Weber, den Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europaparlament (EP) und stellvertretenden Vorsitzenden der CSU, sich für den Erhalt von Kennzeichnung und Wahlfreiheit bei Gentechnik-Lebensmitteln einzusetzen. Anlass der Initiative sind die bevorstehenden intensiven Verhandlungen und Abstimmungen im EP zu der Frage, ob mit neuer Gentechnik hergestellte Lebensmittel in der EU künftig erkennbar bleiben.
In dem Brief wird betont, dass Wettbewerb von der Differenzierung lebt. Das Marktsegment ohne Gentechnik erzeugter Lebensmittel solle im Interesse eines vielfältigen Angebots und der Kunden auch in Zukunft bestehen bleiben. Biodiversität in Natur und Landwirtschaft sei zudem zentraler Baustein von Nachhaltigkeit und damit der Farm-to-Fork-Strategie des Green Deals. Das setze voraus, dass es auch in Zukunft landwirtschaftliche Bereiche ohne Gentechnik geben werde.
Zu den unterzeichnenden Unternehmen gehören u.a. Alb-Gold Teigwaren, Back Bord Mühlenbäckerei, Bauck, Ceralia Getreideprodukte, Denningers Mühlenbäckerei, Die Nudelwerkstatt Magdeburg, Hammermühle, Huober Brezel, Kaisermühle Gänheim, Minderleinsmühle, Mühle Erks, OBEG Hohenlohe, Ölmühle Hartmann, Ölmühle Moog, Teutoburger Ölmühle und Wesermühle.
Andreas Wenning von der Minderleinsmühle betont: „Wir sehen aktuell viele Initiativen, welche den ganz wesentlichen Beitrag der Bio-Landwirtschaft zur Ernährungssicherheit und zur Bewältigung der Klimakrise in ihren Grundfesten zu erschüttern versuchen. Es muss weiterhin eine Wahlfreiheit für Verbraucher geben. Dazu wurde die Gentechnik-Kennzeichnung geschaffen. Darauf muss auch in Zukunft Verlass sein.“
Wolfgang Ahammer von VFI Oils for Life ergänzt: „Für uns als Hersteller, die sich für Lebensmittel ,Ohne Gentechnik‘ und Bio-Lebensmittel engagieren, ist es wichtig, dass dieser Status durch eine konturierte Zulassungspraxis und durch Einhaltung wichtiger marktwirtschaftlicher Prinzipien wie Transparenz auf jeder Verwendungsstufe, Beweislast des Anwendenden und Produkthaftung gesichert wird.“
Dieser Artikel erklärt das Konzept von Mixed Reality aus der Perspektive des deutschen Rohrsystemherstellers Jacob.
2024
1/28/2024
Digitales Tool spart Kosten und Zeit beim Rohrbau
Doch wer ist eigentlich Jacob? Jacob ist europäischer Marktführer für Rohrsysteme nach dem Baukastenprinzip und weltweit präsent. Laufrohrsysteme für Schüttguthandling sowie Entstaubungs- und Abluftanlagen für die Umwelttechnik (Kühlluft/Abluft) sind die großen Einsatzgebiete für das Jacob Rohrsystem. Seit seiner Gründung im Jahr 1924 befindet sich das Unternehmen in Familienhand. Hinter dem, was Jacob tut, steckt ein System: höchste Qualitätsstandards, ein herausragender Innovationsgeist und eine kompromisslose Materialauswahl. Die Innovationsfreude zeigt sich bei der fortwährenden Bestrebung, neue Technologien zu nutzen, um den Service für die Kunden zu verbessern.
Was ist Mixed Reality?
Im Gegensatz zur Virtual Reality, bei der Sie in eine vollständig virtuelle Umgebung eintauchen oder zur Augmented Reality, bei der digitale Elemente in eine reale Umgebung eingefügt werden, kombiniert Mixed Reality (gemischte Realität) beides. Diese Technologie lässt die Grenzen zwischen der realen Welt und der virtuellen Welt regelrecht verschwimmen.
Mixed-Reality-Systeme verwenden spezielle Brillen oder Headsets, die mit Kameras und Sensoren ausgestattet sind. Diese Geräte erfassen die reale Welt um Sie herum und ermöglichen es Ihnen, digitale Objekte und Informationen nahtlos in diese Welt zu integrieren. Mit anderen Worten, Sie können virtuelle Objekte sehen und mit ihnen interagieren, als wären sie physisch vorhanden. Die Brillen werden mittels Gestensteuerung oder Sprache bedient. Da die Interaktion von Objekten mit den Händen erfolgt, benötigen Sie keinen Controller, denn die Brillen tracken die Hände und ermöglichen es somit, die Objekte greifen und bewegen zu können.
Mixed Reality hat das Potenzial, in verschiedenen Bereichen eine bedeutende Rolle zu spielen. Hier einige Beispiele für unterschiedliche Anwendungsfelder:
Der Rohrverlauf wird in der direkten Umgebung digital geplant.
– Bildung und Training: Studierende könnten in virtuellen Laboren experimentieren und Fachkräfte gefährliche Situationen sicher simulieren. Die Ausbildung an Maschinen und Anlagen kann bereits vor dem Anschluss der Maschinen erfolgen.
– Medizin: Chirurgen könnten holographische Modelle von Organen verwenden, um präzisere Operationen durchzuführen.
– Design und Architektur: Architekten könnten virtuelle Prototypen von Gebäuden erstellen und in der realen Welt testen.
– Unterhaltung: Mixed Reality eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Spiele und Filme, bei denen virtuelle Welten nahtlos mit der realen Welt verschmelzen können.
– Arbeitswelt im Allgemeinen: In der Industrie könnte Mixed Reality helfen, Effizienz und Sicherheit zu verbessern, indem die Technologie sowohl bei der Wartung von Maschinen als auch bei Trainings für Mitarbeitende eingesetzt wird.
Die Brillen funktionieren mit einer Gestensteuerung.
Obwohl Mixed Reality bereits faszinierende Anwendungen bietet, steht die Technologie noch am Anfang ihrer Entwicklung. Ihre Zukunft hängt sowohl von Fortschritten in der Hardware und der Software ab als auch von der Akzeptanz in der Gesellschaft. Datenschutz- und Sicherheitsfragen müssen in allen Anwendungsfeldern ebenfalls berücksichtigt werden. In den kommenden Jahren könnten wir jedoch erleben, wie Mixed Reality unsere Art zu lernen, zu arbeiten, zu spielen und miteinander zu interagieren, grundlegend verändert. Es könnte die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen, revolutionieren und neue Möglichkeiten schaffen, die heute noch undenkbar erscheinen. Mixed Reality ist nicht mehr nur Science-Fiction – sie ist eine aufregende Realität, die unsere Zukunft gestalten wird.
Wie nutzt Jacob Mixed Reality?
Jacob hatte die ersten Berührungspunkte mit der Microsoft HoloLens während der Corona-Pandemie. Die Technologie wurde genutzt, um damit erfolgreich Remote-Wartungen an den eigenen Anlagen durchzuführen. Erfolgreich waren dabei nicht nur die gelungenen Wartungen, sondern auch der positive finanzielle Aufwand. Die Einsparung bei Reise- und Verpflegungskosten entsprach am Ende den Kosten einer Brille.
Stück für Stück wird die Leitung zusammengesetzt.
Als Entwicklungsumgebung und Hardware nutzt Jacob die Microsoft HoloLens 2. Diese Mixed-Reality-Brille wurde von Microsoft entwickelt und bietet eine beeindruckende immersive Erfahrung, bei der digitale Objekte nahtlos in die reale Welt integriert werden. Nutzer können holographische Elemente in ihrer Umgebung sehen und mit ihnen interagieren. Die Brille ist ein Stand-Alone-System und benötigt keinen Computer oder andere externe Geräte.
Schnell wurde bei Jacob realisiert, dass die Technologie großes Potenzial auch für weitere Anforderungen und Zwecke birgt und somit nachhaltig Prozesse verändern kann.
Seit nunmehr anderthalb Jahren arbeitet Jacob an der eigenen App, einem digitalen Rohrplanungstool, dem Jacob-Pipeplaner. Bislang planen die Kunden das benötigte Rohrsystem mithilfe von CAD-Programmen und Vermessungen von Räumen und Geländen vor der Planung mittels eines 3D-Laser-Mappings. Dabei liegt die Schwierigkeit darin, die bisherigen Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen. Doch mit dem Pipeplaner wird es ermöglicht, den Rohrverlaufs in der direkten Umgebung digital zu planen und die realen Hindernisse, wie Balken, Träger oder andere Leitungen, zu berücksichtigen. Damit findet die Kollisionskontrolle einhergehend mit dem Planungsprozess statt.
Planung am Einsatzort ohne PC oder Internetzugang.
Verkürzter Planungsprozess
Mithilfe des Pipeplaners ist es möglich, den Planungsprozess für Rohrleitungen und somit auch des ganzen Projektes drastisch zu verkürzen und Kosten einzusparen. Die Planung findet direkt am Ort des Einsatzes statt – ganz ohne weiteren PC, Internetzugang oder CAD-Programm.
Die Planung mit dem Pipeplaner erfolgt in drei Schritten. Zu Beginn jeder Planung muss der Startpunkt festgelegt werden. Dafür platziert der Planer im Raum einen Punkt, mit diesem Punkt wird auch direkt der Startdurchmesser der Rohrleitung bestimmt. Die Startpunkte lassen sich am einfachsten auf flachen Oberflächen platzieren, so wie Decken, Wänden oder Böden. Und schon kann es losgehen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase macht das Planen mit der App tatsächlich Spaß.
Dem Planer steht ein Kiosk zur Verfügung, in dem er aus dem Jacob-Standardartikel-Portfolio wählen kann, welches Produkt er verplanen möchte. Ist das Rohrteil ausgewählt, wird dieses an den Startpunkt platziert. Befindet sich dieses Rohrteil bereits in der Nähe der geplanten Rohrleitung, dockt es automatisch an die Leitung an. Das System funktioniert ähnlich wie Klemmbausteine. So baut man sich die Leitung Stück für Stück, Rohr für Rohr zusammen.
Ist die Planung abgeschlossen, kann der Anwender direkt aus der App heraus eine Stückliste exportieren. Diese beinhaltet auch alle benötigten Spannringe und Dichtungen, welche das System während der Planung automatisch zählt. Im Nachgang können Bestellungen und Angebote ganz einfach direkt bei Jacob platziert werden.
Neben der Stückliste/Bestellung wird auch eine Construction-List ausgegeben. Hier sind alle verplanten Rohre nummerisch hinterlegt - beginnend mit dem ersten Rohr der Planung und endend mit dem letzten Rohrteil. Diese Nummerierung findet sich auch in den Bildern wieder, die von der vorabgeplanten Rohrleitung automatisch aus acht Perspektiven im Raum aufgenommen wurden. Mit der Construction-List und den Bildern wird eine Aufbauplanung bereitgestellt, die den Monteuren mitgegeben werden kann. So lässt sich die Montagezeit ebenfalls reduzieren.
Verschmelzen von realer und virtueller Welt.
Der Jacob-Pipeplaner befindet sich aktuell noch in der Testphase, hat aber schon heute großen Anklang auf Events und Messen gefunden. Die Vorteile und Kostenersparnis in der künftigen Rohrplanung sind so überzeugend, dass schon erste Projekte mit Kunden umgesetzt werden konnten. Die HoloLens zeigt auch, wie wichtig es gerade auch für industrielle Unternehmen ist, sich mit den polarisierenden Themen der Zukunft zu befassen.
Beim Umgang mit Schüttgütern sind immer elektrostatische Aufladungen und die Gefahr von Staubexplosionen zugegen.
2024
1/28/2024
Überwachung der Erdung schützt vor Explosionen
Silofahrzeuge, Big-Bags oder Containerlassen sich nicht dauerhaft „an die Leine legen“. Hier sind temporäre Erdungsverbindungen gefragt. Im einfachsten Fall Erdungskabel mit Erdungszangen. Doch entspricht dies auch dem Stand der Technik? Wie kann man wirklich auf der sicheren Seite sein?
Die Ausgangslage
Organische Schüttgüter sind brennbare Stoffe. Zusätzlich zur
Brandlast
besteht Explosionsgefahr dann, wenn Schüttgüter als Stäube vorliegen. Von brennbaren Stäuben sprechen wir bei Feststoffpartikeln mit Korngrößen von weniger als 0,5 mm. Aufgewirbelt in Luft können diese eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bilden. Trifft diese explosionsfähige Atmosphäre mit einer Zündquelle, wie z.B. einer heißen Oberfläche oder einer elektrostatischen Entladung, zusammen, kann es zu einer Explosion kommen.
Wenn nicht anderweitig nachgewiesen, sind praktisch alle organischenPulver, Puder oder Mehle als brennbare Stäube anzusehen – genauso wie der Abrieb grobkörniger Schüttgüter, von Granulaten oder Pellets. In der Nahrungsmittel-, Futtermittel- oder Getreidewirtschaft gehen Brand- und Explosionsgefahren folglich immer unmittelbar von den Einsatzprodukten und Erzeugnissen aus. Brand- und Explosionsgefahren sind in jedem Betrieb anzutreffen.
Elektrostatische Aufladungen entstehen meist durch Kontaktaufladung. Wenn zwei zuvor ungeladene Gegenstände in Berührung kommen, erfolgt an ihrer gemeinsamen Grenzfläche ein Ladungsübergang. Bei der nachfolgenden Trennung trägt jede Oberfläche einen Teil dieser Ladung. Die tatsächliche Höhe der Aufladung ist nur sehr schwer vorherzusehen.
Kontaktaufladungen können an allen Grenzflächen zwischen festen und/oder flüssigen Phasenerfolgen. Bei Schüttgut ist dies ist z. B. beim Mischen,Mahlen, Sieben, Schütten, Zerkleinern oder beim pneumatischen Transport der Fall. Ladungen, die nicht rekombinieren, zur Erde abfließen oder auf andere Art und Weise abgeleitet werden, verbleiben auf der Oberfläche des aufgeladenen Materials. Verursacht ein Schüttgut eine Staubwolke, ist von relativ langen Zeiten auszugehen, bis eine Rekombination stattgefunden hat (>>0,2 s) – die Umgebungsluft isoliert die Staubpartikel und verhindert den Ladungsabfluss.
Wenn die durch die Aufladung erzeugte elektrische Feldstärke eine bestimmte Größe erreicht (Durchbruchfeldstärke der Atmosphäre, Durchschlagspannung eines Materials etc.) kommt es zur Energiefreisetzung in Form einer Entladung. Für Schüttgüter zündwirksam sind in der Regel nur Funken-, Gleitstielbüschel- sowie Schüttkegelentladungen. Schutzmaßnahmen sind z. B. gegen Funkenentladungen die elektrostatische Erdung, gegen Gleitstielbüschelentladungen die Begrenzung der Durchschlagspannung des Materials oder gegen Schüttkegelentladungen Festlegungen zum Silodurchmesser und zur Füllgeschwindigkeit. Geerdet im elektrostatischen Sinne sind leitfähige Gegenstände, Flüssigkeiten und Schüttgüter mit einem Ableitwiderstand ≤106 Ohm [TRGS727].
Der gesetzliche Rahmen
Ausgangspunkt für den betrieblichen Explosionsschutz ist die Gefährdungsbeurteilung. Sie beinhaltet eine systematische Bewertung aller potenziellen Gefahren am Arbeitsplatz und ist gesetzlich durch das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG, § 5) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV, § 6) gefordert. Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung ist wiederum das sogenannte Explosionsschutzdokument, welches das Ergebnis der Beurteilung der Gefährdungen durch explosionsfähige Gemische, die Darlegung des Explosionsschutzkonzeptes, die Einteilung in explosionsgefährdete Bereiche(Zonen), die festgelegten Explosionsschutzmaßnahmen, deren Umsetzung sowie Überprüfung beinhaltet. Bei den Explosionsschutzmaßnahmen ist die Reihenfolge der anzuwendendenMaßnahmen dahingehend zu beachten, dass die Vermeidung der Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen AtmosphäreVorrang hat. Wenn das nicht möglich ist, ist das Wirksamwerden von Zündquellen zu vermeiden. Hierunter fallen auch die Maßnahmen zum Schutz vor gefährlichen elektrostatischen Aufladungen, z. B. durch elektrostatische Erdung. Erst wenn die vorgenannten Maßnahmen nicht möglich sind, kommt der sogenannte tertiäre Explosionsschutz in Betracht (Explosionsunterdrückung, Explosionsdruckentlastung, explosionsfeste Bauweise). Die Gefährdungsbeurteilung ist regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf zu aktualisieren.
Technische Regel TRGS 727
Der anzuwendende Stand der Technik wird durch technische Regeln dargelegt. Zur Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen ist in Deutschland die technische Regel TRGS 727 heranzuziehen. Bezüglich Elektrostatik beim Umgang mit Schüttgütern heißt es hier:
Für die Beurteilung der Zündempfindlichkeit eines Schüttgutes ist die Mindestzündenergie (MZE) der feinsten auftretenden Partikelfraktion zu Grunde zu legen. Erfahrungsgemäß muss beim Umgang mit Schüttgut mit elektrostatischen Aufladungen gerechnet werden. Schüttgüter und Schüttgutbehälter sind so zu handhaben bzw. zu betreiben, dass gefährliche Aufladungen vermieden werden. Gefährliche Aufladungen können sich sowohl auf dem Schüttgut als auch auf dem Schüttgutbehälter ansammeln.
Beim Entleeren von Behältern mittels Schwerkraft sind in der Regel im zu entleerenden Behälter keine gefährlichen Aufladungen des Schüttgutes zu erwarten. Zu beachten ist, dass jeder Entleervorgang für das Schüttgutaufnehmende System einen Befüllvorgang darstellt. Leitfähige und ableitfähige Behälter müssen beim Befüllen und Entleeren geerdet bzw. mit Erde verbunden sein.
Bei Anwesenheit brennbarer Gase oder Dämpfe muss je nach ihrer Konzentration mit der Entzündung einer explosionsfähigen Gas- oder Dampfatmosphäre oder mit der Entzündung eines sogenannten hybriden Gemisches (Gemisch aus brennbaren Gasen/Dämpfen und Stäuben mit Luft) gerechnet werden. Die Mindestzündenergie liegt meist niedriger als die des reinen Staubes.[TRGS 727]
Die gelebte Praxis
Das Bewusstsein für Explosionsgefahren durch elektrostatische Aufladungen ist in den Betrieben und bei den Verantwortlichen erfahrungsgemäß subjektiv. Insbesondere zwei Faktoren scheinen dieses zu bestimmen: Erstens, die Größe (Länge, Breite, Volumen) des sich möglicherweise aufladenden Behälters. Zweitens, die Stoffart, und hierbei besonders, ob es sich um eine brennbare Flüssigkeit oder einen brennbaren Feststoff handelt. Praktische Konsequenz dieser subjektiven Einschätzung ist, dass an Verladestellen für Tankfahrzeuge häufiger Erdungseinrichtungen anzutreffen sind, als an denen für Silofahrzeuge. Gleiches gilt für Füllstellen für Lkw im Gegensatz zu Füllstellen für Kleingebinde.
Zündgefahren durch elektrostatische Entladungen haben immer etwas mit der gespeicherten Energie des aufgeladenen Behälters zu tun. Die nachfolgende Tabelle zeigt die freigesetzte Energie verschiedener aufgeladener Körper bei einer Funkenentladung.
Freigesetzte Energiebei einer Funkenentladung nach TRGS727
Ein Kleinbehälter speichert nur rund ein Fünfzigstel der Energie im Vergleich zu einem Silofahrzeug. Es ließe sich schlussfolgern, dass bei einem Kleinbehälter „eine weniger gründliche“ Erdung ausreichend ist. Das ist natürlich falsch, denn selbst die etwas geringeren Energien des Kleinbehälters können ausreichen, um eine Staubwolke zu entzünden. Mindestzündenergien sind Stoffgrößen, bei Stäuben bis hinab zu1 mJ und geringer:
Neben der Behältergröße wirkt anscheinend auch auf das Gefahrenbewusstsein, ob es sich um eine brennbare Flüssigkeit oder einen brennbaren Feststoff handelt. Bei brennbaren Flüssigkeiten (z.B. Lösemittel, Kraftstoffe) herrscht häufig eine viel höhere Sensibilität vor als bei Feststoffen. Z. B. ist es undenkbar einen Tankwagen zu beladen oder zu entladen, ohne zu erden. Bei Silofahrzeugen, z. B. für den Getreidetransport, sieht es teilweise anders aus. Gleiches ist z. B. bei IBC für brennbare Flüssigkeiten im Vergleich zu Schüttgutcontainern zu beobachten. Und noch etwas fällt auf. Bei brennbaren Flüssigkeiten wird oft mit einem Erdungstestgerät überwacht geerdet, bei Schüttgütern tut es meistens die „einfache“ Lösung aus Erdungszange und Kupferkabel.
Im Sinne der Sicherheit dürfte es diese Unterschiede nicht geben. Staub-Explosionen sind genauso verheerend wie Explosionen brennbarer Dämpfe von Flüssigkeiten. In beiden Fällen können Kleinstmengen brennbaren Materials in Mischung mit Luft zu Explosionen und Folgeexplosionen in angrenzenden Bereichen führen. Beispielhaft sei auf die historischen Schadensereignisse im Kieler Nordhafen, in der Bremer Rolandmühle oder der Imperial-Sugar-Zuckerraffinerie hingewiesen.
Wie mache ich es richtig?
Ausgangspunkt muss eine gründliche Gefährdungsbeurteilung aller Füllstellen für mobile Behälter sein. Hierzu zählen neben den stationären Stellen auch das Umfüllen oder das Handling von Kleingebinden an wechselnden Standorten. Es muss der Grundsatz gelten: Kein Abfüllen oder Umfüllen von brennbaren, staubenden Feststoffen oder brennbaren Flüssigkeiten ohne Maßnahmen zum Schutz vor gefährlichen elektrostatischen Aufladungen. Die notwendigen Maßnahmen zum Explosionsschutz müssen dann ins Explosionsschutzdokument geschrieben und umgesetzt werden. Bei den Maßnahmen zur Erdung kann es zu unterschiedlichen technischen Ausprägungen kommen: von einfachen Erdungskabeln bis hin zu überwachenden elektronischen Erdungsgeräten.
Grundsätzlich gilt: Einfache Erdungszangen mit Kupfer- oder Stahlseilkabel sind besser als gar keine Erdungseinrichtungen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Stand der Technik überwachte Erdung mit Erdungstestgeräten kennt.
Überwachte Erdung
Bei der überwachten Erdung werden sogenannte Erdungstestgeräte eingesetzt, die den Status der Erdungsverbindung messen und dies dem Bediener anzeigen. Diese Geräte haben üblicherweise eine optische Anzeige für den lokalen Bediener. Leuchtet diese rot, bedeutet dies, dass keine zuverlässige Erdung erkannt wurde. Eine grün leuchtende Anzeige zeigt dem Bediener, dass eine Erdungsverbindung vorliegt bzw. durch das Gerät hergestellt wurde. Die bei der Verladung auftretenden elektrostatischen Aufladungen werden dann zuverlässig abgeleitet.
Erdungstestgerät mit Erdungskabel und Zange zur Kontaktierung eines Lkw.
Der Vorteil von Erdungstestgeräten ist, dass sie die Eignung der Erdungsverbindung messen und dem Bedienerzweifelsfrei anzeigen, ob ein Behälter geerdet ist oder nicht. Bei den einfachen Erdungskabeln, d. h. ohne messtechnische Überwachung, weiß der Bediener nicht, ob tatsächlich eine leitfähige Verbindung vorliegt. So kann es zum Beispiel sein, dass eine verschmutzte lackierte oder anderweitig nicht leitfähige Stelle am Behälter kontaktiert wurde. Zudem kann ein unerkannter Bruch im Erdungskabel vorliegen oder durch Korrosion die Verbindung zur Erdungsschiene beeinträchtigt sein. Ein zweiter wesentlicher Vorteil von Erdungstestgeräten ist, dass es diese auch mit einer sogenannten Objekterkennungsfunktion gibt. Diese schalten nur dann auf Freigabe („grüne Anzeige“), wenn die zugehörige Erdungszange an ein plausibles Objekt angeschlossen wurde. Diese Technik ist für Lkw (Tankwagen, Silofahrzeuge) sowie für FIBC Typ C erhältlich. Begeht der Bediener – absichtlich oder aus Unwissenheit – eine Fehlbedienungund kontaktiert die Erdungszange an das Füllgerüst, verweigert das Erdungsgerät mit Objekterkennung die Freigabe. Ein Erdungstestgerät ohne Objekterkennungsfunktion würde fälschlicherweise das Füllgerüst mit dem Lkw verwechseln, und dort ebenfalls Freigabe erteilen.
Erdungstestgeräte bieten üblicherweise Steuerausgänge (potentialfreieKontakte), um sie in die Verladesteuerung einzubinden (Pumpen,Verdichter, Druckluft, Schieber). Die Verladung kann dann nur stattfinden, wenn das Erdungstestgerät auf Freigabe schaltet. Die Verladung wird sofort unterbrochen, wenn die Erdungsverbindung nicht mehr zuverlässig erkannt wird, z. B. wenn die Erdungszange vom zu erdenden Objekt abgefallen ist. Der ursächlich Elektrostatik erzeugende Prozess ist gestoppt. Bei Erdungsmaßnahmen ohne Einbindung in die Verladesteuerung besteht die Gefahr, dass der Verladeprozess bei entfernter Erdungszange nicht unterbrochen wird. Die elektrostatischen Aufladungen sammeln sich auf dem nicht geerdeten Behälter weiter an und entladen sich schlagartig, wenn ein leitfähiger, geerdeter Gegenstand in die Nähe kommt. Dies kann eine Person sein, aber auch eine Erdungszange, die nachträglich an ein bereits aufgeladenes Objekt angebracht wird.
Erdung eines FIBC Typ C mit Objekterkennung
Fazit
Nur weil man elektrostatische Aufladungen nicht sieht, heißt es nicht, dass sie nicht da sind. Und nur weil bisher im eigenen Betrieb ein zündfähiger Funke noch nicht auf eine Staubwolke getroffen ist, heißt das nicht, dass es auch in Zukunft so bleibt. Arbeitsschutz, Brand- und Explosionsschutz sind unerlässlich und sollten nicht dem Zufall oder glücklichen Umständen überlassen werden. Die gründliche Betrachtung aller Füllstellen hinsichtlich Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen und der Einsatz geeigneter Erdungstechnik ist ein wesentlicher Beitrag zur Sicherheit in Betrieben, die mit staubenden Schüttgütern umgehen. Vielfältige Hilfestellungen lassen sich in den Technischen Regeln (insbesondere TRGS 727) finden. Die bewusste und fachkundige Umsetzung liegt bei den verantwortlich Handelnden vor Ort.
Das BVL hat 2022 nur wenige mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastete Lebensmittel in Deutschland gefunden.
2024
1/25/2024
Lebensmittel nur geringfügig mit Pflanzenschutzmitteln belastet
Dem Bericht liegen mehr als 8,3 Millionen Analyseergebnisse aus 21.601 Lebensmittelproben der amtlichen Lebensmittelüberwachung des Jahres 2022 zugrunde. Bei den überwiegend risikoorientiert durchgeführten Kontrollen wurde auf 1.067 Stoffe untersucht. Die Belastung mit Pflanzenschutzmittelrückständen variiert wie in den Vorjahren abhängig von der Herkunft der Erzeugnisse.
Bei Lebensmitteln aus Deutschland stieg die Anzahl an Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte im Jahr 2022 im Vergleich zum Jahr 2021 von 1,1 % auf 1,3 % leicht an. Bei Produkten aus anderen EU-Staaten sank die Überschreitungsquote auf 1,5 % (2021: 1,8 %). Lebensmittel aus Nicht-EU-Staaten sind deutlich höher belastet: Hier lag die Überschreitungsquote bei 9,8 % (2021: 10,9%).
Häufig verzehrte Lebensmittel wie Karotten, Kartoffeln und Äpfel sowie beliebte saisonale Erzeugnisse wie Erdbeeren und Spargel weisen seit Jahren kaum oder keine Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen auf. Die meisten Überschreitungen (bei Lebensmitteln mit mindestens 100 untersuchten Proben) gab es bei Chiasamen (53,3 %), getrockneten Kräutertees (18,8 %), Granatäpfeln (18,7%), schwarzem und grünem Tee (15,5 %) sowie Bohnen mit Hülsen (13,0 %). Bei verarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln sowie Obst und Gemüse sank die Überschreitungsquote.
Anstieg bei Getreide durch Chiasamen
Dagegen stieg sie bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs sowie Säuglings- und Kleinkindernahrung moderat, bei Getreide deutlich an. Der starke Anstieg bei Getreide um das fast Sechsfache des Vorjahres ist auf die hohe Überschreitungsrate der Rückstandshöchstgehalte für Kupfer (51,4 % der Proben) bei Chiasamen zurückzuführen. In einem Projektmonitoring wurden viele Proben Chiasamen auf Kupfer untersucht. Kupfer wird zwar auch in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Chiapflanzen nehmen aber auch anderweitig im Boden enthaltenes Kupfer verstärkt auf und speichern es im Samen. Das Problem wird bereits auf europäischer Ebene diskutiert.
Wirkstoffe und Mehrfachrückstände
Bei 195 Wirkstoffen (18,3 %) wurden Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte festgestellt. Die Überschreitungsquoten lagen pro einzelnen Wirkstoff bei maximal 2,0 %. Nur bei Kupfer lag sie mit 5,0 % höher. Bei rund einem Drittel aller untersuchten Proben wurde mehr als ein Wirkstoff nachgewiesen. Bei Lebensmitteln, von denen mehr als 100 Proben untersucht wurden, wiesen mehr als drei Viertel der Proben Mehrfachrückstände auf. Dies betraf vor allem Kirschen, Mandarinen, Tafeltrauben, Orangen, Grapefruit und Pfirsiche/Nektarinen, Erdbeeren, Rosenkohle, Birnen, Himbeeren und Aprikosen.
Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln sind nur dann zulässig, wenn sie die geltenden Rückstandshöchstgehalte nicht überschreiten und demnach gesundheitlich unbedenklich sind. Eine Überschreitung des festgesetzten Rückstandshöchstgehalts ist aber im Umkehrschluss nicht gleichbedeutend mit einem gesundheitlichen Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Festsetzung eines Höchstgehaltes erfolgt ausgehend von der Menge an Rückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung des Pflanzenschutzmittels zu erwarten ist. Ein Risiko für die Gesundheit darf dabei nicht gegeben sein. Daher können die Rückstandshöchstgehalte deutlich unterhalb der gesundheitlichen Bedenklichkeit liegen.
Weitere Informationen mit Tabellen und allen Ergebnissen auf der Homepage des BVL.
MC Mühlenchemie, der Marktführer bei Mehlzusätzen, ist weltweit im Einsatz u. a. gegen versteckten Hunger.
2024
1/23/2024
Mehl Verstehen und Mehl Verbessern
Das Unternehmen, welchem heute Torsten Wywiol als CEO der Stern-Wywiol-Gruppe vorsteht, wurde bereits 1923 in Frankfurt gegründet. Volkmar Wywiol, Gründer der Stern-Wywiol-Gruppe, übernahm das Traditionsunternehmen 1990. Er wollte ein zweites Geschäftsfeld für Enzyme aufbauen und brauchte dafür ein Unternehmen, welches die Zutaten mischen konnte. Das Traditionsunternehmen hatte zu dem Zeitpunkt sieben Mitarbeiter und der Verkaufsleiter wollte kündigen. Als dann noch die Finanzierung auf der Kippe stand und die Bank ausstieg, sah der Kauf der Mühlenchemie nach einem kolossalen Reinfall aus. Aber dank pfiffiger Ideen und treuer Wegbegleiter von Volkmar Wywiol wurde alles gut. „Die Mühlenchemie ist heute der Leuchtturm der Stern-Wywiol-Gruppe“, fasste Volkmar Wywiol die Unternehmensgeschichte zusammen.
Als Bindeglied der weltweiten Mühlenindustrie stehen 355 Mitarbeiter im direkten Austausch mit rund 2000 Mühlen in mehr als 150 Ländern. Experten in zwölf Stern-Technology Centern betreuen Partner unter anderem in Mexiko, Indien, China, Kenia, Nigeria, Chile und der Türkei. „Jährlich behandeln wir mehr als 150 Millionen Tonnen Weizen. Unser Herz schlägt in Ahrensburg im Stern-Technology Center „Futuremaker“, so Peter Steiner, Global Head of Business Unit der Mühlenchemie. “Understanding flour bedeutet für mich, mit Kunden einen natürlichen Rohstoff zu optimieren, der sich zu einer grenzenlosen Vielfalt an nahrhaften und preisgünstigen Lebensmitteln verarbeiten lässt.“
Für Peter Steiner ist die Devise „Evolution statt Revolution“. Entsprechend wurde das Logo der Mühlenchemie letztes Jahr modernisiert (Foto: Mühlenchemie).
Bei der Mehlverbesserung geht es vor allem um eines: Eine gleichbleibende Mehlqualität im Rahmen der Mehlstandardisierung sicherzustellen. Das erreichen die Experten der Mühlenchemie dank ausgeklügelter Enzymsysteme. Sie gleichen Qualitätsschwankungen in den Rohstoffen aus und sichern gleichbleibende Backeigenschaften. Die enzymatische Mehlbehandlung ist außerdem die wirtschaftliche Antwort auf Getreidepreisschwankungen und unsichere Verfügbarkeit. Enzyme machen aus Weizenpartien mit minderwertigen Backeigenschaften backfähige Mehle.
In den Laboren in Ahrensburg trifft Know-how auf zahlreiche Analysegeräte und -verfahren, u. a. chromatografische Analysen zur Bestimmung einer enzymatischen Reaktion. Mit dem fotometrischen Enzymanalysator werden viele verschiedene Probetypen auf Enzymaktivität und weitere Parameter analysiert, beispielsweise auf optimale Temperatur- und pH-Wert-Bedingungen. Vom Rohstoff über den Mahlprozess bis zur Anwendung bietet Mühlenchemie Lösungen an. Ob für die enzymatische Behandlung, um konstant hohe Backeigenschaften zu sichern oder in der Fortifizierung gegen Mangelernährung – eigentlich für alles was es braucht, um bestes Brot, feinste Backwaren und leckere Pasta mit gleichbleibender Qualität herzustellen.
Entwicklungsarbeit unterstützen
Die Expertise der Mühlenchemie ist die Weizen- und Mehlanalyse, Mehlstandardisierung und Fortifizierung. In der Forschung, der Entwicklung und der Anwendung können die Techniker und Enzymexperten, Brot-, Sandwich-, Tortilla- und Flatbread-Bäcker sowie Pastakenner der Mühlenchemie eingesetzt werden. In den Anwendungslaboren der zwölf Stern-Technology Centern sind alle industriellen Prozessstufen abgebildet – vom Mahlen des Getreides bis zum Backen, von der Mehlanalyse bis zur Mehlverbesserung, vom Mehl bis zur Pasta. Praxisnah entstehen in Pilotmühlen, Analytiklaboren und Versuchsanlagen Brote und Feinbackwaren, Waffeln, Kekse, Tortilla und Pasta.
Die Futuremaker sind die Techniker und Enzymexperten. Sie bilden alle industriellen Prozessstufen nach – vom Mahlen des Getreides bis zum Backen, von der Mehlanalyse bis zur Mehlverbesserung, vom Mehl bis zur Pasta. (Fotos: Sabine Kemper).
Produktionsstandorte hat die Mühlenchemie nicht nur in Deutschland, sondern auch in China, Indien, Mexiko, der Türkei, Russland, Malaysia und den USA. Im Gegensatz zu Europa, dessen Mitgliedstaaten weitgehend standardisiere Verfahren und Rohstoffqualitäten haben, können Hersteller auf anderen Kontinenten beim Ankauf von Getreide nicht wählerisch sein und müssen nehmen, was kommt.
Vladimir Wengorz, Leiter Technischer Kundendienst, arbeitet gerne mit vielen unterschiedlichen Menschen und Kulturen zusammen. Für einheitliche und gleichbleibende Ergebnisse überall auf der Welt kalibrieren Experten seine Geräte regelmäßig.
Die grundlegende Mehlbehandlung erfolgt mit Enzymsystemen und -verbindungen der Marken Alphamalt, Powerzym und Omnizym. Hinzu kommen Ascorbinsäure und andere Reifungsmittel für Mehl der Marken: ELCO, Calco, Decolox zudem Zutaten wie beispielsweise Gluten, Emulgatoren und Malzmehl der Marken: MCgluten, Mulgaprime und MCmalt. Eine spezifische Mehlverbesserung optimiert die Glutenqualität (MCgluten Enhancer), erhöht die Wasseraufnahme (MCbest WA), kompensiert Keimlings- oder Insektenschäden (Rowelit, MCbest BugStop) oder verlängert die Krumenweichheit (Alphamalt Fresh).
Bei der rheologischen Tiefenanalyse ermitteln die Experten durch Mehlanalytik die rheologischen Eigenschaften von Mehlmustern. Anhand standardisierter Analyseverfahren charakterisieren sie die Eignung von Mehlen.
Weitere Aufgabengebiete sind das Formulieren von Rezepten und die Entwicklung des dafür erforderlichen gebrauchsfertigem Mehls, der Konzentrate und der funktionellen Zutaten wie Emulgatoren. Lebensmittelproduzenten können auch Vitamin- und Mineralstoffvormischungen (ELCOvit) einsetzten, um ihre Mehle anzureichern. Für Teigwaren- und Nudelhersteller finden sich Lösungen für bessere optische und sensorische Eigenschaften wie einen festerer Biss oder weniger Kochverlust. Gedämpfte Teige erhalten ein größeres Volumen, hellere Krume oder glänzende Haut mit Tigerzym und Produzenten von Tortillas und Fladenbrot erzielen ein leichteres Ausrollen ohne Bruch oder eine verlängerte Weichheit mit den Marken MCbestTortilla und Flexizym.
Wer Mehl besser machen will, muss backen. Ohne praxisnahe Anwendungstechnik gibt es keine erfolgreiche Mehlbehandlung. In den modern ausgestatteten Backlaboren entwickeln die Backspezialisten gemeinsam mit Kunden Lösungen zur Mehloptimierung und testen, ob die erwünschte Wirkung eintritt.
Kampf gegen den versteckten Hunger
Seit einigen Jahren arbeitet das Unternehmen mit, um den sogenannten „versteckten Hunger“ zu bekämpfen. Zum Beispiel im Rahmen des Projektes “Smarter Futures” mit der Food Fortification Initiative (FFI), der Global Alliance for Improved Nutrition (GAIN) und dem World Food Programme (WFP). „Viele Staaten haben heute Mineralstoffvorgaben bei Mehl und Lebensmitteln. Oft sind diese mit der WHO abgestimmt“, erzählt Peter Steiner. Nach Angaben der FFI schreiben heute 91 Länder die Anreicherung von Weizenmehl vor, 2002 waren es gerade einmal 38. Immer mehr Regierungen setzen auf die Anreicherung ihrer Grundnahrungsmittel. Die Ahrensburger möchten die Implementierung länderspezifischer Lösungen zur Mehlanreicherung unterstützen, die bereits in den Mühlenbetrieben dem Mehl zugesetzt werden können und beim Bäcker ihre Wirkung entfalten.
Acht Länder, drei Lebensmittel und eine Milliarde Menschen lautet das Motto des Netzwerkes „Millers für Nutrition“ mit Sitz in Arlington, USA. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2026 eine Milliarde Menschen mit angereichertem Mehl, Reis und Speiseöl zu erreichen. Derzeit seien weltweit drei Milliarden Menschen von Mikronährstoffmangel betroffen, so die Schätzung. Dieser Mangel verursache schwere und dauerhafte Gesundheitsprobleme auch in entwickelten Ländern. Die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen sei oft nicht gewährleistet, obwohl die Menschen satt sind - deshalb die Bezeichnung „versteckter Hunger“. Müller und örtliche Lebensmittelproduzenten sollen ihre Mehle und andere Grundnahrungsmittel anreichern und mit zur Bekämpfung der Mangelernährung beitragen.
Die ersten acht Schwerpunktländer der Initiative sind Nigeria, Kenia, Tansania, Äthiopien, Indien, Pakistan, Bangladesch und Indonesien. Gründungspartner sind neben der Mühlenchemie, BASF, Piramal, dsm-firmenich und Sanku. Zusammengehalten wird die Initiative von der Bill & Melinda Gates Foundation und deren Partner Technoserve, welcher die Organisation finanziell und administrativ betreut. Im Oktober 2023 startete die Initiative. Die Mitglieder des Netzwerkes sollen Unterstützung bei der Qualitätssicherung und den Zugang zu modernsten Prüfgeräten und -einrichtungen erhalten. Hinzu kommen Schulungen, Zugang zu Forschungsergebnissen, Publikationen und Produkttests. Mehr dazu unter millersfornutrition.
World Flour Day 2024
Auf Initiative des MehlWelten Museums in Wittenburg wird das „weiße Gold des Lebens“ jedes Jahr am 20. März gefeiert – von New York bis Sydney. Das Datum in der Mitte der Sonnenwende wurde bewusst gewählt: Während in der nördlichen Hemisphäre der Frühling und die Pflanzsaison beginnt, ist auf der südlichen Erdhalbkugel Erntezeit. Die Tage um den 20. März herum sind eine besondere Zeit der Hoffnung und Dankbarkeit. Der 20. März 2024 erinnert daran, dass Mehl alle satt macht – egal auf welchem Kontinent. Mehl ist und bleibt das wichtigste Grundnahrungsmittel. Mehlspenden sind ein großes Thema für die Stern-Wywiol-Gruppe, die den World Flour Day nutzen möchte, um Gutes zu bewirken.
Experte Michael Watkins präsentiert sechs Kernkompetenzen für strategisches Denken mit Künstlicher Intelligenz.
2024
1/17/2024
Strategischer Denken dank künstlicher Intelligenz
Strategisches Denken ist die Fähigkeit, künftige Entwicklungen vorherzusehen, für die Zukunft zu planen, komplexe Fragestellungen zu durchdenken und in ungewissen, sich ständig verändernden Situationen effektive Entscheidungen zu treffen. Für Unternehmen in Zeiten des Umbruchs ist es überlebensnotwendig, sagt Michael Watkins. Sein Buch bietet einen umfassenden und praktischen Weg zu den sechs Kernkompetenzen des strategischen Denkens und eine Fülle von Erkenntnissen und Werkzeugen für Führungskräfte aller Ebenen.
Michael Watkins. ist Experte für Wandlungsprozesse in Unternehmen. Er ist Professor für Leadership and Organizational Change am IMD und Mitbegründer von Genesis Advisers und wurde 2023 in Anerkennung seiner jahrzehntelangen Beiträge zu Management und Führung in die Thinkers 50 Hall of Fame aufgenommen. (Foto Campus Verlag)
Jeder der sechs Kernkompetenzen widmet Watkins ein eigenes Kapitel: Mustererkennung, Systemanalyse, geistige Beweglichkeit, strukturierte Problemlösung, Vision und politisches Geschick. Er erklärt ihre Wirkungsbereiche, ihre Relevanz im Unternehmen und zeigt, wie man sie trainiert. Wer Muster erkennt, erkennt auch Chancen und Risiken und kann sich frühzeitig darauf einstellen. Durch die Systemanalyse entsteht ein vereinfachtes Modell des Unternehmensumfelds und seiner Komplexität.
Wer geistig beweglich ist, dem gelingt es, gedanklich zwischen verschiedenen Ebenen zu wechseln – die Bäume und den Wald zu erkennen. Die strukturierte Problemlösung ist die strategische Kernkompetenz, mit deren Hilfe auch größte Probleme gelöst werden können. Eine klare Vision schafft ein Bild der Zukunft, das nicht nur motiviert, sondern Orientierung und Sinn schafft. Mit dem nötigen politischen Geschick gelingt es, die Strategie im Unternehmen wirkungsvoll zu platzieren.
Künstliche Intelligenz, so Watkins, wird unsere strategische Kompetenz erheblich vergrößern. Führungskräfte werden quasisymbiotische Beziehungen mit strategischen KI-Support-Systemen eingehen und auf diese Weise ihre Entscheidungen, Problemlösungen und Strategieentwicklung optimieren. Künstliche Intelligenzen können gewaltige Datenmengen auswerten, Muster und Trends erkennen, Prognosen erstellen und Risiken ausfindig machen. Sie sind in der Lage, unterschiedliche Szenarien zu simulieren, um zusätzliche Optionen zu finden und Empfehlungen auszusprechen.
Auch und gerade in Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz müssen Führungskräfte die sechs Kernkompetenzen strategischen Denkens beherrschen, um die richtigen Fragen zu stellen und die Erkenntnisse und Empfehlungen von Künstlicher Intelligenz einordnen zu können und im Sinne des Unternehmens oder der Organisation zu interpretieren. Sie werden daher auch in Zukunft spielentscheidend bleiben und vielleicht sogar noch an Bedeutung gewinnen.
Michael D. Watkins ist Professor für Leadership and Organizational Change am IMD und Mitbegründer von Genesis Advisers und wurde 2023 in Anerkennung seiner jahrzehntelangen Beiträge zu Management und Führung in die Thinkers 50 Hall of Fame aufgenommen.
Michael D. Watkins: „Die Kunst des strategischen Denkens. 6 persönliche Kernkompetenzen für erfolgreiche Strategieentwicklung“, Erscheinungsdatum: 17.1.2024 (Orig. »The Six Disciplines of Strategic Thinking. Leading Your Organization into the Future«, Harper Business), Gebunden, 211 Seiten, Campus Verlag 26 Euro, ISBN 978-3-593-51909-8
MEHL. MACHT. LEBEN. ist der Leitgedanke einer Museumskonzeption im mecklenburgischen Wittenburg.
2024
1/6/2024
Das MehlWelten Museum in Wittenburg/Mecklenburg
Ohne Weizen und die daraus ermahlenen Mehle gibt es kein ägyptisches Fladenbrot und kein französisches Croissant, kein indisches Naanbrot und keine argentinischen Empanadas. Und auch kein deutsches Frühstücksbrötchen.
Ötzi-Zimmer in der 2. Etage des Museums (Foto: Thorsten Scherz).
Aus Getreide Mahlprodukte herzustellen begleitet menschliches Leben seit Jahrhunderten überall auf der Welt. Ohne Müllerei keine Brotkultur – das Vaterunser müsste umgeschrieben werden…
Die Müllerei gilt als eine der ältesten handwerklichen Tätigkeiten der Menschheit. Schon vor 20.000 Jahren wurden Gräsersamen auf Reibsteinen vermahlen, seit 300 Jahren vor Christus kennt man Drehmühlen, bei denen ein geriffelter Läuferstein auf einem Bodenstein bewegt wird, zunächst von Hand, später in größerem Maßstab auch von mehreren Menschen oder Tieren. Man kennt Rossmühlen und die in den allgemeinen Wortschatz übernommenen Tretmühlen. Zirka seit Christi Geburt kommen Wassermühlen dazu und ab dem 12. Jahrhundert werden Windmühlen erwähnt.
In der Sackothek im 1. Stock sind alle Mehlsäcke hinter Glas archiviert (Foto: Henning Angerer).
Der Müller ist Mittler zwischen Bauer und Bäcker, zwischen Getreide und Brot. Müller zu sein ist von jeher ein besonderer Beruf, dem große Achtung und Wertschätzung entgegengebracht wird. Er darf sonn- und feiertags arbeiten, ist vom Kriegsdienst befreit und kann sich, der Legende des Müllers von Sanssouci nach, sogar einem König entgegenstellen. Mühlenstandorte gibt es immer dort, wo Wasser oder Windkraft genutzt werden können, oft weit entfernt von Siedlungen. Als Beherrscher der komplizierten und schwer durchschaubaren Mühlentechnik gelten Müller ihren Zeitgenossen oft als eigenbrötlerisch, unheimlich und auch wenig vertrauenswürdig. Immer meint der Bauer für sein Getreide zu wenig Mehl bekommen zu haben.
Ein Kunstwerk aus geknüpften Fäden, das Bildnis der Demeter im 1. Stock (Foto: Henning Angerer).
Die Bibel nennt 66mal den Begriff Mehl. 1. Samuel 28.24 und Matthäus 13.33 sind Bibelstellen, die Mehl für ungesäuerte Brote und Mehl zur Anfrischung von Sauerteig erwähnen. Unter `Recht der Schwachen und Armen` findet man in 5. Mose 24.6: „Du sollst nicht zum Pfande nehmen den unteren und oberen Mühlstein; denn damit hättest du das Leben zum Pfand genommen“. Und viele der Gleichnisse Jesu nehmen unmittelbaren Bezug auf Weizen. Wie oft wird in unserem Sprachgebrauch die Spreu vom Weizen getrennt (Lukas 3.17)?
Ein Lieblingsstück ist dieser Mehlsack aus Venezuela
Im Besitz von Getreide, Mehl und Brot zu sein bedeutet in der Geschichte, immer auch Macht ausüben zu können.
MEHL. MACHT. LEBEN. ist daher der Leitgedanke einer Museumskonzeption im mecklenburgischen Wittenburg, dem MehlWelten Museum. Präsentiert wird die Geschichte und essentielle Bedeutung des Mehles vom altrömischen Reibstein bis zur heutigen Industriemühle. Ausgangspunkt für das Museum ist 1998 ein Zufallsfund am Strand von Dubai: Der Unternehmer Volkmar Wywiol findet einen angespülten Mehlsack eines seiner Geschäftspartner.
Mit diesen Exemplaren begann die Sammlung von Volkmar Wywiol.
Länger schon fasziniert von der Vielfalt und dem Bedeutungsreichtum der auf Mehlsäcken platzierten Motive reift der Gedanke, Säcke aus aller Welt zusammenzutragen. Schnell wird deutlich, dass ein Mehlsack nicht nur Verpackungsmaterial ist, sondern sich die Gestaltungsmotive als beredte Zeugnisse der hohen Bedeutung von Mehl in allen Regionen der Welt dechiffrieren lassen. Ein bisher unbeackertes Stück Kulturgeschichte wird von Volkmar Wywiol betreten.
Herzstück seines bereits 2008 im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude der Stadt Wittenburg eröffneten Museums wird die nach Ländern geordnete „Sackothek“, heute bestückt mit 3.400 Mehlsäcken aus 130 Ländern! Kuratorin Angela Jannelli wird langfristig mit der Aufgabe betraut, die vielfältigen auf Mehlsäcken auftauchenden Motive kulturwissenschaftlich zu untersuchen und sie nach ihrer jeweiligen Symbolik zu kategorisieren. Drei große Symbolgruppen schälen sich heraus: Sonnen- und Herrschaftssymbole, Fortschrittssymbole und das Themenfeld Mahlen und Backen.
Der Symbolraum (Foto: Henning Angerer).
Die Sonne als lebenspendende Kraft und Getreide als Lebensgrundlage der Menschheit verschmelzen symbolisch auf Sackmotiven aus den Philippinen, aus Ungarn, Frankreich, und Deutschland.
Adler, Löwen und Hähne als Herrschaftssinnbilder symbolisieren Macht, Würde und Kraft in Guatemala, Honduras, und Togo.
Aber auch die Reinheit des Mehles wird über Symbole besonders herausgestellt. Weißmehl gilt von jeher als makellos rein und macht die Herstellung spezieller Gebäcke erst möglich. Entsprechende Produktnamen und Motive nehmen Bezug auf Schnee und Winter, auf Polarlandschaften, Diamanten und auch Schneewittchen darf nicht fehlen.
Ein Mehlsack für Hartweizen
Kraftsymbole wie kettensprengende Männer und kräftemessende Ringer spielen in Venezuela, El Salvador und Spanien eine Rolle. Aber auch Symbole des Fortschritts wie Raketen, Lokomotiven, Fernseher und Computer sind auf Mehlsäcken z.B. aus Myanmar und Indien präsent. Und in Malaysia tauchen sogar Abbildungen von Panzern auf. Geistliche Kräfte werden in Ländern wie Guatemala und Spanien mit Mehl verknüpft: Katholische Heilige und verehrte Jungfrauen stehen für starken und reinen Glauben und die zuverlässige Qualität des Produktes.
Ein Mehlsack von 1968
Darüber hinaus werden in der Bilderwelt Tiermotive verwendet. In den verschiedenen Regionen der Welt verortete Geschöpfe schmücken besonders aufwändig gestaltete Mehlsäcke: Kamele aus Marokko, Pelikane aus Kamerun, Pfauen aus Nigeria, Hirsche aus Polen, Seepferdchen aus Myanmar, Nashörner aus dem Sudan, aber auch Löwen, Elefanten, Bären, Pferde und Schmetterlinge dienen als Vorlagen.
Deutsche Produkte kommen weniger spektakulär daher. Es dominieren Windmühlen aller Art, Diamanten, die Göttin der Morgenröte Aurora mit dem Sonnenstern, und als Qualitätsgarant der Bremer Roland. Neben der kulturwissenschaftlichen Ausleuchtung der Gestaltungsmotive auf Mehlsäcken ist es auch Anspruch des MehlWelten Museums zu vermitteln, dass Getreide, Mehl und Brot untrennbar mit der Entwicklung der Menschheit, ihrer Kultur, ihrer Religionen und ihrer wirtschaftlichen Verflechtungen verbunden sind. Weizen, vor ca. 10.000 Jahren kultiviert, stellt heute schließlich die Nahrungsgrundlage für ein Drittel der Weltbevölkerung dar – 320 Mio t Weizenmehl werden jährlich für die menschliche Ernährung erzeugt.
Kurzweilig und interessant wird der Museumsrundgang auch durch Kunstobjekte mit Bezug auf Getreide und Müllerei wie z.B. das aus mehr als 10.000 Fadenknoten bestehende Bildnis der griechischen Göttin Demeter, geschaffen von der Berliner Künstlerin Kathinka Willinek. Aber auch zeitgeschichtliche Sack-Fundstücke trifft der Besucher an: Ein originaler Mehlsack mit amerikanischer Flagge erinnert an die in den Jahren 1948/49 322 Tage lang bestehende Berliner Luftbrücke zur Versorgung der Westberliner Bevölkerung.
Ein Highlight des Museums ist die Replik des Gletschermannes Ötzi, einer Dauerleihgabe des Südtiroler Archäologiemuseums. 5.300 Jahre alt ist die 1991 in den Ötztaler Alpen entdeckte Mumie. In ihrem Mantelsaum befanden sich zwei Ur-Getreidekörner und eine Untersuchung des Magen- und Darminhalts Ötzis erbrachte den Nachweis, dass schon zu seiner Lebenszeit Getreideprodukte verzehrt wurden.
Die Statue von Ötzi im 1. Stock erinnert an die Ursprünge des Getreides (Foto: Thorsten Scherz)
Besonders eindrucksvoll ist der Themenraum Getreide, Mehl und Brot in den Religionen. Ihre Bedeutung für das Judentum, das Christentum und den Islam ist videotechnisch künstlerisch und verständlich aufbereitet und wird so dem Besucher unmittelbar deutlich. Die Bedeutung des Getreides im alten Ägypten unterstreicht die Präsentation einer originalen ägyptischen Kornmumie. Seit kurzem rundet ein müllereitechnisch ausgestatteter Raum die bis dahin gesammelten Eindrücke ab: Der Besucher kann einzelne Schritte der Herstellung von Mehlen anschaulich nachvollziehen und so entsteht fast zwangsläufig Wertschätzung gegenüber dem Grundnahrungsmittel Mehl wie man ihm im Supermarktregal so oft gegenübersteht.
Der Mahlraum mit den drei Prozessen, die zur Mehlherstellung unabdingbar sind.
Auch der seit einigen Jahren etablierte Welt-Mehltag spricht für die hohe Wertschätzung des Mehles als weltweites Grundnahrungsmittel. Datiert ist er auf den 20. März eines jeden Jahres in der Mitte der Sonnenwende. Auf der nördlichen Halbkugel werden die Äcker vorbereitet und die Aussaat beginnt. Die südliche Hemisphäre beginnt mit den Erntearbeiten. Hoffnung und Dankbarkeit treffen aufeinander.
In der Sackothek hängt das Bild der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter (Foto: Henning Angerer).
Die Wittenburger MehlWelten sind eine Hommage an die weltweit tätigen Müller. Sie machen ihre Besucher aber nicht nur mit der Welt von Getreide, Mehl und Brot vertraut, sie rufen in Erinnerung, dass das Essentielle menschlichen Lebens seine Nahrungsgrundlagen, ein für deren Erhaltung erforderliches friedliches Miteinander der Völker und Nationen und die Akzeptanz unterschiedlicher Kulturen und Religionen sind.
MehlWelten Museum Wittenburg, Amtsberg 2, 19243 Wittenburg
Wittenburg liegt direkt an der A24 Berlin - Hamburg
Öffnungszeiten
Ganzjährig:
jeden Sonntag von 12:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Von März bis Oktober:
zusätzlich jeden 1. und 3. Samstag von 12:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Die Deutsche Müllerschule Braunschweig empfing Mitglieder des Niedersächsischen Landtages.
2023
12/28/2023
Niedersächsische Landtagsabgeordnete besuchen Deutsche Müllerschule Braunschweig
Die Deutsche Müllerschule Braunschweig empfing Anfang Dezember letzten Jahres Bildungspolitiker des Niedersächsischen Landtags. Die Abgeordneten des Landtages Dr. Karl-Ludwig von Danwitz, stellvertretender Vorsitzender des Kultusausschusses im Niedersächsischen Landtag, Christian Fühner, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Anna Bauseneick, Sophie Ramdor und Oliver Schatta erfuhren vor Ort, wie wichtig der Müllerberuf und die Weiterbildung an der Deutschen Müllerschule für die Lebensmittelversorgung ist.
Jörg Gerling, Schulleiter der Deutschen Müllerschule Braunschweig und der Heinrich-Büssing-Schule präsentierte sein Lehrerteam und erläuterte die Bedeutung der DMSB für die Mühlenbranche und die Herstellung von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Tierfutter in Deutschland und der Welt. Der Tagesablauf des Landtagsbesuchs umfasste zudem eine Besichtigung mit Erläuterungen zur Ausstattung und den Lerninhalten. Jörg Maurer vom Lehrerteam erläuterte die Herausforderungen für das „Spezialgebiet“ der Müllerei. Um geeignete Fachleute aus der Praxis gezielt in den Schuldienst zu bringen, hält er den Abbau bürokratischer Hürden sowie die bessere Anerkennung internationaler Erfahrungen für sinnvoll. Dr. Josef Rampl, geschäftsführender Kurator des Fördervereins der DMSB und Alexander Schnelle, Vorsitzender des Fördervereins der DMSB sowie Michael Kammann als Präsident vom "Glück zu" begleiteten den Besuch und unterstützten den Erfahrungsaustausch.
Die Abgeordneten erfuhren, dass sich die Deutsche Müllerschule Braunschweig durch ihre weltweit einzigartige Ausbildung in Müllerei, Mühlenbau und Mühlentechnik auszeichnet und ihre Absolventen weltweit gefragt sind. Jeder Absolvent trägt eine hohe Verantwortung, da er im übertragenen Sinne für die sichere Ernährung einer ganzen Kleinstadt verantwortlich ist. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung ist unerlässlich, die unabhängig von den Schülerzahlen zu beurteilen ist. Der Abschluss an der Schule zählt zu den höchsten Abschlüssen der Branche. Absolventen erlangen den anerkannten Titel Bachelor Professional bzw. staatlich geprüfter Techniker/in.
Die Abgeordneten haben ihre weitere Unterstützung zugesagt und freuen sich auf die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Jubiläum der DMSB am 28. Juni 2024 im Waldhaus Ölper.
Die Firma FrigorTec von Ralf E. Kolb lud in ihre Hallen ein zu faszinierenden Einblicken in die Produktion.
2023
12/3/2023
FrigorTec in Amtzell mit dem Tag der offenen Tür
Viele Interessierte aus der Region kamen und Simon Kolb führte eine Besuchergruppe nach der anderen durch die Fertigungshallen. Der Sales-Manager gab spannende Einblicke in die Welt der Kältetechnik Made in Germany. Bei dem Rundgang mit ihm erfuhren vor allem die jugendlichen Teilnehmer mehr über den Hidden Champion aus ihrer Region und wie wichtig FrigorTec mit seinen Produkten weltweit für eine sichere Lebensmittelversorgung ist. Zum Abschluss der Führung griffen alle in der neuen Fertigungshalle für Getreidemaschinen beim selbstgemachten Popcorn zu, welches die Auszubildenden anboten.
Firmensitz und Fertigungshallen von frigorTec in Amtzell (Foto: FrigorTec)
Wer noch mehr wissen wollte, konnte in den kurzweiligen Vorträgen von Vertriebsingenieur Eberhard Fröscher erfahren, dass mittlerweile in 80 Ländern täglich tausende Getreidekühlgeräte aus Amtzell im Einsatz sind und Getreide, Reis, Mais und vieles mehr so vor Schädlingen schützen und Millionen Menschen ernähren. Wobei die höchste Dichte an Granifrigors die Dominikanische Republik aufweist. „Natürlich wollen wir uns in der Region mit unseren Maschinen präsentieren, aber noch wichtiger ist es, junge Leute über Einstiegs- und Zukunftsmöglichkeiten bei uns zu informieren“, so Doris Kolb.
Simon Kolb führe an diesem Tag zahlreiche Besuchergruppen durch das Werk. Die neue Fertigungshalle mit den großen Getreidekühlmaschinen interessierte viele Besucher besonders (Fotos: Sabine Kemper)
Das ist sicher gelungen. Mitmachaktionen, Angebote für Kinder und Jugendliche und Stände, die regionale Käsespätzle und Getränke anboten, waren ein Besuchermagnet und es ergaben sich viele Gespräche zum Berufseinstieg oder zur beruflichen Neuorientierung.
Die Auszubildenden hatten sich auf diesen Tag gut vorbereitet und freuten sich über das Interesse der Besucher.
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat am 1. Dezember 2023 in Dubai die "First Movers Coalition for Food" gegründet.
2023
12/1/2023
First Movers Coalition for Food gegründet
Laut WEF seien die Lebensmittelsysteme für mehr als 30 % der globalen Emissionen verantwortlich. Um die Vorgaben des Pariser Abkommens und der Begrenzung der Erderwärmung auf unter 1,5 °C zu erreichen, seien mehr nachhaltig produzierte und emissionsarme Agrarrohstoffe notwendig. Die Koalition will die Nachfrage beeinflussen, um umweltfreundliche Anbaumethoden und grüne Innovationen zu fördern und die Art und Weise, wie Unternehmen landwirtschaftliche Rohstoffe beschaffen, verändern.
Die derzeit an der Koalition „First Movers Coalition for Food“ beteiligten Unternehmen erzielen zusammen einen Umsatz von 2,1 Billionen US-Dollar und sind weltweit tätig. Ihre kollektive öffentlich-private Partnerschaft soll laut Børge Brende, Präsident des Weltwirtschaftsforums dazu beitragen, das Risiko von Vorabinvestitionen in nachhaltigere Lebensmittelproduktionssysteme zu verringern.
Die First Movers Coalition for Food umfasst Corporate Champions aus multinationalen und nationalen Konzernen mit hoher Kaufkraft, Partner aus der Wertschöpfungskette, Landwirtschaftsorganisationen und Forschungspartner der Regierungen. Die Konzerne streben einen kombinierten Beschaffungswert für kohlenstoffarme Rohstoffe in Höhe von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar an.
Ab Mitte Dezember 2023 werden das Weltwirtschaftsforum und die teilnehmenden Unternehmen und Regierungen gemeinsam daran arbeiten, die Nachfrageverpflichtungen und Wege zur Unterstützung und Mobilisierung des Ökosystems zu ermitteln, um einen solchen Wandel zu ermöglichen. Die Koalition wird voraussichtlich im Sommer 2024 ihre ersten Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit veröffentlichen.
Auch die beteiligten Einzelhändler wollen mehr auf nachhaltig produzierte Produkte setzen und die Nachfrage nach emissionsarmen Produkten steigern sowie mit Partnern zusammenarbeiten, die naturfreundliche Praktiken fördern und landwirtschaftliche Systeme mit verbesserter Biodiversität und geringerem Wasserverbrauch unterstützen.
Mitglieder der First Movers Coalition for Food sind bisher:
Bayer AG, Cargill, Danone, Louis Dreyfus Company, Majid Al Futtaim Holding Llc, Nestlé, NR Instant Produce PCL, Olam Agri, PepsiCo Inc, Sekem Group, UPL Ltd, Tyson Foods Inc, JBS S.A., und Yara International ASA. Weitere Unternehmen werden in den kommenden Monaten bekannt gegeben.
Zu den Expertenorganisationen, die den Prozess unterstützen, gehören Bain & Company, Ginko Bioworks, Grow Asia, IDH, Indigo Ag, International Rice Research Institute, Temasek Life Sciences Laboratory, Tropical Forest Alliance und die Universität von Tokio.
Energieintensive Zement-, Stahl- und Kalkindustrien brauchen CO2-arm erzeugte alternative Brennstoffe.
2023
12/1/2023
Das Berufsfeld des Müllers beim Recycling
Viele Industrien substituieren fossile Brennstoffe und erhöhen ihre Recyclingraten. Eine auf Pellets basierende Verwertungsstrategie ist eine ressourcen- und klimaschonende Alternative. In der deutschen Zementindustrie werden derzeit etwa 67% des thermischen Energiebedarfes durch alternative Brennstoffe gedeckt. Europaweit sind es etwa 46% oder ca. 11 Mio. Tonnen. Die europäische Zementvereinigung hat das Ziel, den Einsatz alternativer Brennstoffe bis 2050 auf 90% mehr als zu verdoppeln.
Die Anlage zur Herstellung der Pellets in Papenburg. (Alle Fotos: Blue River)
Die Duisburger MVW Lechtenberg & Partner, ein Beratungsunternehmen für die Zement- und Kalkindustrie sowie die Nehlsen AG, ein Kreislaufwirtschaftsunternehmen aus Norddeutschland, gründeten die Projektgesellschaft „Blue River Recycling Ems GmbH & Co KG“, um klimafreundlichere Ersatzbrennstoffe, sogenannte EBS, zu produzieren. Dafür werden nicht recyclingfähige Mischkunststoffe geschreddert, vermahlen und zu Pellets mit einem hohen Heizwert gepresst. Die Pellets dienen als Ersatz für fossile Brennstoffe in der Zement- und Kalkindustrie oder für Koks im Hochofenprozess zur Stahlherstellung.
Mischkunststoffe können geschreddert zu hochkalorischen Pellets verarbeitet werden und dienen dann als Brennstoff.
Die erste von mehreren Blue River Anlagen zur Pelletierung von Mischkunststoffen startete seinen Betrieb 2021 im Hafen von Papenburg, direkt gegenüber der Meyerwerft, mit rund 20 neuen Arbeitsplätzen. Einer der ersten Mitarbeiter war Wilhelm Osewold, gelernter Müllermeister mit jahrelanger Berufspraxis. Die Produktionskapazität der Anlage beträgt bis zu 100.000 Tonnen Pellets pro Jahr.
Geschredderter Mischkunststoff – ein wertvoller Rohstoff für alternative Brennstoffe.
Die fertig gepressten Pellets können platzsparend zu den Werken in die Verbrennung transportiert werden.
Modernste Technik und vollautomatische Qualitätskontrolle garantieren die gleichbleibend hohe und homogene Ausbringung sowie den hohen Heizwert der Pellets. Das Energiekonzept mit einem eigenem Blockheizkraftwerk zur autarken Energieversorgung macht die neue Anlage in Papenburg zur innovativsten ihrer Art. Die Gesamtinvestition der Anlage betrug rund ca. 12 Mio. Euro für die Anlagentechnik und die erforderlichen Umbaumaßnahmen der bestehenden Infrastruktur.
Mühle + Mischfutter sprach mit Wilhelm Osewold, der als Müllermeister für den Betreib der Anlage in Papenburg verantwortlich ist.
Wilhelm Osewold bringt seineErfahrungen als Müllermeister gerne in der Recyclingindustrie ein.
M+M: Wie sind Sie als Müllermeister zum Recyclingfachmann geworden? War das schon immer ihr Berufswunsch?
Wilhelm Osewold: Ich bin ein Müller ohne Mehl und doppelt spezialisiert. Erst als Spezialmüller für Gewürze, dann für pharmazeutische Produkte und jetzt für Restkunststoffe. Ich habe meine Produkte erst in Kilogramm gewogen, denn in Gramm und heute wiege ich in Tonnen. Mich interessiert das Neue getreu meinem Motto:“Lehrling ist jederman, Geselle ist, wer was kann und Meister ist, wer was ersann“. Meine Eltern waren Landwirte und ich habe auch eine Ausbildung zum Landwirt. Meine zweite Ausbildung zum Müller mit Weiterbildung zum Müllermeister in Stuttgart schloss ich an der Gewerblichen Schule Im Hoppenlau ab. Die Meisterarbeit schrieb ich über Pfeffer, denn ich wollte in die Gewürzindustrie einsteigen. Nachdem die Arbeit dort zur Routine wurde, ging ich in den pharmazeutischen Bereich. Zufällig las ich 2021 einen Artikel in einer Lokalzeitung über das neue Recyclingwerk in Papenburg. Das fand ich spannend und ich habe mich initiativ beworben. Bisher habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Und wir haben zudem eine großartige Aussicht auf die Meyerwerft gegenüber.
M+M: Was genau sind Ihre Aufgaben als Müller im Werk? Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Wilhelm Osewold: Meine Arbeit im Recyclingwerk ähnelt den Aufgaben in einer herkömmlichen Mühle. Ich mache die normale Anlagen- und Maschinenbedienung, wie Pressen einstellen, die Warenannahme und Prüfung. Das Werk ist komplett automatisiert mit einer Standartsteuerung und Visualisierung von Siemens. Unser Ziel ist es, in drei Schichten 24/7 zu laufen. Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß. Ich kann viel Neues lernen und meine Erfahrungen einbringen. Ich verantworte hier den kompletten Produktionsprozess und am Ende presse ich ein fertiges Produkt, welches ökologisch sinnvoll ist. Das ist meine Motivation.
M+M: Weshalb sollten sich Kolleginnen und Kollegen bewerben?
Wilhelm Osewold: Die Arbeit hier im Werk hat Zukunft. Das Kunststoffrecycling ist ein Wachstumsmarkt. Die Nachfrage steigt, denn unsere Abnehmer müssen ihre fossilen Brennstoffe substituieren. Alternative Brennstoffe spielen eine immer größere Rolle und es sind auch in anderen Ländern weitere Anlagen in Planung. Trotz Verboten von Plastiktüten sind die Abfallreduktionen bislang nur marginal. Da gleichzeitig der Verbrauch an Kunststoffverpackungen steigt, ist die Rohstoffversorgung für uns kein Problem. In unserer Branche ist kein so großer Druck wie in der Lebensmittelbranche und die Bezahlung ist besser.
M+M: Welche Abfälle verarbeiten Sie zu Pellets?
Wilhelm Osewold: Mischkunststoffe und verunreinigte Pappe oder Papierreste aus den dualen Systemen. Das sind beschichtete Chipstüten, Schalenverpackungen für Käse, Fleisch und Obst, aber auch andere Verpackungen, die aus Materialmischungen bestehen. Die nicht recyclingfähigen Mischkunststoffe aus den Sortieranlagen des dualen Systems werden zu Ballen verpresst und zu uns geliefert. Wichtig ist noch, dass der ganze Herstellungsprozess bei uns videoüberwacht ist, um Wärme zu detektieren. Kleinste Batterien, beispielsweise aus Glückwunschkarten, die beim Zerschneiden chemisch reagieren oder andere Gefahren führen schnell zu Bränden.
M+M: Können Sie die Anlage beschreiben und ist sie ähnlich einer Mühle aufgebaut?
Wilhelm Osewold: Maschinell sind wir gut aufgestellt. Unsere Rohstoffe werden als Ballen angeliefert und werden maschinell geöffnet. Sie kommen dann aufgelockert in eine Schneidemühle von der Firma Lindner – sie hat einen Rotor mit Schneidekante und entsprechende Gegenmesser. Die Kunststoffe werden geschnitten auf 5x5cm Größe. Was noch nicht durch das Sieb geht, wird weiter geschnitten.
Dann kommt die Reinigung. Das Material läuft über Förderbänder zum Magnetabscheider, der alle magnetischen Bestandteile herausholt. Er ist in der Antriebstrommel vom Förderband integriert. Das nächste Förderband wirft das Material gegen eine Trommel, die nach dem Prallprinzip funktioniert und Hartkunststoffe trennt. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit dem Tischausleser in der Mühle. Die Kunststoffschnipsel werden anschließend über einen Nichteisenabscheider geführt. Damit sind drei Reinigungsstufen erfüllt: Magnet, Hartkunstoffabscheider und Nichteisenabscheider.
Danach wird ein Vorratsbehälter befüllt, der einen Schubboden hat, in dem das Material lagert während der Wartungsarbeiten. Von dort werden die Trocknerlinien beschickt. Im Vorfeld der Trockner ist eine NIR-Station für die Feuchtemessung, genau wie in einer Mühle. Wir haben zwei Trockner, um die Möglichkeiten unseres Blockheizkraftwerkes voll auszunutzen. Das BHKW liefert Strom für die Elektromotoren. Das heiße Kühlwasser nutzen wir für den Bandtrockner und die Abwärme des BHKW wird für den Trommeltrockner eingesetzt. Die Sollfeuchte liegt unter 10% sonst wird der Pressvorgang zu schwierig. Das getrocknete Material geht in die Pelletierungsanlage. Es ist ein Standardpelletiervorgang mit Dosierschnecke, Schleuse und Presse. wir verwenden Matritzen mit 16 und 8 mm Lochung. Die Pellets werden gekühlt und eine Siebmaschine führt den Feinanteil zurück auf die Pressen. Die fertigen Pellets kommen in das Flachlager und verbleiben dort bis zur Verladung in das Schiff.
M+M: Was müssen Sie als Müller bei der Pelletierung besonders beachten?
Wilhelm Osewold: Alle bei der Verbrennung entstehenden Aschen, ob aus Kohle oder aus Pellets werden in das Produkt Zement oder Kalk eingebunden. Daher ist eine kontrollierte Qualität der Pellets wichtig. Besonders ein niedriger Ascheanteil, der problemlos eingebunden werden kann. Dies ist nur mit hochwertigen Mischkunststoffen möglich. Meine Erfahrung ist wichtig für das Mischungsverhältnis und das Führen der Pressen für die Qualität der Pellets.
Die Müllerei sollte die Psychologie des Verhandelns nutzen, so ein Vortrag auf der Müllerei-Fachtagung in Volkach 2023.
2023
11/28/2023
Verhandeln und Überzeugen kann man lernen
Der US-amerikanische Sozialpsychologe und Wirtschaftswissenschaftler Robert B. Cialdini ist in der Welt der Überzeugungskunst eine Ikone. Für Unternehmer und Mitarbeiter, die ständig in Verhandlungen verwickelt sind und sich oft mit Gegenspielern arrangieren müssen, kann sein Buch hilfreiche Unterstützung bieten. Das Buch gilt als Meilenstein in der Überzeugungspsychologie. Es wurde über fünf Millionen Mal verkauft und in über 30 Sprachen übersetzt.
Cialdini untersucht die Mechanismen, die Menschen dazu bewegen, „Ja“ zu sagen. Der Leser bekommt Einblicke in die Mechanismen, die unsere Entscheidungen und Handlungen beeinflussen und erfährt anschaulich, wie er dieses Wissen im Alltag anwenden kann. In dem Buch „Influence: The Psychology of Persuasion“ stellt Cialdini unterhaltsam die sieben wesentlichen Prinzipien vor, die uns in unseren täglichen Entscheidungen beeinflussen:
Der Wirtschaftswissenschaftler und Sozialpsychologe Robert B. Cialdini ist ein Bestsellerautor (Foto: Gordon Murray)
Ein Schlüsselelement ist das Prinzip der Reziprozität. Cialdini erläutert mit Beispielen, dass Menschen eher geneigt sind, einen Gefallen zu erwidern, wenn ihnen zuvor ein Gefallen erwiesen wurde. Dieses Prinzip lässt sich in Geschäftsverhandlungen effektiv einsetzen, um eine Atmosphäre des Gebens und Nehmens zu schaffen, was letztendlich zu vorteilhafteren Verhandlungsergebnissen führen kann. Er betont, dass das Geben von etwas Wertvollem – sei es ein physisches Geschenk, eine hilfreiche Information oder eine freundliche Geste – oft zu einer erwiderten Reaktion führt.
Ein weiterer zentraler Punkt ist das Konzept der Konsistenz. Menschen streben danach, konsistent in ihrem Verhalten und ihren Überzeugungen zu sein. Dieses Streben kann in Preisverhandlungen genutzt werden, indem man frühere Aussagen oder Verhaltensweisen der Verhandlungspartner aufgreift, um die aktuelle Verhandlung in eine gewünschte Richtung zu lenken. Cialdini verdeutlicht, wie die Neigung von Menschen, konsistent mit ihren früheren Entscheidungen und Überzeugungen zu bleiben, genutzt werden kann, um Überzeugungsarbeit zu leisten.
Das Buch bietet auch Einblicke in das Prinzip des sozialen Beweises. Dieses Prinzip besagt, dass Menschen dazu neigen, das Verhalten anderer nachzuahmen, insbesondere in Situationen der Unsicherheit. In Verhandlungen kann dies bedeuten, dass das Aufzeigen von Beispielen, wie andere ähnliche Angebote akzeptiert haben, die eigene Position stärken kann. Oder wie die Tendenz von Menschen, das Verhalten anderer zu imitieren, insbesondere in Situationen der Unsicherheit, genutzt werden kann.
Die weiteren Prinzipien der Sympathie, Autorität und Knappheit werden ebenfalls umfassend erörtert, wobei Cialdini praktische Beispiele und Strategien anbietet, wie diese Prinzipien in geschäftlichen Kontexten angewandt werden können.
»Ein und dieselbe Sache erscheint uns attraktiver, wenn sie knapp ist, aber am attraktivsten ist sie, wenn wir mit anderen um sie konkurrieren müssen.«
Cialdinis Prinzipien haben weitreichende Anwendungen gefunden, von der Werbung und dem Marketing über politische Kampagnen bis hin zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Sein tiefes Verständnis dafür, wie und warum Menschen sich überzeugen lassen, hat nicht nur der akademischen Welt, sondern auch Praktikern in vielen Bereichen wertvolle Einblicke geliefert. Nicht umsonst war er in zwei Wahlkämpfen Berater der Präsidentschaftskandidaten. Viele Speaker nutzen seine Erkenntnisse und es gibt wohl kaum einen Redenschreiber, der seine Werke nicht kennt.
»Wenn ein Mensch Ihnen sagt, dass Sie ein Ringelschwänzchen haben, lachen Sie. Wenn drei es Ihnen sagen, drehen Sie sich um.«
Cialdinis Kritiker fürchten potenzielle Manipulationen durch die Anwendung seiner Prinzipien. Cialdini selbst hat sich stets für die ethisch bewusste Anwendungen ausgesprochen. Ein tiefes Verständnis der menschlichen Natur könnte zu positiven und nachhaltigen Beziehungen führen, so seine Haltung. Gerade, wer Manipulation fürchtet, sollte sich mit seinem Werk auseinandersetzen. In erster Linie geht es nicht darum, die Kunst des Überzeugens im eigenen Leben umzusetzen. Zuerst geht es darum, sich in Verhandlungen und Beziehungen der Mechanismen bewusst zu werden, die das Gegenüber einsetzt.
„Obwohl unser Verhalten von zahlreichen automatischen Mustern bestimmt wird und diese in Zukunft immer wichtiger werden, wissen die meisten von uns erstaunlich wenig über sie. Was vermutlich genau daran liegt, dass sie so reflexhaft ablaufen. Aber was auch immer die Ursache sein mag, müssen wir wissen, was das für uns bedeutet: Sie machen uns nämlich zum leichten Opfer von allen, die verstehen, wie sie funktionieren.“
Die Verlagsgruppe HarperCollins bietet den Klassiker von Robert B. Cialdini unter dem deutschen Titel: „Influence – wie man andere überzeugt“ seit März 2023 in einer erweiterten und aktualisierten Neuübersetzung und auch als Hörbuch an.
Die 48. Volkacher Herbstfachtagung war ein voller Erfolg.
2023
11/28/2023
Besucherrekord bei Müllerei-Fachtagung in Volkach 2023
Vom 26. bis 28. Oktober 2023 konnten die Teilnehmer aus der Müllereibranche in dicht gedrängter Atmosphäre auf den Gängen, im Ausstellerzelt und in den Pausen Netzwerken, Fachsimpeln und ganz viele Wiedersehen genießen. Hauptanziehungspunkt waren auch diesmal die Fachvorträge im großen Saal. Sie gliederten sich in die vier Themenschwerpunkte Märkte, Nachhaltigkeit, Qualität und Technik. Vor allem die Preisentwicklungen und unsicheren Getreidemärkte interessierten, ebenso wie Möglichkeiten, den eigenen Betrieb noch nachhaltiger aufzustellen sowie Trends bei Getreidequalitäten bis hin zu technischen Innovationen.
Rudolf Sagberger, Vorstandsvorsitzender des Bayerischen Müllerbundes mit Romana Ruth und Christian Kummer (beide von der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in Wien) und Themenleiter der Tagung Dr. Josef Rampl vom Bayerischen Müllerbund.
Wie ein roter Faden zogen sich die Herausforderungen vor denen Müller, Landwirte und Bäcker aktuell stehen, durch die Referate. Vor allem ein in der Logik oft nicht nachvollziehbares und ständig anwachsendes Regelwerk macht den Alltag in den Mühlen und die Verhandlungen mit Zulieferern und Kunden schwerer und unerfreulicher.
Rudolf Sagberger, Vorstandsvorsitzender des Bayerischen Müllerbundes e.V., eröffnete am Donnerstagnachmittag die Tagung. Er sorgt sich über die im Durchschnitt gesunkenen Proteingehalte. Aufgrund der EU-Düngeverordnung liegen die deutschen Werte jetzt hinter denen des Getreides aus dem Baltikum. Zusätzlich geben immer mehr heimische Betriebe auf und die Anbaufläche hat sich um 30 000 ha reduziert. Die politischen Entscheider in Deutschland und der EU, müssen dringend die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gestalten, dass es auch in schwierigen Erntejahren möglich bleibt, Getreide aller Qualitätsstufen herzustellen.
Verleihung der DON-Vorerntemonotoring-Teilnehmerzertifikate v.l.n.r.: Dr. JosefRampl, Geschäftsführer Bayerischer Müllerbund e.V.; Herbert Willmerdinger,Weiss Mehl; Markus Schuster, Schuster Mühle Großaitingen; Anke Dege,Getreidemühle Erich Sack; Michael Hemmer, Meyermühle Landshut; ChristianLinder, Linder Mühle; Andrea Ramsauer, Poschenrieder Mühle; Michael Ritzinger,Rosenmühle; Anton Schmid, Kunstmühle Schmid; Peter Eiblmeier, BayerischeLandesanstalt für Landwirtschaft; Jürgen Englert, Gründleinsmühle; MartinHofmeir, Kunstmühle Hofmeir; Rudolf Sagberger, Sagberger Mühlen; NikolaiKohl, Cramer Mühle; Susanne Dorfner, Bavaria Mühle. (Foto: Lorenz Strohmeir)
Grenzwerte als Herausforderung.
Der erste Themenblock umfasste die Referate zu Getreidequalitäten und Qualitätsmanagement. Martin Unterschütz, Leiter Getreide bei der BayWa AG gab eine Einschätzung zu Versorgungslage mit Brot- und Qualitätsgetreide. Er sieht die größten Herausforderungen beim Transport von Rohstoff über größere Distanzen. So könnte Getreide aus dem Baltikum immer wichtiger für proteinreiche Mehle werden. Probleme sieht er bei der Versorgungslage mit Qualitätsweizen in der EU für die Mühlen nicht. „Wir müssen uns einstellen auf Weizen mit niedrigeren Qualitäten“, zieht Rudolf Sagberger sein Fazit.
Nach den Vorträgen blieb genug Zeit für Fragen. Emilia Schmalhofer, die mit ihrem Meisterkurs die Veranstaltung besuchte, berichtete über ihre neu gebaute Mühle.
Anschließend referierte Uwe Langenhan von der Erzeugergemeinschaft aus Sicht der Thüringer Landwirte, für die volatile Getreidemärkte das neue Normal seien. Sein Tipp an die Zuhörer war es, die Ware vor der Ernte zu vermarkten. Er sieht auch in Thüringen das Problem, dass Landwirte aufgeben oder müde sind, aufgrund der wachsenden Bürokratie. Nach der Pause gab Jürgen Zankl vom Bioland e.V. einen Überblick über die Biomärkte. Die Preise sind seit Mai 2023 wieder angezogen und er rechnet mit einer Erholung in der nächsten Zeit, da der Lebensmittelhandel auf deutsche Herkunft setzt und der Staat zusätzlich das Angebot mit seinem Ziel „30% Bio“ unterstützt. Die Erreichung des Ziels mit den aktuellen Anbaubedingungen sieht er sportlich. Dazu seien mehr staatliche Anstöße notwendig. Als Abschluss des ersten Tages sprach Dr. Wolfgang Preißinger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft über das Potential von Kleie, die viel mehr als nur ein Faserfuttermittel ist.
Am Freitag begannen die Vorträge über Nachhaltigkeit und Wirtschaft. Dietmar Heinemann von Bühler erklärte detailliert, wie der CO2-Fußabdruck in der Müllerei berechnet, verstanden und reduziert werden kann. Das optimaler Rohrbau Energie einsparen kann zeigte Edwin Priewasser von der Firma Sallhofer am Beispiel der Haberfellner Mühle. Der Familienbetrieb SB-Konzept stellte ein Fakturierungs- und Managementprogramm für Handwerksmühlen vor und Andreas Hummel berichtete über Advactory und die Digitalisierung des Qualitätsmanagement.
Stefan Schmitz von der Swisca AG aus Appenzell stellte eine innovative schneckenlose Getreidenetzung vor.
Dr. Jens Begemann vom Max-Rubner-Institut und Dr. Robert Aberham berichteten über die Mengen, Qualitäten und die Behandlung der Mehle der diesjährigen Ernte. Dr. Christian Kummer und Romana Ruth von der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung aus Wien erklärten anhand ihrer Forschungsergebnisse, wie man mit den reduzierten Grenzwerten für Mutterkorn ab 2024 umgehen kann. Management-Themen für Führungskräfte wurden von Dr. Peri Kholghi zur Stressvermeidung und Dr. Alexander Hoeppel zur Psychologie des Verhandelns sehr anschaulich und nachvollziehbar vorgetragen.
Sabine Kemper von Mühle + Mischfutter erklärte am Beispiel von Foodwatch, wie Desinformationen über Getreideprodukte, Kunden und Verbraucher verunsichert hat und wie die Branche sich dagegen wehren kann.
Viele Kontakte wie hier am Stand der Firma Foss Analytics: Sales Managerin Doris Niedermeier berät die Kunden.
Was der Hammer kann, kann auch der pneumatische Klopfer von Singold Gerätetechnik – nur schonender. Matthias Hofmann, Technischer Leiter und Geschäftsführer Oliver Lüer.
Fortsetzung einer Tradition. Die nächste Generation Mühlenbautechniker führt die Marke MIAG in eine neue Zeit. Das motivierte Team aus Lonnerstadt v.l.n.r.: Florian Fritsch, Louisa Otten, Frank Iftner und Felix Bruckmann.
Experten unter sich: Georg Schafler, Head of Process Technology Wheat & Rye bei Bühler in Uzwil und Klaus Oberhumer, Geschäftsführer von Sallhofer Mühlenrohrbau in Braunau am Inn.
Im Ausstellerzelt war die Stimmung nicht nur an denStänden der Firmen Austus, Swisca und Balaguer gut und sorgte für einen Besucheransturm.
Qualitätssicherung
Ulf Müller, Geschäftsleiter Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement bei GoodMills Deutschland zeigte die wachsende Herausforderung für die Mühlenbetriebe im Qualitätsmanagement auf. Sein Vortrag unterlegt mit anschaulichen Grafiken beschrieb seine tägliche Praxis und machte den Zuhörern eindringlich deutlich, was die Mühlen für ihr Qualitätsmanagement in Zukunft noch zusätzlich leisten müssen. Sabine Kemper von Mühle+Mischfutter berichtete über „The dark side of Grain“, eine fragwürdige Kampagne vom Verein Foodwatch und wie die Redaktion dagegen vorgegangen ist (Posts in LinkedIn, Rainer Miserre, Mühle+Mischfutter, Seite 10, Ausgabe 20/2023). Ihre Empfehlung ist es, dass Verbände und Unternehmen die direkt geschädigt sind, stärker gegen diese Art der Berichterstattung vorgehen.
Den Fränkischen Abend im Staatlichen Hofkeller der Residenz Würzburg genossen die Müllerinnen, Müller und Aussteller bei guten Gesprächen.
Lorenz Strohmeir von der Geschäftsstelle des Bayerischen Müllerbundes e.V. begrüßte die vielen Besucher und Aussteller.
Nach dem abendlichen Besuch im Weinkeller der Residenz Würzburg startete am nächsten Morgen der Themenblock Müllereitechnik. Stefan Schmitz, von Swisca begann mit den Vorteilen einer schneckenlosen Getreidenetzung, die 90% weniger Energie verbrauchen soll. Über den Mühlenneubau der Schmalhofer Mühle berichteten Andreas Müller von Bühler sehr anschaulich mit vielen Fotos und Schaubildern (Den M+M-Report zum Neubau mit den Grafiken des Vortrages finden Sie auf www.mühle-mischfutter.de). Franz Schmid gab im Anschluss zusammen mit Johann Priemeier interessante Einblicke in Planung und Bau der Antersdorfer Mühle (Mühle+Mischfutter, Seite 12, Ausgabe 9/2023). Christian Rückert zeigte die Vielfalt des Anlagenbaus für Müllerei und Spezialanlagen, Rolf Nagel von FD Waagenbau den neuesten Stand der Wägetechnik in der Mühle und Jan Gausepohl von FoodExperts neue Wege der Personalsuche und -qualifizierung.
Isabel Vogt, Assistentin der Geschäftsführung der Vogtmühlen Illertissen verfolgte aufmerksam die Vorträge.
„Die Müllerei-Fachtagung war auch in diesem Jahr sehr informativ und unterhaltsam! Das gesellschaftliche Rahmenprogramm sowie die Themenblöcke waren sehr abwechslungsreich. Allerdings hätte ich mir im CO2-Rahmenprogramm einen Zusatzthemenblock über die LKW-Maut gewünscht. Dadurch, dass die Einführung unmittelbar bevorsteht, wäre eine Diskussion hier wünschenswert gewesen. Die gesamte Branche muss hier eine gemeinsame Lösung finden! Besonders der persönliche Austausch steht allerdings für mich immer im Mittelpunkt. Volkach bietet hier eine großartige Möglichkeit über aktuelle Themen zu diskutieren und sich darüber auszutauschen.“ Isabel Vogt, Vogtmühle Illertissen.
Marco Kuhlmann und Thorsten Eiling von der Biomühle Eiling.
„Für mich ist es hier sehr familiär, wir sind eine relativ kleine Mühle und hier sind ähnlich große Mühlen. Es ist egal, ob man groß oder klein ist, alle werden gleich berücksichtigt. Wenn wir ein Anliegen haben, können wir Dr. Josef Rampl ansprechen und wenn es für viele relevant ist und den Müllern etwas bringt, organisiert er einen Vortag dazu. Am heutigen Tag fand ich die Vorstellung des SB-Konzepts interessant, da für kleine Betriebe die großen Anbieter vom Kosten-Nutzen Verhältnis oft nicht so passen.“ Thorsten Eiling, Biomühle Eiling
Anke Dege von der Getreidemühle Erich Sack ist aus dem niedersächsischen Langelsheim angereist.
„Volkach ist ein wertvolles Treffen der Müllerfamilie mit interessanten Vortragsthemen und guten Gesprächen. Der Termin der Fachtagung ist ein fester Bestand in meinem Kalender – man trifft oft Müllerkollegen, die man nur hier in Volkach trifft und sich darauf freut.“ Anke Dege, Getreidemühle Erich Sack.
Aus dem Erzgebirge angereist Dr. Thomas Rolle. Er bekam letztes Jahr für seine Innovationskraft die Sächsische Verfassungsmedaille.
„Herzlichen Glückwunsch dem Bayerischen Müllerbund zu der gelungenen, tollen Tagung sage ich als Vorstand des Mitteldeutschen Müllerbundes. Für die vielen Informationen, Eindrücke und Anregungen aus den Vorträgen und für die guten Gespräche untereinander danke ich gerne persönlich. Es war eine gute Zeit hier an der Mainschleife. Bis zur nächsten Tagung in Volkach wünsche ich Glück zu.“ Dr. Thomas Rolle, Geschäftsführer C.F. Rolle GmbH Mühle.
Auf der Müllerei-Fachtagung in Volkach stellte die Firma SB Konzept eine Software für kleinere Betriebe vor.
2023
11/27/2023
Mit Babelbing kleinere Mühlenbetreibe digital verwalten
Die SB Konzept GmbH ist in der zweiten Generation in Familienhand. Die Firma wurde 1985 gegründet und hat ihren Firmensitz in der Nähe des Münchener Flughafens in Hallbergmoos. Das Unternehmen hat ein Fakturierungsprogramm erweitert und auf kleinere Betriebe zugeschnitten. Im Frühjahr 2022 startete SB Konzept ein Projekt in einer Kunstmühle. Die Learnings daraus flossen in das Management und Rechnungsprogramm mit dem Namen Babelbing ein. Das Programm sei speziell auf die Bedürfnisse von Mühlenbetrieben zugeschnitten und soll die traditionelle Mühlentätigkeit digital transformieren, ohne dabei die Benutzerfreundlichkeit aus den Augen zu verlieren.
Babelbing ist laut Geschäftsführer Felix Eigenbrodt intuitiv zu bedienen und vereinfacht die Abbildung komplexer Prozesse, wie die Vermahlung von Rohstoffen und die Produktion von Mischartikeln und ermöglicht eine effiziente Betriebsführung und -planung. Das Herzstück des Systems ist das Vertragsmanagement. Damit haben Mühlenbetriebe eine Übersicht über Kunden- und Lieferverträge sowie Getreide- und Mehlkontakte.
Die Masken für Lieferanten wie Landwirte. Sammelabrechnungen oder Soll / Ist-Vergleiche sind möglich.
Über Schnittstellen können Versanddienstleister wie DHL oder Hermes integriert werden. Der Datenaustausch beispielsweise mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und DATEV kann ebenfalls automatisiert werden.
Die Entwickler von Babelbing hatten das Ziel, ein leicht verständliches Programm zu entwickeln, welches für kleine bis mittelständische Betriebe geeignet ist. Es soll ohne lange Einarbeitungszeiten einsetzbar sein. Für die Anwendung braucht der Betreib nur einen Personal-Computer oder einen Laptop mit internetfähiger Anbindung und Webbrowser.
Beim Kauf des Programms ist eine Schulung inklusive. Neben der einmaligen Einrichtungspauschale beim Kauf fallen zudem noch Hostingkosten an. Die Gesamtkosten für kleinere Mühlenbetriebe sollen nach Angabe von SB Konzept für die ersten fünf Jahre unter 10 000 Euro liegen.
Felix Eigenbrodt im Interview mit Mühle + Mischfutter.
M+M: Sie haben auf der Müllerei-Fachtagung 2023 in Volkach Ihr Programm Babelbing vorgestellt. Wie kamen Sie auf die Idee ein erweitertes Fakturierungsprogramm speziell für Mühlenbetriebe zu entwickeln? Hatten Sie hier besondere Erfahrungen?
Felix Eigenbrodt: Die Kunstmühle Hofmeir kam mit dem Wunsch nach einem Programm auf uns zu. Gemeinsam wurde dann aus Blickwinkel des Müllers und des IT-lers das Mühlenmanagement-Programm aus der Praxis heraus entwickelt.
M+M: Sie werben mit dem Spruch: „Eine Warenwirtschaft für den Müller vom Müller“, was bedeutet das? Haben Sie eine Ausbildung als Müller?
Felix Eigenbrodt: Wir selbst sind natürlich keine Müller, aber in Zusammenarbeit mit den reellen Fragestellungen des Müllers haben wir sehr schnell die Herausforderungen identifiziert und gemeinsam mit der Kunstmühle Hofmeir gelöst. In so einem Projekt über mehrere Monate lernt man sehr viel über die Müllerei und deren Sorgen und Nöte. Das ist auch immer ein wesentlicher Teil unserer projektbezogenen Arbeit als IT-Firma allgemein, dass wir uns immer in die Situation unserer Kunden hineindenken und auch die Prozesse nachvollziehen.
Selfi zur Erinnerung. Felix Eigenbrodt und Alexander Lechner nach ihrem Vortrag in Volkach.
M+M: Können Sie uns etwas zu dem Projekt in der Kunstmühle Hofmeir erzählen? Was waren Ihre Erfahrungen?
Felix Eigenbrodt: Es ist immer anfangs ein gemeinsames Erarbeiten der Prozesse, die wir dann im Programm umsetzen. So gut wir von der Mühle „gefüttert“ werden, umso schneller und auch besser kann das Ergebnis werden. Zweifelsohne hat sehr schnell die Chemie zwischen unseren beiden Familienbetrieben gepasst, was man am Ergebnis auch sehen kann. Einfacher, intuitiver Aufbau, auf das wesentliche reduziert, anwenderfreundlich. Für die Mühle ist so ein Programm essenziell, aber letztendlich auch Mittel zum Zweck. Unsere Aufgabe besteht darin, die umfangreichen und komplexen Programmierungen einfach aussehen zu lassen.
M+M: Wie viele Kunden haben Sie bisher in der Mühlenbranche?
Felix Eigenbrodt: Vor dem Mühlenmanagement-Programm hatten wir bereits zwei kleinere Projekte mit der Kunstmühle Hofmeir. Somit war die Vertrauensbasis gelegt. Im fortgeschrittenen Projekt wurden auch zwei weitere Mühlenbetriebe mit deren Wünsche hinzugezogen. Man merkte schnell, dass Handwerksmühlen eine vertrauensvolle und familiäre Zusammenarbeit schätzen.
M+M: Welche konkreten Vorteile haben kleinere Mühlen mit Babelbing? Wie erleichtert das Programm den Alltag in einem kleineren Mühlenbetrieb?
Felix Eigenbrodt: Das Programm ist auf die wesentlichen Prozesse einer Handwerksmühle bis 20 Mitarbeiter ausgelegt. Wichtig dabei sind die einfache Handhabung und die schnelle Übersicht für den oder die Anwender. Nur einen schnellen Vergleich: Das Microsoft Word kennt jeder. Wenn es hochkommt, benutzt der Anwender ca. 5% aller Möglichkeiten von Word. Das wollten wir in dem Mühlenfall vermeiden, weil es nur zu fehleranfällig ist.
M+M: Haben Sie ein Beispiel für eine vollautomatisierte Meldung an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)? Welche Daten werden zusammengefasst und wie erfolgt die Übermittlung?
Felix Eigenbrodt: Hier gibt es verschiedene Stufen. Das Programm ermittelt die Getreide- und Mehlmengen, die dann vollautomatisch an die BLE-Schnittstelle weitergeleitet, direkt in das BLE-Profil übertragen zum manuellen Abschicken oder nur die Zahlen für den Versender ausgegeben werden. Das alles kann monatlich, quartalsmäßig oder jährlich erfolgen, je nachdem wie der Betrieb meldepflichtig ist.
M+M: Wie bilden Sie den Mühlenprozess ab? Wie erfassen Sie die Daten aus dem Betrieb? Müssen Daten per Hand eingepflegt werden?
Felix Eigenbrodt: Die Daten pflegt der Anwender selbst. Es gibt keine Schnittstelle zur Produktion. Das ist bewusst nicht gemacht worden, weil es das Programm nur verkompliziert, aufbläht und daraus resultierend wesentlich teurer gemacht hätte. Der Fokus war von Anfang an auf einem soliden Preis-Leistungs-Verhältnis für den Handwerksmüller. Für größere, komplexere Betriebe gibt es bereits auf dem Markt erhältliche Programme.
M+M: Wie werden die Daten für die Kontrakte (Kundenkontrakte / Lieferkontrakte) erfasst? Automatisch bei der Anlieferung? Oder müssen die Mengen per Hand eingegeben werden?
Felix Eigenbrodt: Die müssen manuell gepflegt werden. Wobei wir von der Kunstmühle Hofmeir sehr viele allgemeine Grunddaten hinterlegt haben.
M+M: Die Gesetzgebung ändert sich und von Mühlenbetrieben wird hinsichtlich Qualitätssicherung und Dokumentation immer mehr erwartet. Planen Sie regelmäßige Updates ein? Oder gibt es das nur auf Anfrage, mit entsprechenden Kosten?
Felix Eigenbrodt: Das Programm ist modular aufgebaut und wird sich natürlich auch stetig verbessern/erweitern. Das Programm wird über den Input der Anwender auch wachsen. Über das Kollektiv können dann diese neuen Module günstig an die Anwender übergehen. Das ist uns auch sehr wichtig, da es leider oftmals Fälle gibt, wo reproduzierbare Arbeit bei jedem Anwender voll in Rechnung gestellt wird.
Wie sind die Erfahrungen mit Babelbing, rechnet es sich für kleinere Mühlen und wie aufwendig ist die Pflege. Diese Fragen stellte Mühle + Mischfutter Martin Hofmier, der in seiner Kunstmühle das Programm bereits im Einsatz hat.
Interview mit Anwender Martin Hofmeier
Martin Hofmeier hat Babelbing in seinem Mühlenbetrieb installiert und erste Erfahrungen.
M+M: Wie lange arbeiten Sie schon mit dem Programm? Welche Anforderungen hatten Sie an das Programm und wie sind ihre ersten Erfahrungen? Hat es Ihre Anforderungen erfüllt?
Martin Hofmeir: Wir arbeiten aktuell seit mehreren Monaten parallel mit dem neuen und dem alten Programm (wobei das alte Programm wesentlich weniger kann als das neue). Die unterschiedlichen Module haben wir zuvor immer wieder getestet und abgenommen. Die vollständige Umstellung nehmen wir aus Bilanzgründen und besserer Abgrenzung zum 1.Januar 2024 vor.
Wir wollten ein Programm, dass sich der Handwerksmüller mit "überschaubarer" Tätigkeit locker leisten kann. Ziel war es ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu bekommen. Wichtig war uns auch, dass es für viele Müllerkollegen geeignet ist und auch einfach in der Anwendung ist. Viele Programme schießen hier wesentlich übers Ziel hinaus und kosten auch ein Vermögen. Als Beispiel, eine MwSt-Änderung wollen wir beim Programmierer nicht teuer einkaufen müssen, sondern selbst vornehmen können.
Mit SB Konzept haben wir einen verlässlichen Partner gefunden, der auch unsere Sorgen und Nöte der kleineren Betriebe versteht und uns auch so lange wie möglich erhalten bleibt. Wichtig ist auch, dass das Programm immer weiter entwicklungsfähig bleibt und diese Zusätze auch allen Usern zur Verfügung stehen und zu moderaten Kosten.
M+M: Wie aufwendig ist die Pflege der Daten? Funktionieren die Schnittstellen, beispielsweise beim Versand?
Martin Hofmeir: Jedes Programm lebt von seinen Nutzern/Anwendern. Prozessdaten aus der Mühle müssen wir (gewollt) händisch einpflegen. Das gehört zum Tagesgeschäft. Oftmals sind das zuvor auch schon händisch gepflegte Daten z.B. Exeltabellen oder andere Hardcopy-Unterlagen. Nun hat man mit dem gleichen Aufwand alles kompakt in einem Programm, übersichtlich und immer griffbereit. Im Mühlenbetrieb gibt es mehrere verschiedene Steuerungen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, die die unterschiedlichsten Daten ausspucken. Eine direkte Vernetzung mit dem Mühlenprogramm wäre sehr aufwendig und sehr teuer geworden.
Die Schnittstellen sind einfach zu handhaben. Das sind wenige Klicks und man bekommt nebenbei mit einem Lieferschein z.B. das dazugehörige Versandlabel vom Paket-Versanddienstleister oder auch Spedition. Natürlich muss der Versanddienstleister, die Spedition oder eben auch das BLE eine solche Schnittstelle anbieten.
Der Schweizer Technologiekonzern Bühler stellte im November 2023 sein neues Zentrum für Lebensmittelinnovationen vor.
2023
11/21/2023
Bühler mit neuen Anwendungs- und Trainingszentren
Die neuen Zentren ergänzen die bestehenden, wie zum Beispiel das Extrusion Application Center. Sie verbinden die gesamte Wertschöpfungskette und ermöglichen einen zirkulärwirtschaftlichen Ansatz in der Lebensmittelproduktion. Mit der modernen Infrastruktur und dem Expertenteam von Bühler haben die Kundinnen und Kunden ein Umfeld, um Marktveränderungen zu begegnen und die Lebensmittel der Zukunft zu gestalten. Laut Ian Roberts, CTO der Bühler AG sei ein Epizentrum für Foodkreationen am Standort Uzwil entstanden. Aber es gehe nicht nur um die Gestaltung von Lebensmitteln, sondern mehr Menschen sollen Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln bekommen und zudem müssen Prozesse so gestaltet werden, dass der Einsatz wertvoller Resourcen wie Wasser und Energie weiter reduziert wird.
«In einer Welt, in der die Anforderungen sich so rasant ändern, brauchen die Kundinnen und Kunden Flexibilität und Kreativität, um Ihre Produkte so anzupassen, dass sie wichtige Aspekte wie Nachhaltigkeit, die Verwendung lokaler Rohstoffe, gesunde Ernährung und Erschwinglichkeit berücksichtigen können», sagt Johannes Wick, CEO von Grains & Food bei Bühler. «Mit der Fertigstellung der neuen Anwendungs- und Trainingszentren sind wir in der Lage, die gesamte Produktionspalette abzudecken, von unterschiedlichen Rohmaterialien bis hin zu einer Vielzahl von Endprodukten. So können wir unseren Kundinnen und Kunden eine enorme Flexibilität und die Möglichkeiten bieten, die sie brauchen, um neue Märkte zu erschliessen.»
Bühler betreibt an 23 Standorten weltweit Anwendungs- und Trainingszentren, die teilweise für mehrere industrielle Anwendungen geeignet sind. Sie bieten spezielle Schulungen für Kundinnen und Kunden an und agieren als eine gemeinsame Plattform, um neue Ideen zu testen und mit Produktneuheiten zu experimentieren. In den letzten Jahren hat Bühler sein globales Netzwerk von Anwendungszentren erweitert und neue Geschäftspartnerinnen und -partner, Forschende aus der Wissenschaft, Start-ups und Zuliefererinnen und Zulieferer mit dem Ziel zusammengebracht, den Kundinnen und Kunden ein modernes Umfeld zu bieten, um Innovationen voranzutreiben. Im Oktober eröffnete Bühler in Brasilien gemeinsam mit dem Institute of Food Technology (Ital), dem FoodTech HUB Latam, Cargill und Givaudan das Tropical Food Innovation Lab. In diesem innovativen Netzwerk werden nachhaltige Lebensmittel und Getränke entwickelt und gleichzeitig die Biodiversität Brasiliens gefördert.
Pressekonferenz im neuen Flavor Creation Center in der Bühler Zentrale in Uzwil (Fotos Sabine Kemper)
Innovation durch Synergieeffekte ermöglichen
Die Eröffnung des neuen Flavor Creation Center, des Food Creation Center, des Protein Application Center und des Energy Recovery Center sowie der bestehenden Anwendungs- und Trainingszentren in Uzwil machen diesen Standort zu einem One-Stop-Shop für die Kundinnen und Kunden von Bühler weltweit. «Die Eröffnung der Anwendungs- und Trainingszentren ist ein wichtiger Meilenstein in unserem Bestreben, unsere Kundinnen und Kunden und Partnerinnen und Partner bei der Entwicklung eines nachhaltigeren Lebensmittelsystems zu begleiten», sagt Ian Roberts, CTO von Bühler. «In den neuen Zentren haben die Kundinnen und Kunden Zugang zu einer einzigartigen Kombination aus Technologie und Know-how.»
Rainer Miserre, Geschäftsführer Verlag Moritz Schäfer erfährt von den Experten in Uzwil welche Biscuits mit Bühlers Meinecke V60 machbar sind.
SnackFix ermöglicht verschiedene Möglichkeiten für Riegel.
Das neue Protein Application Center bietet Prozesslösungen für den Bereich Inhaltsstoffe und Konsumprodukte unter einem Dach. Das Zentrum wird die Wissenserweiterung fördern und die Entwicklung von Prozessen für die Herstellung von Lebensmitteln auf pflanzlicher Basis, einschliesslich Fleischersatzprodukten, Getränken und Zutaten, vorantreiben. Ausgestattet mit den neuesten Nassisolierungs- und Fraktionierungstechniken für die Trennung von Proteinen, Stärke und Fasern, wird das Zentrum in Zusammenarbeit mit Bühlers Partner endeco betrieben und wird das Grain Innovation Center, das Extrusion Application Center, das Pasta Application Center, das Food Creation Center, das Flavor Creation Center und das Energy Recovery Center miteinander verbinden.
Rainer Miserre im Gespräch mit Lebensmitteltechnologe Dennis Ludwig, der den Herstellungsprozess von Snacks mit SnackFix erklärt.
Das Extrusion Application Center, in dem 80 bis 90 Versuche pro Jahr durchgeführt werden, wird eng mit dem neuen Protein Application Center verknüpft sein und bietet so die einzigartige Möglichkeit, die gesamte Prozesslösung von den Rohmaterialien bis zu den Endprodukten zu optimieren. In diesem Mehrzwecklabor können die Kundinnen und Kunden Tests an Lebens- und Futtermitteln durchführen und neue Rezepturen, Produktformate und -beschaffenheiten testen.
Im Flavor Creation Center wird das bewährte Know-how von Bühler in der Verarbeitung, Röstung und Vermahlung von Kakaobohnen, Nüssen und Kaffee an einem Ort vereint, um unvergleichliche Aromen und exquisite Produkte zu kreieren. Das Zentrum, in dem seit 2013 Kaffee und seit 2022 Kakao und Nüsse verarbeitet werden, wurde modernisiert und renoviert. Es bietet Produktinnovationen, Schulungen, Prozessoptimierung und Rohstoffanalysen und arbeitet im Einklang mit dem Chocolate Application Center, dem Food Creation Center und dem Energy Recovery Center von Bühler.
Im Protein Application Center werden Erbsen in Stärke, Fasern und Proteine aufgelöst - die Rohstoffe zur weiteren Verwendung bei der Entwicklung neuartiger Lebensmittel.
Erbsenstärke, -fasern und -proteine in ihrer reinen Form - die Rohstoffe.
Ob es sich um Snack-Riegel, Waffeln, Kekse, Cracker, Backwaren aller Art oder Schokoladenprodukte handelt – das neue Food Creation Center wurde entwickelt, um Kundinnen und Kunden während des gesamten Innovations- und Industrialisierungsprozesses zu unterstützen. Auf einer Fläche von 850 Quadratmeter vereint das Zentrum Spitzentechnologie, analytische Dienstleistungen, Produkt- und Prozessentwicklung, Workshops und Schulungen.
Christoph Vogel, Head of Business Unit Human Nutriation erklärt die Möglichkeiten und Grenzen der Extrusion.
Proteine geschickt verpackt.
Integrierte Lösungen zur Energieeffizienz
Zusammen erzeugen die Anwendungs- und Trainingszentren in Uzwil jährlich rund 550 Tonnen Biomasse. Zur optimalen Nutzung der in den Zentren anfallenden Abfälle und Nebenprodukte haben Bühler und sein strategischer Partner Vyncke das Energy Recovery Center gebaut, das als Heizanlage für den Hauptsitz von Bühler fungiert. Das Energy Recovery Center dient auch als Demonstrations- und Testplattform für Kundinnen und Kunden, die den CO2-Fussabdruck, die Abfallproduktion und die Energiekosten durch die Verwendung von Seitenströmen reduzieren wollen. «Die Energiegewinnung aus Biomasse als integrierter Bestandteil von Prozesslösungen für Lebensmittel wurde bisher nicht konsequent entwickelt und verfügt daher über ein enormes Potenzial, sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus nachhaltiger Sicht», sagt Johannes Wick. «Das Bühler-Vyncke Energy Recovery Center ist für uns ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsziele und soll als Beispiel für Möglichkeiten der Energierückgewinnung in der Lebens- und Futtermittelproduktion dienen.»
Eine nachhaltige thermische Verwertung von Reststoffen ist in Getreidemühlen ein großes Thema. Der Ofen von Vyncke steht für Tests zur Energiegewinnung im neuen Energy Recovery Center in Uzwil für Interessierte zur Verfügung.
Skalierbare transformative Wirkung
Die Partnerschaften von Bühler ermöglichen die Entwicklung von Spitzentechnologien und neue Formen der Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden und Partnerinnen und Partnern. Milling Solutions hat zusammen mit den anderen Geschäftsbereichen mit dem Bau des neuen Grain Innovation Center in Uzwil begonnen, in dem Bühler zusammen mit seinen Kundinnen und Kunden und Partnerinnen und Partnern nachhaltige und effiziente Lösungen für die Getreide- und Futtermittelverarbeitung entwickeln, testen und skalieren wird, um Lebensmittel und Futtermittel zu verbessern.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf Ertrag, Qualität, Energieeffizienz und Flexibilität der Anlagen sowie auf nahrhaften und wohlschmeckenden Rezepturen auf der Basis einer breiten Palette von Getreide und Hülsenfrüchten. Das Zentrum soll Ende 2024 in Betrieb genommen werden.
Das Grain Processing Innovation Center in Kano, Nigeria, befindet sich ebenfalls im Bau und soll Anfang 2024 seine Tore öffnen. Das Zentrum wird sich auf die Entwicklung von Produkten, Rezepturen und Verfahren unter Verwendung lokaler Getreidesorten wie Sorghum, Hirse, Mais, Sojabohnen, Bohnen und Erdmandeln konzentrieren.
«Mehr noch als die beeindruckenden Kapazitäten jedes neuen Anwendungs- und Trainingszentrums, in das wir investiert haben, sind diese darauf ausgelegt, ganzheitlich zu arbeiten und einen vollständigen Prozess anzubieten, damit die Kundinnen und Kunden das Optimum herausholen und messbare und bemerkenswerte Ergebnisse erzielen können», sagt Johannes Wick.
Johannes Wick, Rainer Miserre und Ian Roberts im Food Innovation Center von Bühler.
Die Wahl des richtigen Motorentyps und des richtigen Übertriebs ist entscheidend für die Effizienz.
2023
11/19/2023
Asynchronmotor: Riemenübertrieb contra Direktantrieb
Quod licet jovi non licet bovi – Was für Jupiter gut ist, ist nicht zwingend für den Ochsen gut. Schon die Römer wussten, dass es von Vorteil sein kann, zwei Dinge nicht gleich zu behandeln. Auf den Antrieb von Maschinen und Anlagen in einer Mühle übertragen heisst das: Was sich als Antriebstechnologie für einen Walzenstuhl eignet, muss nicht zwingend auch für den Plansichter die beste Lösung sein.
Vorteile des Direktantriebes
Der Elektromotor spielt in der Getreidemüllerei eine zentrale Rolle. Von der Rohstoffannahme bis zum Abpacken der Endprodukte kommt dieser Motorentyp in den diversen Ausführungen mit verschiedensten Übertrieben zum Einsatz. In den letzten zehn Jahren haben die führenden Mühlenbauer bei ihren Maschinen den klassischen Asynchronmotor mit Riemenübertrieb sukzessiv durch Direktantriebe oder Getriebemotoren ersetzt. So werden heute beim Antrieb von Kleieschleudern, Prallmaschinen oder modernen Walzenstühlen mehrheitlich diese neuen Antriebssysteme verbaut. Diese Lösungen können in drei Kategorien eingeteilt werden.
Asynchronmotor mit Getriebe
Das mechanische Getriebe weist im Vergleich zum Riemenübertrieb eine etwas höhere Effizienz von circa 98 Prozent auf, zeigt sich wartungsfreundlich und ist im Preis mit einem Riemenübertrieb vergleichbar. Allerdings stehen der hohen Effizienz des Getriebes Einschränkungen bei der Konstruktion der Maschine gegenüber. Zudem ist die Zulassung bezüglich Explosionsschutz bei Getrieben mit hoher Leistung und tiefer Drehzahl herausfordernd.
Direktantrieb mit Asynchronmotor
Der Asynchronmotor mit Direktantrieb weist im Übertrieb keinen Leistungsverlust auf, weil die Kraft direkt auf die Maschine übertragen wird. Zum Einsatz kommen zumeist Standardmotoren, die weltweit erhältlich sind, effizient und wartungsarm arbeiten sowie durch eine hohe Lebensdauer und einen tiefen Verschleiss überzeugen.
Bei der Auslegung muss die nominale Drehzahl des Motors beachtet werden. Sollte die benötigte Maschinendrehzahl ausserhalb der nominalen Drehzahl liegen, muss ein Frequenzumformer eingesetzt werden. Zusätzlich müssen für tiefere Drehzahlen grössere Motoren gewählt werden. Dies gilt für den Einsatz mit Frequenzumformer sowie für Motoren mit tiefen nominalen Drehzahlen.
Asynchromotor mit Riemenantrieb.
Direktantrieb mit Synchronmotor
Der Synchronmotor mit Direktantrieb besitzt einige Vorteile gegenüber dem Asynchronmotor. Er arbeitet nochmals effizienter und ist bei gleicher Leistung wesentlich leichter. Zudem ist er in diversen Bauformen erhältlich und kann somit konstruktiv einfacher integriert werden. Nachteilig ist die für den Einsatz zwingend notwendige Leistungselektronik und der hohe Preis. Synchronmotoren sind selten als herstellerübergreifendes Standardprodukt verfügbar. Daher ist die weltweite Verfügbarkeit nicht gewährleistet. Schliesslich sind auch die geforderten Zertifizierungen (z.B. ATEX) herausfordernd.
Plansichter: Asynchronmotor in der Poleposition
Das Prinzip des freischwingenden Plansichter wurde bereits 1895 in Deutschland entwickelt. Er besteht aus zwei Siebkästen mit einem mittig angelegten Schwunggewicht. Dank dieser Anordnung können Plansichter freischwingend aufgehängt werden. Obwohl schon seit vielen Jahren verwendet, sind nach eingehender Analyse des gesamten Systems die Entwickler von Bühler überzeugt, dass für den klassischen Plansichter der Asynchronmotor mit Riemenübertrieb noch immer die beste Wahl ist.
Der Vorgang und die notwendigen Kräfte, um den Plansichter in Schwung zu bringen und dann in Schwung zu halten, ist mit der Reise eines Flugzeuges vergleichbar. Für den Start des Flugzeugs muss eine enorme Energie verfügbar sein. Hat das Flugzeug jedoch einmal die Flughöhe erreicht, wechselt es in einen möglichst effizienten Betrieb. Sehr ähnlich verhält sich das bei einem Plansichter. Innert kürzester Zeit muss der Sichter die Nenndrehzahl erreicht haben, ansonsten besteht die Gefahr, dass er sich in einer tiefen Resonanz hochschaukelt. Ein Plansichter benötigt also «beim Start» ein sehr hohes Drehmoment. Im «Flug», also im Dauerlauf verbraucht er hingegen als «Freischwinger» sehr wenig Energie da er nie abgebremst und beschleunigt wird. Auch der Kräfteverlust durch Übertragung an das Mühlengebäude ist vernachlässigbar, da der Plansichter frei pendelnd aufgehängt ist. Bis zum Erreichen seiner nominalen Drehzahl liefert ein Asynchronmotor ein bis zu dreimal höherem Drehmoment als im Dauerlauf. Somit ist dieser Motortyp für «Start und Flug» des Plansichters prädestiniert.
Plansichter: Riemenübertrieb als beste Lösung
Doch wie wird die Kraft ideal auf den Sichter übertragen? Wie ausführliche Tests gezeigt haben, ist der Riemenantrieb für die Verbindung zwischen Motor und Sichter die optimale Wahl. Auch wenn die Kraftübertragung per Riemen eine leicht reduzierte Energieeffizienz aufweist, zeigen sich doch verschiedene Vorteile zum Direktantrieb. Sie ergeben sich aus der gewünschten Anwendung sowie unproblematische Lieferketten für Ersatzteile und dem notwendigen Unterhalt. Riemen sind einfache, standardisierte Bauteile, die weltweit in hoher Qualität verfügbar sind. Der Riemenübertrieb erlaubt eine hohe Übersetzung, was den Einsatz von kleineren und somit günstigen Motoren ermöglicht. Dementsprechend kann auch die elektrische Installation in der Anlage vereinfacht werden. Die Wartung ist sehr einfach und kann durch geschultes Personal problemlos sichergestellt werden. Vorteile hat der Riemenübertrieb auch bezüglich Konstruktion des Plansichters. Der Riemen erlaubt konstruktiv einen gewissen Abstand zwischen Motor Schwungmasse. Somit kann der Motor dort eingebaut werden, wo er keinen wertvollen Platz «verbraucht».
Antrieb Plansichter MPAK inklusiv Riemenantrieb und Schwunggewicht.
Plansichter: Energieverbrauch zweitrangig
Die stetig steigenden Energiekosten stellen in der modernen Müllerei eine Herausforderung dar. Dabei fokussiert sich die Diskussionen auf einen möglichst tiefen Energieverbrauch. Diese Diskussion ist absolut wichtig. Aber genauso wichtig ist die Gesamtsicht auf den Energiehaushalt einer Getreidemühle.
In welchem Produktionsschritt wird die höchste Gesamtleistung benötigt? Sicher nicht bei der Sichtung. Ein Plansichter verbraucht je nach Auslegung 20-30 mal weniger Energie als die dazugehörigen Walzenstühle. Im Alltagsvergleich: ein Plansichterabteil verbraucht weniger Energie als ein Staubsauger auf mittlerer Stufe. Der dazugehörige Walzenstuhl verbraucht gleichzeitig etwa so viel wie 20 Staubsauger auf hoher Stufe.
Dieses Beispiel verdeutlicht, warum beim Gross-Plansichter die Vorteile des Asynchronmotor mit Riemenübertrieb den Nachteil der leicht reduzierten Effizienz bei weitem übertreffen. Selbstredend werden beim Antrieb der Plansichter dennoch alle Möglichkeiten genutzt, den Energieverbrauch zusätzlich zu senken. Zum Beispiel durch den Einsatz von Asynchronmotoren mit höherer Effizienzklasse.
Der Plansifter Sirius MPAK. Beim Gross-Plansichter übertreffen die Vorteile des Asynchronmotor mit Riemenübertrieb den Nachteil der leicht reduzierten Effizienz bei weitem.
Fazit
Bühler hat bei verschiedenen Maschinen in der Getreideverarbeitung bei der Wahl der Antriebssysteme auf den Direktantrieb oder auf Getriebemotoren gewechselt. Beim Gross-Plansichter, wie dem Sirius MPAK oder dem Arenit MPAV, kommt hingegen seit Jahrzehnten ein Asynchronmotor mit Riemenübertrag zum Einsatz, auch wenn ein Direktantrieb mit Synchronmotor inklusive Leistungselektronik möglich wäre.
Die Vorteile eines Asynchronmotor mit Riemenübertrieb liegen auf der Hand und sind bestechend:
- Anbieterunabhängige Lösung
- Technisch sehr robustes System
- Sehr hohe Energieeffizienz
- Unproblematische, schnelle und weltweite Verfügbarkeit
- kostengünstige Beschaffung von Bauteilen
- günstige Lagerhaltung und einfache Wartung
Ausblick
Der Plansichter gehört zu den wichtigsten Prozessmaschinen einer Getreidemühle. Ein Ausfall kann sehr schnell zum Stillstand der gesamten Mehlproduktion führen. Als Ergänzung zur regelmässigen Wartung arbeitet Bühler an Lösungen mit modernster Sensorik, welche einen allfälligen Ausfall des Motors, ein überhitztes Lager, schwankende Belastungen von Siebabteilen oder eine falsche Riemenspannung frühzeitig melden. Im Gegensatz zu den heutigen Lösungen garantiert diese «kontinuierliche Überwachung» eine frühzeitige Meldung an die für den Unterhalt verantwortlichen Stellen. Und zwar bereits einige Zeit vor einem allfälligen Ausfall. Der Austausch von Komponenten kann somit geplant durchgeführt werden, ohne einen ungeplanten Stillstand zu riskieren.